Workshop: Crowdfunding – Wir machen den Sack zu

In den beiden vorangegangenen Teilen haben Sie erfahren, wie man eine erfolgreiche Musik-Crowdfunding-Kampagne effizient plant und deren Start einleitet. In der das Thema nun abschließenden Folge lernen Sie, den Sack zuzumachen.

Die Ausgangslage

Wenn Sie die vorherige Folge gelesen haben, wissen Sie um den Trick der Pre-Load-Technik, und wen Sie dafür gewinnen müssen. Es ist Ihnen auch bekannt, weshalb Sie erst etwa drei Tage nach dem offiziellen Launch den Start Ihrer Kampagne auf Ihren Social-Media-Plattformen kommunizieren sollten. Tipps zum Kampagnenstart entnehmen Sie bitte Teil zwei, praxisnahe Tipps zur effizienten Vorbereitung einer Kampagne haben wir bereits in Teil eins verraten.

 

Die erste Woche

Schließen Sie die Startphase Ihrer Kampagne mit einer kurzen Videobotschaft ab. Aufnahmen mit dem Smartphone genügen. Senden Sie darin eine persönliche Nachricht an alle Unterstützer und auch an jene, die es noch werden sollen. Zeigen Sie Ihre Wertschätzung und bedanken Sie sich ruhig für Ihnen entgegengebrachtes Vertrauen und Großzügigkeit (in Zeiten von Filesharing und Bit-Torrent können Sie mitfühlenden Unterstützern gar nicht oft genug danken). Im Anschluss an die ersten Tage dürfte es nun erfahrungsgemäß etwas ruhiger werden. Lassen Sie sich nicht dadurch irritieren, es ist vollkommen normal wenn die mittlere Phase der Kampagne nicht den Ansturm verbucht, den die Startphase hatte. Geraten Sie nicht in Panik! Posten Sie stattdessen lieber aussagekräftige Fotos, die Sie bei ihrer künstlerischen Tätigkeit zeigen: Dokumentieren Sie, dass die Arbeit an dem Album vorankommt. Teilen Sie Ihren Anhängern mit, wie Sie sich fühlen, was Sie gerade aufnehmen, aber übertreiben Sie es nicht mit dem Posten. Tipp: Wenn Sie Teil einer Band sind, dürfen gerne alle Mitglieder den Beitrag auch auf ihren privaten Profilen teilen, um die Resonanz zu verstärken.

 

 

Die laufende Kampagne am Leben erhalten

Eine Crowdfunding-Kampagne anzufeuern bedeutet eine Menge Arbeit, und Sie stecken nun mittendrin. Sie müssen sich allerlei Dinge einfallen lassen, damit Ihre Kampagne nicht einschläft. Selbstredend sollte dabei inhaltlich Ihre künstlerische Tätigkeit im Vordergrund stehen, gestalterisch können Sie folgende Werkzeuge aktivieren: Ihre ausgelobten Rewards sind der Zentralschlüssel zu einer erfolgreichen Kampagne, warum also nicht neue Rewards in die laufende Kampagne zusätzlich mit reinnehmen? Denken Sie sich hierfür ein, zwei neue Dankeschöns aus (Persönliches oder Unikate kommen immer gut an). Informieren Sie sich sicherheitshalber vorab auf der Crowdfunding-Plattform Ihrer Wahl, ob zusätzliche Rewards während dieser Phase hinzugefügt werden können? Üblicherweise lassen sich Dankeschöns, auf die bereits jemand geboten hat, dann nicht mehr stornieren, neue Rewards hingegen hinzufügen. Mit neuen Dankeschöns schaffen Sie neue Anreize für Unentschlossene. Gleichzeitig dienen Ihnen die neuen Rewards als Aufhänger für neue Beiträge auf Facebook, Twitter und Co. Als zusätzliches Kommunikationswerkzeug können Sie kurze Audioposts oder Podcasts erstellen und darin Ihre Arbeit dokumentieren. Stellen Sie diese beispielsweise auf SoundCloud und bitten Sie Ihre Follower darum, sie zu teilen (der Autor würde davon abraten diese Beiträge in den SoundCloud Groups zu verbreiten). Nächster Schritt: Scheuen Sie sich nicht davor, einen exklusiven Rough-Mix von einem der kommenden Album-Tracks vorab zu posten. Laden Sie den Song auf SoundCloud unter „Privat“, senden Sie dann den dazugehörigen inoffiziellen Link an Ihre Förderer und Kontakte – als Dankeschön für die bisherige Unterstützung und weiteren musikalischen Beitrag und Anreiz für noch Unentschlossene. Was den Aufruf zur Kampagnenunterstützung durch Musikblogs betrifft: Bitten Sie Blogger nur dann um Unterstützung, wenn jene bereits über Ihr Projekt in irgendeiner Form berichtet haben. 

 

 

 

Die heiße Phase: die letzte Woche

Halten Sie sich insbesondere die letzten Tage der Kampagne im Terminkalender frei, denn gerade dann müssen Sie präsent sein. Falls Sie Teil einer Band sind, stellen Sie sicher, dass alle Mitglieder die Beiträge zeitnah teilen. Kontaktieren Sie in der letzten Woche alle, wirklich alle Personen in Ihrem Adressbuch. Sie benötigen nun jede finanzielle Zuwendung, egal ob groß oder klein. Teilen Sie mit, dass Sie kurz vor dem Ziel stehen, dass aber der Drops noch nicht gelutscht ist. Posten Sie hierzu Screenshots der Kampagne mit der bisher erreichten Summe. Geben Sie bekannt, wie viel Ihnen noch fehlt, um erfolgreich abzuschließen. Diese Informationen könnten noch diejenigen aktivieren, die der Sache eher skeptisch gegenüber standen, aber nun eine möglicherweise erfolgreiche Kampagne auf keinen Fall verpassen wollen. Bitten Sie um Unterstützung und erklären Sie nochmals das Alles-oder-Nichts-Prinzip: Sie schließen nur dann erfolgreich ab, wenn Sie Ihr selbst vorgegebenes Mindestziel auch erreichen. Erwähnen Sie die verschiedenen, bequemen Zahlungsmöglichkeiten für Unterstützer und auch, dass im Fall eines Scheiterns der Kampagne das vorerst nur „zwischengelagerte“ Geld in voller Höhe an die Spender zurückgeht – und somit keinerlei Risiko für Förderer des Projekts besteht. Dies ist erfahrungsgemäß gar nicht allen klar.

 

Die letzten 2 bis 3 Tage

Die letzten Tage einer Kampagne, die das Mindestziel noch nicht erreicht hat, sind Nervenkitzel pur. Intensivieren Sie jetzt Ihre Aktivität auf Twitter. Schreiben Sie 2 bis 3 Posts täglich und geben Sie darin den aktuellen Stand bekannt. Vergessen Sie nicht, um finanzielle Zuwendungen zu bitten, und adressieren Sie in Ihren Tweets direkt auch die Crowdfunding-Plattform Ihrer Wahl (beispielsweise @Musicraiser). Die Plattform hat ein Interesse daran, dass Ihre Kampagne das Mindestziel erreicht, Sie können also mit deren Unterstützung rechnen. Setzen Sie Hashtags ein (#MusicCrowdfunding, #Winner, #IndieMusic, #Rock, #Dance), da Bots solche Beiträge automatisch weiterleiten. Wenn Sie im Tweet direkt zum Weiterleiten aufrufen möchten, ist #RT oder #pleaseRT ein hierfür gebräuchlicher Hashtag. Greifen Sie in den letzten Tagen zusätzlich zum letzten, noch verbleibenden Werkzeug: einem persönlichen Aufruf via Video, den Sie auf YouTube oder Vimeo hochladen. Eine Videobotschaft ist nach wie vor das wirkungsvollste Mittel, um Förderer zu gewinnen.

 

 

Eine realistische Einschätzung des Mindestziels sowie ein fehlerfreier Text und aktive Bewerbung sind für eine Kampagne essenziell.

Sollten Sie Ihr Ziel noch nicht erreicht haben, bedanken Sie sich zunächst für die bisherige Unterstützung und bitten Sie selbstbewusst nochmals um zusätzlichen Support. Setzen Sie statt auf Drama lieber auf Charme und erklären Sie authentisch, weshalb Ihnen Fertigstellung und VÖ des Albums so sehr am Herzen liegen. Bitten Sie alle Personen in Ihrem Adressbuch um die Verbreitung der Botschaft. Bewahren Sie sich ruhig Ihre Hoffnung, es kann gerade zu diesem Zeitpunkt der Kampagne noch etwas gehen: 10 bis 30 % der Gesamtsumme sind hier noch drin. Und für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass Sie die Kampagne bereits vorab in trockene Tücher gelegt haben: Nutzen Sie die Videobotschaft, um für das Erreichen des flexiblen Ziels zu werben, das Ihnen ermöglichen würde, zusätzliche Mittel für Promotion oder Videodreh zu aktivieren. Für den Fall, dass Sie darüber nachdenken sollten, die Kampagne auch durch bezahlte Anzeigen auf Facebook zu pushen: Sparen Sie sich die Ausgaben lieber, wir reden hier von Resonanz in vermutlich homöopathischen Dosen.

 

Mission Completed

Sie haben es geschafft! Seien Sie stolz auf sich, Sie und der Autor wissen, dass es keine leichte Aufgabe war. Nun sollten Sie brav allen Unterstützern dafür danken – und zwar persönlich. Überprüfen Sie bei dieser Gelegenheit auch gleich noch die von der Plattform überlieferten Namen und Adressen Ihrer Förderer, schließlich sollen deren Dankeschöns auch gut ankommen. Sie haben neben Geldzuwendungen auch das Vertrauen Ihrer Unterstützer bekommen, gehen Sie sorgsam damit um. Posten Sie gelegentlich über die Entstehung des Albums (unpersönliche Rund-Mails sind an dieser Stelle okay) und sollte es zu Verzögerungen bei der Produktion der Rewards oder des Albums kommen, lassen Sie dies Ihre Förderer wissen. Transparenz ist an dieser Stelle wichtig. Der erwirtschaftete Ertrag sollte abzüglich der Plattformgebühren nach etwa 14 Tagen auf Ihrem Bankkonto eingegangen sein, bei im Ausland angesiedelten Anbietern kann es auch etwas länger dauern. Bedenken Sie bitte, dass Gewinne aus reward-basierten Crowdfunding-Kampagnen nach deutschem Steuerrecht auch versteuert werden müssen. Informieren Sie sich hierzu bei Ihrem Steuerberater. Nochmals Glückwunsch zur erfolgreich abgeschlossenen Kampagne!

 

 

Anlässlich zu unserem Workshop haben wir uns mit dem Crowdfunding-Experten Mario Putzar unterhalten. Hier gelangen Sie zum Interview