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Akai Pro MPC Key 61

Nicht nur im Studio-Produktionsalltag, sondern auch für viele Live-Keyboarder dürfte die neue Akai Pro MPC Key 61 – die erste MPC mit Klaviatur – eine sehr attraktive Alternative sein.

akai im test

Die Gerüchteküche war schon seit einiger Zeit aktiv, hier nun der große Knall: Eine MPC mit Tastatur und ein leistungsfähiges Sequencing mit traditionsreicher Sampling-Option, hochqualitative Bühnen- und Studiosounds für alle Soundanforderungen und zuverlässige Liveperformance. Die Soundlibrary umfasst alles vom traditionellen Konzertflügel über großflächige Orchestersounds bis hin zu „abgefahrenen“ Edge-Klängen. Mit anderen Worten: Das Zeitalter für neue revolutionäre Workstations geht weiter.

Konzept

Seit Jahren wird insbesondere das Studioproduktions-Prozedere von Computern, DAWs und eigens für diese Zwecke geschriebener Software dominiert. Die Vorherrschaft von Software-Instrumenten wird allenthalben immer deutlicher und zunehmend seltener wurde dieses Prozedere in den letzten Jahren auf professioneller Ebene in Frage gestellt. Doch angesichts manch leistungsfähiger Workstation fragt man sich auch manchmal: Beginnen diese Zeiten sich etwa zu ändern? Wenn ja, dann wäre ein Instrument wie das neue Flaggschiff des aus Taiwan stammenden Herstellers Akai Pro auf jeden Fall dafür mitverantwortlich. Seit Jahrzehnten ist Akai Pro für seine Sampler bekannt, die fast jedes Studio weltweit krönten, zumindest bis die Computer-DAW-Applikationen sie nach und nach ablösten. Doch die nun hier vorliegende MPC Key 61 steht in den Startlöchern, um die gesamte Studioszene – und vielleicht darüber hinaus auch die der Live-Keyboarder – kräftig durchzurütteln: eine Mischung aus Beat Box und Synthesizer-Workstation. Es handelt sich um ein Musik-Produktionssystem auf Basis des MPC OS 2.11 Stand Alone-Standards. Was bisher nur in einem Modul anzutreffen war, gibt es hiermit jetzt zusätzlich in einer Keyboard-Variante.

Tastatur, RGB-Pads, Spielhilfen

Das Keyboard verfügt über 61 anschlagdynamische Tasten und 16 dynamische Pads zum Einspielen von unterschiedlichen Events. Die halbgewichtete dynamische Tastatur mit Aftertouch bietet sowohl erfahrenen, pianogeprüften Profis wie auch sporadisch spielenden Keyboardern eine Startbahn für die Erkundung der Soundpalette. Wie es sich für eine Live-Workstation gehört, gibt es ein individuell programmierbares Keyboard-Split, das es erlaubt, unterschiedliche Sounds auf verschiedenen Teilen der Tastatur spielen zu können. Von der MPC-Serie überliefert sind die anschlagdynamischen RGB-Pads, mit denen Drumsounds und Samples getriggert werden können.

Doch nicht nur das: Im „Pad Perform“-Modus wird eine automatische Noten-Korrektur aktiviert, wofür die Pads mit verschiedenen Skalen belegbar sind. Natürlich sind, Standardausstattung, auch Modulations- und Pitch Bend-Wheel vorhanden, die jederzeit auch zur Effektmanipulation eingesetzt werden können.

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Anschlüsse

An Anschlüssen sind zunächst einmal vier Line-Outs sowie ein Kopfhörer-Output vorhanden, alles jeweils in Form großer Stereo-Klinken. Schon etwas besonderer sind zwei Mikrofon-Eingänge samt dahinter geschalteter hochwertiger Mic Preamps. Damit kann man jede Art von Gesangs-Studio-Kosmetik betreiben, wie man sie sonst nur aus geräumigen High End-Studios kennt. Die eingebaute „Air Vocal“-Suite beinhaltet zudem auch noch Vocal Tuning – landläufig auch als „Autotune“ bekannt – und einen vierstimmigen Harmonizer. Die USB-, MIDI- und CV/Gate-Schnittstellen lassen die Kommunikation mit anderen Synthesizern zu, theoretisch können 32 weitere MIDI-Geräte angesteuert werden. Auch ausufernden Mega-Produktionen sollte also nichts im Wege stehen. Dafür kann softwareseitig auch noch die mitgelieferte MPC2-Desktop-DAW gestartet werden. Außerdem kann das MPC selbst in anderen DAWs als Plug-in verwendet werden. Die vorhandenen 4 GB RAM Arbeitsspeicher, 32 GB Storage, ein Quad ARM-Prozessor und eine WLAN / Bluetooth-Option machen die Akai Pro MPC Key 61 ohnehin schon zu einem Power-Paket. Über eine SATA-Schnittstelle kann man obendrauf noch zusätzlichen eigenen Speicher anschließen oder auch über USB 3 externe Festplatten beliefern sowie beispielsweise MIDI-Controller oder Audio-Interfaces anschließen.

Display

Das große 7-Zoll-Touch Display erweist sich als die optische Schaltzentrale und überzeugt rundherum mit einer sehr hohen Auflösung, griffigen virtuellen Schaltern und Schiebereglern und einer guten Lesbarkeit selbst von der Seite. Wird ein Bedienelement auf dem Touchscreen berührt, kann man es sehr genau und bequem editieren, keine Selbstverständlichkeit und nicht bei allen Displays von Mitbewerbern immer so anzutreffen. Auch ein zeitlich ausuferndes Steppen durch die Möglichkeiten des Instruments, manchmal eine Geduldsprobe, wird dank dieses Displays eher ein Vergnügen. Bei der Akai Pro MPC Key 61 müssen die Finger, wenn sie nicht gerade die Tastatur bedienen sollten (eigentlich ihre Hauptaufgabe), das Display gar nicht verlassen. Alle Bedienelemente sind visuell gut und schnell erkennbar, was auf der Bühne besonders von Vorteil ist. Auch sind die Soundfamilien über schöne bunte Bilder jederzeit wieder auffindbar, was das Laden von Sounds und Samples schnell und genau möglich macht.

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Sounds

Alle klavierverwöhnten Spieler sollten sich sofort auf den Ordner „Fabrik Piano“ stürzen und wie in einem Pianohaus die unterschiedlichen Klaviersounds durchsteppen. Es stehen zirka 50 Presets in allen möglichen Stilen zur Verfügung. Von Klassik über Jazz und Pop bis zum Honky Tonk ist soundmäßig alles vorhanden, was Klaviertasten jemals hervorgebracht haben. Auch die cineastischen Komponisten dürften mit Sounds wie „Swirly Clunker“ oder „Shape Shifter“ reichlich neue Ideen geliefert bekommen.

Allgemein sorgen, von den Klaviersounds einmal abgesehen, gleich 17 interne Klangerzeuger, darunter ein neuer FM-Synth mit vier Operatoren, für glasklare Sounds. Das oben schon angesprochene hervorragende Display fällt übrigens einmal mehr auch bei der Sound-Editierung erneut als etwas Besonderes auf: Die Regelung erfolgt per Touchscreen oder über die vier „Q-Link“ Regler. Es macht vom Workflow her sehr viel Freude, Sounds zu editieren. Die unzähligen Effekte (zu denen später mehr) tun ihr Übriges dazu.25 interne Plug-ins bieten ein riesiges Arsenal an Sounds und über 100 Effekte. Schon beim ersten Rundgang durch die Soundsammlung wird man mit teils sehr illustren, aber trotzdem richtungsweisenden wie pragmatischen Namen konfrontiert. Hier beispielhaft ein paar übergeordnete Kategorienamen: „Fabric“, „Hype“, „Odyssey“ oder „Tube Synth“. Zugegeben, manchmal schon sehr fantastisch, aber schon die Namensgebung generiert manchen „Sound-Appetit“! Hinter jedem dieser Namen verbergen sich weitere Unterordner mit unzähligen Sounds, die es aber einfach gilt, selbst zu erforschen, denn eine komplette Auflistung würde die Grenzen dieses Artikels hoffnungslos sprengen. Eine spezielle Schnellade-Funktion erlaubt eine Ladezeit von weniger als drei Sekunden, zudem sind die rund 6000 Presets sehr übersichtlich gehalten und in der Hierarchie ebenfalls selbsterklärend.

Touch Strip

Der Touch Strip ist ein besonders für Livemusiker interessantes Feature. Man sollte es vor allem in Verbindung mit Synth Solo-Sounds unbedingt ausprobieren. (Man erreicht diese über den Pfad „Fabric XL / Synths“ und auf geht’s!) Zur Begrüßung gibt es dort gleich das Preset „Welcome“, das mit einem großzügigen, aufwärtsbewegenden Slideeffekt an das Zeitalter des Progressive Rock erinnert. Man gehe auf die dritte Liste, wähle den Sound „Funk Accenter“ und bewege den Touch Strip auf- und abwärts. Es ergeben sich wunderbare Klangeffekte, die sowohl im Live- wie auch im Studio-Bereich ihren willkommenen Einsatz finden werden. Der große Touch Strip kann nicht nur Effekte und Instrumente ansteuern, sondern auch den Arpeggiator beeinflussen.  Aber nicht nur bei monophonen Klängen, sondern auch bei Streichersounds kann per Touch Strip leichtes, natürliches Vibrato hinzugefügt werden, während bei Orgelsounds das obligatorische Leslie den Sound in bekannter Art und Weise verändert.

Effekte

Jede Spur verfügt über vier Send- und Insert-Effekte. Der Katalog gutklingender Effekt-Optionen ist dabei groß: Delays, Reverbs, Phaser, Flanger, Harmonizer, verschiedene Kompressoren, Limiter, Bitcrusher, Verzerrer und ein Transient Shaper, mit dem ganz speziell Audio-Loops bearbeitet werden können. Neu im Boot sind „AIR Flavor“ und „Air Amp Sim“, mit denen ein ganz spezielles Sounddesign durchgeführt werden kann.Insgesamt über hundert aktuelle und Vintage-Effekte stehen zur Verfügung, angefangen von den schon genannten Klassikern wie Reverb und Delay bis zu noch nie dagewesenen Klangmanipulationen und Zerr-Effekten wie „Flavor“ oder „Diode Clip“. Aktuelle Vocal-EFX-Plug-ins können für Mikrofon-gestützte Aufnahmen genutzt werden.

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Praxis

Zur Arbeitsweise mit der MPC Key 61 lässt sich allgemein sagen: Was man sucht, wird sehr schnell gefunden. Die Interaktion zwischen den Polen Sequenz, Track und Programm ist schnell erforscht. Wer zu faul sein sollte, irgendwelchen Manuals oder Tutorials zu folgen, wird auch mit dem „learning by doing“ durchaus weit kommen können. Für weitere Informationen wird man dann auch noch auf YouTube schnell fündig. Bevorzugt man generell den Arbeitsflow außerhalb von Computer-DAWs und will die MPC Key 61 schlicht als Hardware-Keyboard benutzen, ist man ebenfalls bestens bedient. Schon gleich der erste Versuch, Tracks aufzubauen, wurde mit einem schnellen Ergebnis belohnt. Es sind dabei viele Details, die das Leben angenehmer machen. So enthält beispielsweise der interne Sequenzer die MPC Time Correct-Quantisierung, es steht eine Automation für alle Parameter zur Verfügung und Extras wie Verdoppelung bzw. Halbierung des Tempos sind möglich. Über die „Bounce to Sample“-Option kann ferner jedes Pattern zum Loop konvertiert werden. Alle Kanaleinstellungen können über den übersichtlichen Channel Mixer geregelt werden.

Wer sich außerdem schon ein bisschen auskennt, mag vielleicht noch in einem weiteren Vorteil sein: Die existierende und bewährte Arbeitsweise der MPC-Groove-Maschinen ist auf die Akai Pro MPC Key 61 übertragbar. Ein pragmatischer Workflow ist vorprogrammiert, speziell, aber nicht nur für den Hip-Hop-Bereich. Auch, wenn man sich ohne großen Bildschirm und Computer-Maus erst mal ein wenig unbeholfen fühlt, stellt man schnell fest, dass andere Features diese Werkzeuge ersetzen.

Fazit

Die Akai Pro MPC Key 61 ist ein komplettes Tonstudio, das auch Mikrofon-Aufnahmen erlaubt. Acht Audio-Tracks und 128 MIDI-Spuren lassen dabei ein großzügiges Arbeiten zu. Die Akai Pro MPC Key 61 befindet sich auf Augenhöhe mit anderen aktuellen Workstations wie Korg Kronos bzw. Nautilus oder Yamaha Montage und wird als „All In One“-Workstation seine Fangemeinde beglücken. Die Zielgruppe dürfte dementsprechend groß werden, da mit Einbezug der „Studiobastler“ und auch der bereits existierenden Hip-Hop-Familie mutmaßlich eine große User-Gemeinde entstehen wird. Für den eingefleischten MPC-Fan vielleicht stellenweise fast schon zu umfangreich, bietet die MPC Key 61 für Neueinsteiger ein willkommenes Terrain und ist sowohl für die Bühne wie auch fürs Studio bestens geeignet.

Text @ Christoph Spendel

Fotos @ Hersteller

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Mehr Infos: Music Production Hardware & Software | Akai Pro

Tags: Keyboard

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