Workshop: Modular-Synthesizer – Die Oszillatoren

Der Oszillator ist die treibende Kraft in einem Modular-Synthesizer. Er liefert die Frequenzen, aus denen der Klang letztlich gebaut wird. Einfach, doppelt, analog oder digital – das Angebot ist umfassend. Wir versuchen, Ihnen bei der Auswahl behilflich zu sein.

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Der Oszillator ist die treibende Kraft in einem Modularsynthesizer. Er liefert die Frequenzen, aus denen der Klang letztlich gebaut wird. Einfach, doppelt, analog oder digital – das Angebot ist umfassend. Wir versuchen, Ihnen bei der Auswahl behilflich zu sein.

Die analoge Basis

Manche Monosynthesizer kommen mit einem einzigen Oszillator aus. Deren Klänge sind zwar oft eher simpel, was ihren Nutzen aber keinesfalls schmälert. Exemplarisch sei hier die Produktfamilie der TB-303 genannt. In aller Regel fahren Sie jedoch mit einem zusätzlichen Oszillator besser, denn erst dieser ermöglicht Ihnen verstimmte Klänge, Intervalle oder eine drückende Suboktave. Letztere lässt sich prinzipiell auch per Suboszillator erreichen, den Oszillatormodule aber nur in den wenigsten Fällen bieten (etwa im Studio-Electronics-Modul Oscillation). Ihre Grundausstattung sollte also zwei Oszillatoren umfassen – ganz so wie die meisten Klassiker.

Analoge Oszillatoren in allen Varianten: Studio Electronics Oscillation, Doepfer A-110-2 und Roland 512

Wer es rein analog mag, findet sinnvolle Einzelmodule beispielsweise bei Doepfer, AJH, Analogue Systems oder Studio Electronics. Neben der generellen Klangqualität sind es insbesondere die Extras, die einen bestimmten Oszillator für die jeweilige Anwendung interessanter als andere Modelle machen. So gibt es neben einer erweiterten Wellenformauswahl, die auch simplere Kurven wie Sinus und Dreieck oder auch Rauschen umfasst, Methoden zur Obertonmanipulation. Hierzu gehören variable Pulsbreiten, Möglichkeiten zur Frequenz-, Pulsbreiten- oder Ringmodulation oder eine Sync-Funktion, die das Klangspektrum eines Oszillators oder einer Oszillatorkombination oft deutlich erweitern.

Analoge Oszillatoren mit Mehrwert: Endorphines Furthrrrr Generator und der additive Harmonic Oscillator von Verbos Electronics.

Aus diesem Grund sind auch Doppelmodule ein guter Startpunkt. Am Markt finden sich einige clever konzipierte Konstruktionen wie beispielsweise der Endorphines Furthrrrr Generator oder der Complex Oscillator von Verbos Electronics. Diese Buchla-inspirierten Oszillatoren lassen sich nicht nur parallel betreiben, sondern ermöglichen auch eine vielfältige Interaktion zwischen den Sektionen, ohne hierfür separate Kabel ziehen zu müssen. Ebenso hervorzuheben ist Cwejmans VCO-2RM, der bei kompakter Bauweise und exzellenter Qualität auch gleich noch einen Ringmodulator integriert.

Nicht weniger interessant ist der Harmonic Oscillator von Verbos Elec­tronics, der mit acht additiven Bändern aufwartet und damit ein variables und zugleich modulierbares Spektrum erschafft.

Digitale Oszillatoren

Sinnvollerweise bietet der Markt aber längst auch digitale Oszillatoren, mit denen sich gänzlich andere Klänge erschaffen lassen – von ungewöhnlichen Spektren über Lo-Fi-Sounds bis hin zu bewegten Wavetable-Animationen und sogar Sampling.
Exemplarisch seien an dieser Stelle der Wavetable-Oszillator NW1 von Waldorf genannt, mit dem sich klassische PPG/Waldorf-Sounds ins Modularsystem bringen lassen. Der FM-Synthese widmet sich beispielsweise der Hertz Donut MkII von The Harvestman. Flexibel zeigen sich die Oszillatoren von Mutable Instruments: Braids stellt dank DSP-Technik multiple Oszillatortypen zur Verfügung, während Elements auf Physical-Modeling spezialisiert ist. Sogar Sampling wird im Eurorack angeboten, etwa im Tyme Sefari MkII von The Harvestman. Die Vielfalt ist also immens.
Dabei stellen digitale Module oft eine ideale Alternative oder Ergänzung zu analogen Oszillatoren dar. Und genau hier liegt der große Vorteil eines Modularsynthesizers: Er ermöglicht die freie Kombination aller Module und eine Erweiterbarkeit in alle Richtungen – ein Komfort, von dem man bei einem fertigen Synthesizer nur träumen kann.

Digitale Oszillatoren liefern alternative und ergänzende Klangfarben für das Modularsystem – von Sampling bis hin zu Wavetable-Synthese.
Ein Mixer ist zum Zusammenfassen mehrerer Quellsignale im Modularsystem unverzichtbar.

Schließlich gibt es noch weitere Signalquellen, die anstelle oder in Kombination mit Oszillatoren zum Einsatz kommen können. Hierzu gehören Audioeingänge, Rauschgeneratoren, Radioempfänger, aber auch fertige Drumsound-Module, wie beispielsweise das speicherbare Percussionmodul Mod.Brane 11 von Jomox.

Der Mixer

Sobald Sie mehr als ein Signal in die folgenden Sektionen eines Synthesizern übertragen möchten, benötigen Sie einen Mixer, mit dem Sie die verschiedenen Signalquellen zusammenfassen und individuell pegeln können. Sie tun dabei gut daran, eine hinreichende Anzahl von Eingängen zur Verfügung zu haben.
Neben mehreren Oszillatoren können Sie hier nämlich auch weitere Signalquellen wie etwa einen Rauschgenerator oder einen Audioeingang vor der Filterstufe mischen. Zudem lassen sich in etlichen VCOs die Wellenformen einzeln abgreifen, weshalb Sie prinzipiell im Mixer auch mehrere Wellenformen anteilig mischen und damit die Klangvielfalt deutlich erhöhen können.

Zur Auswahl

Das immense Modulangebot erschwert zugegeben die Auswahl. Neben den begrenzenden Parametern Platz und Budget sollte natürlich Ihre Klangvorliebe im Fokus stehen. Für einen leistungsstarken Synthesizer sollten Sie zwei Oszillatoren und einen Mixer budgetieren. Ein analoger Oszillator ist für klassische Klänge Pflicht. Es dürfen aber auch ruhig zwei oder drei Klangmotoren sein, wie der Minimoog eindrucksvoll beweist.
Wer sich abseits eingetretener subtraktiver Pfade bewegen will, sollte auch die Hinzunahme eines digitalen Oszillators in Erwägung ziehen – eine Kombination, die nur die wenigsten fertig konstruierten Synthesizer offerieren. Beispielhaft könnten Sie etwa Rolands platzsparenden Dual-VCO 512 und den digitalen Braids von Mutable Instruments nutzen, der Ihrem System FM, Wavetables, Rauschen, Formant- und einfache Physical-Modeling-Klänge hinzufügt.
Ob Sie ein klassisches analoges Modularsystem direkt mit einer solchen Option ausstatten, bleibt Ihnen überlassen. Definitiv ist es sinnvoll, ihren Rahmen so zu gestalten, dass er Freiraum für die spätere Ergänzung weiterer Klangquellen bereitstellt. Die nächste Erweiterung kommt bestimmt …
Neben dem Klang und der eingesetzten Technik sind es oft aber auch die Details, die einen Oszillator mehr oder weniger geeignet für die jeweilige Anwendung erscheinen lassen. Neben den eingangs erwähnten klanglichen Zusatzfunktionen wie etwa eine Synchronisation, lineare Frequenzmodulation, mögliche Symmetrieveränderungen oder einzeln herausgeführte oder gar mischbare Wellenformen sind es oft auch bedientechnische Aspekte, die die Module voneinander abgrenzen. Bevorzugen Sie eine schnelle Oktavumschaltung per Schalter? Oder legen Sie Wert auf größere Regler, bevorzugen Fader oder möchten ihre Ein- und Ausgänge konsequent am unteren Ende des Moduls platziert wissen? Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Auswahl!

Bild Ulf Kaiser

Der Autor: Ulf Kaiser beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren beruflich mit Studiotechnik und Klangsynthese. Neben hunderten veröffentlichten Fachartikeln arbeitet(e) er für mehrere Hersteller als Produktspezialist, als Verkäufer/Übersetzer für Systemhäuser, Hersteller und Vertriebe und natürlich im kreativen Bereich.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 07/16.