Workshop: Modular-Synthesizer – Wie plane ich mein Modularsystem?

Modular-Synthesizer erleben seit Jahren eine Renaissance. Statt an virtuellen Bauteilen und Bildschirmpixeln erfreut man sich wieder an Hardware, die man mit Patchkabeln zu immer neuen Klangkonstruktionen verschalten kann. Etwas Haptik ist eben doch sexy! Willkommen zu unserem Modular-Workshop …

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Sie liebäugeln mit dem Erwerb eines Modularsystems? Herzlichen Glückwunsch! Diese neue Workshop-Reihe soll Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. In dieser ersten Folge möchten wir die notwendigen Rahmenparameter vor dem Kauf erklären und Sie zu einer Bedarfsanalyse ermutigen.

Modulare Synthesizer bieten Vorteile ...

Ein Modularsystem ist nicht nur ein äußerst flexibler Synthesizer, sondern ganz nach Bedarf Effektgerät oder Sequencer. Die mehrheitlich analogen Komponenten können Sie dabei weitgehend frei auswählen. Innerhalb des marktdominierenden Eurorack-Formatstandards, dürfen Sie kombinieren und erweitern und sich dabei an Klangverbindungen erfreuen, die von klassischen Anwendungen bis hin zu unrealisierbaren Vorhaben in konventionellen festverkabelten Systemen reichen. Aufgrund der vergleichsweise geringen Kosten für ein einzelnes Modul und zahlreicher ambitionierter Entwickler hat der Modulbereich inzwischen eine Innovationskraft, die sich nur mit der Plug-in-Branche, aber nicht mit den gängigen Massenprodukten vergleichen lässt. Mit anderen Worten: Hier ist Platz für Ungewöhnliches!

Gleichzeitig kann ein Modularsystem jederzeit und in nahezu jede Richtung wachsen. Seit der Markteinführung des A-100 (1996) hat Doepfer einen Quasistandard geschaffen. Auch 20 Jahre später können Sie daher ein neu entwickeltes Eurorack-Modul herstellerunabhängig in einen bestehenden Rahmen einschrauben und mit nahezu allen anderen Modulen zu einem Klangerzeuger kombinieren – in Zeiten schneller Produktzyklen keinesfalls selbstverständlich.
Das funktioniert, weil die zugrundeliegende Technik so geradlinig ausgeführt ist. Die Modulhöhe liegt bei drei Höheneinheiten, wobei die Breite in sogenannten Teileinheiten (TE, engl.: HP) gemessen wird, von denen in einer 19“-Höheneinheit 84 TE Platz finden. Die Module werden über zentrale Busplatinen und 10- oder 16-polige Flachbandkabel mit den nötigen Betriebsspannungen von +/- 12 und + 5 Volt versorgt.

Gleichzeitig sind die Module, wo nötig, kompatibel zum sogenannten 1-Volt-pro-Oktave-Standard für die Tonhöhensteuerung und nutzen allesamt ähnliche Spannungen für Gate- und Triggersignale für eine herstellerübergreifend mögliche Kommunkation. Aber nicht nur das: In vielen Fällen lassen sich auch externe Geräte mit entsprechenden Schnittstellen in ein Modularsystem einbinden.

Auch externe Hardware wie Elektrons Analog Keys lässt sich über den CV/Gate-Standard mit einem Modularsystem verbinden.

... aber auch Nachteile

Ein Eurorack-Synthesizer ist in aller Regel monophon, nicht speicherbar und erkauft sich seine Flexibilität durch den notwendigen Einsatz von Patchkabeln. Das sieht nicht nur wie in den Siebzigern aus, es handelt sich tatsächlich um dasselbe Prinzip, mit dem schon die ersten Modularschränke arbeiteten. Das Eurorack wurde sowohl aus praktischen als auch aus Kostengründen mit einer Modulhöhe von 3 HE konzipiert. Im Unterschied zu einigen klassischen und aktuellen Produkten mit 5 HE Modulhöhe ergeben sich ergonomische Einschränkungen bei den Bedienelementen und der Zwang zum Einsatz von 3,5-mm-Miniklinken für die Verkabelung. Schließlich sollten auch die Kosten nicht unerwähnt bleiben. Ein günstiges Einsteigerprodukt aus Fernostfertigung erwerben Sie hier nicht.

Bedarfsklärung

Bevor Sie in den Laden rennen und voller Tatendrang einen Sack Module erwerben, sollten Sie einige wichtige Dinge klären. Diese mögen banal erscheinen, können aber ihre Kaufentscheidung entscheidend beeinflussen.

Welches Einsatzgebiet schwebt Ihnen primär vor?
Sie sollten wissen, ob Sie einen Synthesizer mit oder ohne Sequenzer oder ein Effektgerät bauen möchten. Im zweiten Fall stellt sich auch die Frage, ob ihnen ein monophoner Signalweg reicht, oder ob Sie eine zweikanalige Signalbearbeitung wünschen. Auch die Anbindung an die weitere Studioperipherie zählt zu den zentralen Entscheidungen – Stichwort MIDI.

Was darf es kosten?
Ich gebe es zu: Modulsynthesizer können kostspielig ausfallen und bergen die Gefahr, der eigenen Sammelleidenschaft freien Lauf zu lassen. Andererseits: Weist nicht jedes Hobby ein wenig Suchtpotenzial auf? Genau deshalb ist es sinnvoll, sich vor dem Kauf Gedanken über den Einsatz des Systems und die nötigen Komponenten zu machen. Und wie bei jeder guten Kaufentscheidung sollten Sie Ihr Budget kennen und eine Kostenobergrenze festlegen. Konzeptionell ist ein Modularsystem zwar nie „fertig“, es macht aber umgekehrt keinen Sinn, in eine hochwertige oder spezialisierte Modulkombination zu investieren, die nicht spielfähig ist.

Der Grundbedarf
Gehen wir der Einfachheit einmal davon aus, dass Sie sich wenigstens einen einfachen monophonen Analogsynthesizer zum Einstieg vorstellen. Entsprechend benötigen Sie einen vollständigen Hauptsignalweg für die Klangerzeugung, der aus mindestens einem Oszillator (VCO), Filter (VCF) und Verstärker (VCA) besteht, meist ergänzt um Signalmixer und -verteiler (Multiple). Auf Modulatoren in Form von Hüllkurve und LFO werden Sie ebensowenig verzichten wollen wie auf einen Wandler, der MIDI-Daten in Steuerspannungen (CV), Gate- und Triggersignale umsetzt. Nur so können Sie den Synthesizer nämlich über ein reguläres Keyboard oder einen Computer steuern. Schließlich gehört auch eine Adaptierung des 3,5-mm-Buchsenformats auf einen „vernünfitgen“ 6,3-mm- oder XLR-Audioausgang für ihr Mischpult oder ihre Boxen zur Grundausstattung, ebenso wie eine hinreichende Anzahl von Patchkabeln.

Mit einer Rahmenzeile lässt sich bereits ein kompletter Synthesizer realisieren.

Diese Modulsammlung muss nun in einen Rahmen passen, den Sie in verschiedenen Größen und Formaten, etwa als 19-Zoll-Rackmodul, als Koffer oder als Pultgerät erwerben können. Bereits in einer Rahmenzeile lässt sich ein kompletter Synthesizer unterbringen. Wenn Sie hingegen bei der Modulauswahl nicht ganz sicher sind, greifen Sie lieber zu einem zweireihigen Rahmen (6 HE).


In der nächsten Folge werde ich auf die einzelnen Komponenten dieser Grundausstattung näher eingehen. 

Der Autor

Ulf Kaiser beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren beruflich mit Studiotechnik und Klangsynthese. Neben hunderten veröffentlichten Fachartikeln arbeitet(e) er für mehrere Hersteller als Produktspezialist, als Verkäufer/Übersetzer für Systemhäuser, Hersteller und Vertriebe und natürlich im kreativen Bereich.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 05/16.