Workshop: Modular-Synthesizer – Die Wahl meines ersten Systems

Bei der Planung Ihres Modularsystems gehen wir nun in medias res. Zu Beginn steht die Wahl des Rahmens an. Da ein Modularsystem eine langfristige Anschaffung ist, sollte auch die zugehörige Verpackung und deren Dimensionierung wohl überlegt sein.

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Bei der Planung Ihres Modularsystems gehen wir nun in medias res. Zu Beginn steht die Wahl des Rahmens an. Da ein Modularsystem eine langfristige Anschaffung ist, sollte auch die zugehörige Verpackung und deren Dimensionierung wohl überlegt sein.

Das Gehäuse Ihres Modular-Synthesizers

Rahmen gibt es nicht nur in unterschiedlichen Größen, sondern auch in unterschiedlichen Darreichungsformen. Zu finden sind fertige Lösungen im obligatorischen Rackformat, bühnentaugliche Cases, aufrechte Studiorahmen oder solche im Pult- und Sockelformat, die eher stationär betrieben werden. Schließlich ist auch das Erstellen eines eigenen Rahmens dank verfügbarer Einzelkomponenten von Doepfer kein echtes Problem. Sie haben die Qual der Wahl.

Dabei sollten Sie sich zunächst über den Platzbedarf Ihres geplanten Systems informieren. Eine Richtlinie: Kalkulieren Sie für einen einfachen Synthesizer eine Reihe mit rund 84 TE. Sequencer, erweiterte Baugruppen und Funktionen kosten zusätzlich Platz. Bedenken Sie zudem, dass es nur selten wirklich bei der Erstausstattung bleibt. Neben dem Äußeren sollten Sie weiter darauf achten, dass das zugehörige interne oder externe Netzteil die gewünschten Module hinreichend versorgen kann. In der Regel ist das kein Problem, es sei denn, sie greifen mehrfach zu leistungshungriger Digitaltechnik, etwa Rolands Aira-Modulen. Ein zweiter Punkt: Es gibt Rahmen, die besonders flach ausgeführt sind. Damit Sie keine bösen Überraschungen erleben, beachten Sie entsprechend also auch immer die Einbautiefe Ihrer Wunschmodule.

Das Vermona Modular Case bietet mit zwei Reihen à 104 Teileinheiten Platz für einen ausgewachsenen Modularsynthesizer.

Virtuell vorausplanen

Bei kostspieligen Investitionen gilt, dass eine Planungsphase das Ergebnis meist verbessert. Zäumen Sie also Ihren ersten Kaufimpuls und geben Sie sich Zeit für einen Entwurf. Ihre wichtigsten Helfer sind dabei der Fachhandel, das Internet und dort insbesondere die Webseite www.modulargrid.net. Diese gut gepflegte Website verwaltet ein Datenarchiv nahezu sämtlicher Eurorackmodule mit zugehörigen Fotos und technischen Daten. Das Schönste: Sie können sich am Bildschirm Ihr Modulrack planen. Mit ein paar Mausklicks stellen Sie sich einen Rahmen mit den gewünschten Modulen zusammen, die sie per Drag-and-drop platzieren und solange verschieben können, bis es Ihnen gefällt. Dabei werden sogar die Preise und der Stromverbauch anzeigt. Als Alternative finden Sie auch bei Doepfer einen Systemplaner auf Java-Basis.

Dank Modulargrid erhalten Sie eine leistungsstarke virtuelle Planungsumgebung.

Synthesizer-Starter-Sets

Wer die Erstauswahl scheut und lieber langsam in ein Modularsystem hineinwachsen möchte, der findet bei Doepfer zwei sogenannte Basissysteme, ein Mini-System sowie das Starter-System 1 (KEYS 3/16), die sinnvolle Modulkombinationen auf einer beziehungsweise zwei Reihen mitsamt Gehäuse kombinieren und die konfiguriert ausgeliefert werden. Als Einsteiger können Sie sich so auf die jahrelange Erfahrung des größten Anbieters für ein stimmiges System verlassen und unmittelbar loslegen. Auch andere Anbieter haben sinnvolle Komplettsysteme im Angebot. Hierzu zählt beispielsweise der WMD/SSF Monolith mit integriertem Keyboard (KEYS 4/16), das vollbestückte Roland System 500 oder das Dreadbox System G.

Das Doepfer Basis-System 1 bietet einen flexiblen monophonen Synthesizer in zwei Reihen.

Monophoner Synthesizer als Ausgangsbasis

Eine weitere Alternative ist der Erwerb eines Basisklangerzeugers, der über eine sinnvolle Anzahl analoger Schnittstellen für modulare Verknüpfungen verfügt. Beispiele für diesen Gerätetyp wären das Doepfer-Pultgerät Dark Energy II (KEYS-Gear-Check 10/15) oder Moogs Mother-32 (KEYS 3/16), der sich sogar direkt in einen Eurorack-Rahmen schrauben lässt. Auch diese Lösung ist durchaus sinnvoll. Zwar durchbrechen Sie dabei ein streng modulares Prinzip, Sie können sich aber auf eine feste vorverkabelte Basis verlassen, die Sie einfach über einen Rahmen erweitern.

Moogs Mother-32 ist ein komplette Synthesizerstimme mit umfassendem Patchfeld.

Eigene Zusammenstellung

Spannender ist natürlich die individuelle Zusammenstellung von Modulen. Das immense Angebot und die herstellerübergreifende Kompatibilität erlauben Ihnen dabei, Ihrem ganz persönlichen Geschmack nachzugehen. Moog-verwandter Oszillator mit MS-20-Filter? Kein Problem! Wavetable-Oszillator mit Multimodefilter und Bitcrusher? Nichts leichter als das. Ein Modularsystem sollte in seiner Grundform die Basisparameter des Klanges abbilden: Tonhöhe und Lautstärke, Klangfarbe und -dauer. Hinzu kommen Möglichkeiten, jeden dieser Parameter über die Zeit variabel zu gestalten.

Für den Einstieg würde ich Ihnen zu einer Kombination aus zwei VCOs, einem Mixer, Multimodefilter und VCA raten. Als Modulatoren wählen Sie zwei Hüllkurven und einen LFO und komplettieren das System um ein Ausgangsmodul, MIDI-to-CV/Gate-Wandler und ein Multiple. Damit steht Ihnen auf etwa einer Modulreihe eine klassische analoge Synthesizerstimme zur Verfügung, die Ihnen dicke, verstimmte oder intervallversetzte Klänge, flexible Filterung und die wichtigsten Modulationen liefern kann. n Das abgebildete Beispielsystem bringt diese Stimme in einer Modulreihe von 84 TE unter und bietet dabei sogar noch einge Extras. Dieses rein aus Doepfer-Modulen bestückte Beispielsystem beginnt mit dem cleveren A-190-3, das eingehende MIDI-Daten zu Gate- und Steuerspannungen wandelt. Es verfügt zudem über eine integrierte Glidefunktion. Das Schönste: Über die USB-Schnittstelle können Sie das System sogar direkt über USB-MIDI vom Rechner aus steuern.

Der Signalweg startet mit zwei analogen A-110-2-Oszillatoren, die die Möglichkeit zu linearer und exponentieller Frequenzmodulation aufweisen. Das kleine A-184-1 ergänzt eine mögliche Ringmodulation. Die notwendige Mischung vor der Filterstufe erfolgt über den 4-in-1-Audiomixer A-138 (exp). Von dort geht es in den Multimodeklassiker A-106-5, der das Oberheim-SEM-Filter nachbildet. Den Abschluss im Signalweg bilden der einfache VCA A-131 sowie das Multiple A-181, mit dem sich die Miniklinken des Modularsystems auf reguläre 6,3-mm-Buchsen konvertieren lassen.

Die Modulationsabteilung verfügt über zwei ADSR-Hüllkurven Typ A-140, deren Regelgeschwindigkeit sich jeweils dreifach umschalten lässt. Für zyklische Modulationen gibt es schließlich einen echten Mehrwert: Statt eines simplen LFOs wurde der A-143-3 Quad LFO verbaut, der vier einzeln in der Geschwindigkeit regel- und umschaltbare LFOs mit je drei Wellenformausgängen bereitstellt und damit multiple Ziele im System gleichzeitig adressieren kann.

Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß bei der Zusammenstellung Ihrer ersten Modulkombinationen …

Der Autor

Ulf Kaiser beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren beruflich mit Studiotechnik und Klangsynthese. Neben hunderten veröffentlichten Fachartikeln arbeitet(e) er für mehrere Hersteller als Produktspezialist, als Verkäufer/Übersetzer für Systemhäuser, Hersteller und Vertriebe und natürlich im kreativen Bereich.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 06/16.