Test: Novation Peak – Hardware-Synthesizer

Novation hat mit den Bass-Station- und Nova-Produkten seit Firmengründung 1992 eine beachtliche Historie im Synthesizerbau. Mit Peak wagen sich die Briten nun an ihr bisher aufwendigstes Instrument – einen achtstimmigen Hybridsynthesizer mit analogen Filtern.

Novation Peak

Novation hat mit den Bass-Station- und Nova-Produkten seit Firmengründung 1992 eine beachtliche Historie im Synthesizerbau. Mit Peak wagen sich die Briten nun an ihr bisher aufwendigstes Instrument – einen achtstimmigen Hybridsynthesizer mit analogen Filtern.

 

In 25 Jahren hat Novation immer wieder innovative Klangerzeuger vorgestellt, darunter Bass- und Drumstation, die virtuell-analoge Nova-Familie und den aktuellen Circuit, der virtuell-analoge Klänge und Samples in einer Groovebox vereint. Mit Peak hat man nun einen ambitionierten speicherbaren Synthesizer, der auf digitale Oszillatoren, Modulatoren und Effekte setzt, im Herzen aber mit analogen Filtern arbeitet. Hinter den Instrumenten stehen Nick Bookman, der seit An­beginn zur Novation-Entwicklungsabteilung gehört, und Chris Hugget, der einst den EDP Wasp und den OsCar für die Oxford Synth Company entwickelte.

 

Konzept

Die Kombination digitaler Oszillatoren mit analogen Filtern reicht bis in die Achtziger zu PPG zurück und wurde später in unterschiedlichsten Varianten durch Korg, Sequential Circuits, Kawai, Waldorf, Ensoniq und E-mu Systems angeboten. Auch heute sind mit dem DSI Prophet 12 und Modal 002 Hybridsynthesizer erhältlich. Die Motivation ist stets ähnlich: Digitale Oszillatoren sind ihren analogen Pendants bezüglich der Klangvielfalt überlegen, weil sie ein breiteres Spektrum an Ausgangsmaterial liefern können – von ergänzenden einzyklischen Wellenformen, komplexeren Spektren über Samples bis hin zu Wavetables. Novation setzt als erster Hersteller bei der Umsetzung der Oszillatoren und Modulationen auf einen leistungsstarken FPGA. Mit 24-MHz-Taktrate werden hier Wellenformen direkt generiert oder ausgelesen und als sogenannter Bitstream weitergereicht. Laut Hersteller ermöglicht dieses Verfahren eine völlig aliasfreie Erzeugung von Wellenformen in jeder Tonhöhe. Entsprechend soll sich Peak von älteren Konstruktionen abgrenzen, deren Samplespeicher oder Signalprozessoren ausgangsseitig noch von bandbreitenbegrenzten Wandlern limitiert wurde. Peak ist als dekorativer Desktopsynthesizer ausgeführt und wird sich per optionalem Ständer erheben und hoffentlich auch in ein 19-Zoll-Rack befördern lassen. Das Gerät ist in einem Metallgehäuse mit Seitenholzteilen untergebracht (46 x 23 cm, circa 5 kg) und wird über ein externes Universalnetzteil betrieben. Die Bedienoberfläche besteht aus stabil befestigten 43 Reglern, zwei Encodern, acht 3-cm-Fadern, etlichen teils beleuchteten Tastern und einem Display. Die Rückseite bietet Stereo- und Kopfhörerausgänge, MIDI-Trio, USB (MIDI, Class Compliant), zwei Pedaleingänge sowie einen CV-Eingang für externe Modulatoren, etwa aus einem Modularsystem.

 

Stimmenaufbau

Der monotimbrale Peak arbeitet mit drei in der Oktavlage grob und fein verstimmbaren Oszillatoren mit vier Standardwellenformen und 17 ergänzenden Wavetables, deren jeweils fünf Einträge in 128 Stufen überblendet werden. Der Parameter Shape verändert stets die Kurvenform, mal als Pulsbreite, mal als Startpunkt im Wavetable. Dazu lässt sich jeder Oszillator regelbar zu einem virtuellen Oszillator für markante Sync-Sounds synchronisieren. Schließlich kann sich der Sägezahn per Layering und Detuning zum Supersaw aufplustern. Es folgt der Mixer, der neben den Oszillatoren einen filterbaren Rauschgenerator und eine Ringmodulation von Oszillator 1 und 2 pegelt. Von hier geht es in das Multimodefilter (Tief-, Band- und Hochpass) mit umschaltbarer Flankensteilheit (12/24 dB/Okt), das auf der Bass Station II basiert. Diesem vor- und nachgeschaltet sind analoge Sättigungs/Overdrive-Sektionen, ehe das Stimmensignal schließlich einen VCA durchläuft. Die Summe gelangt wiederum in die Effektsektion, die aus einer analogen Distortion und einer digitalen Stereo-Effektsektion besteht, die über einen dedizierten DSP berechnet wird. Diese kann gleichzeitig Chorus/Flanger, Delay (bis 1,4 Sekunden) und Nachhall berechnen und sich per Bypass aus dem Signalweg nehmen lassen. Für das Effekt-Routing stehen mehrere Optionen bereit, dazu lassen sich die Effekte einzeln pegeln und editieren.

 

Novation Peak Back
Die Rückseite des Novation Peak beherbergt Anschlüsse für MIDI, USB, Netzteil, zwei Pedale und CV sowie Stereo- und Kopfhörer-Ausgänge.

Modulationen

Modulationen sind reichlich vorhanden. An Quellen gibt es auf der Bedienoberfläche zwei temposynchronisierbare LFOs mit je vier Wellenformen, umschaltbaren Geschwindigkeitsbereichen und Sonderfunktionen wie Fade, Gate, Repeat und regelbare Phasenlagen. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1,6 kHz lassen sich auch timbrale Verfremdungen umsetzen. Hinzu kommen drei per Anschlagsdynamik im Hub regelbare ADSR-Hüllkurven, von denen die beiden Modulationshüllkurven per Wahlschalter umgeschaltet werden. Feste Zuweisungen finden sich im Oszillator- und Filterbereich: So lässt sich pro Oszillator die Tonhöhe durch LFO 2 und Mod Env 2 steuern, während man pro Shape-Parameter zwischen manueller Einstellung, LFO 1 und Mod Env 1 wählt. Die Filterfrequenz wird über LFO 1, eine Hüllkurve und die Tonhöhe adressiert; hinzu kommt eine mögliche Filter-Frequenzmodulation durch Oszillator 3. Weitere Modulationen sind über die Modulationsmatrix vorgesehen: In 16 Slots können je zwei multiplizierte Quellen mit gemeinsam regelbarem Hub 37 Ziele adressieren. Die 17 Quellen rekrutieren sich aus Spielhilfen, Keyboard und internen Modulatoren, darunter auch besagter CV-Eingang und zwei Animationstaster für punktuelle Modulationsverknüpfungen. Eine Besonderheit ist die Unterstützung von polyphonem Aftertouch für Modulationen auf Notenbasis, die man übrigens über das hauseigene Launchpad Pro umsetzen kann. Neben Zielen wie der Tonhöhe, Filterfrequenz und VCA lassen sich auch die Sync-Funktionen der Oszillatoren, deren Shape-Parameter, die Filterübersteuerung und -Resonanz adressieren. Dazu gibt es Möglichkeiten zur linearen Frequenzmodulation durch paarweise Verknüpfungen zweier Oszillatoren beziehungsweise mit dem Rauschgenerator. Auch die LFO-Geschwindigkeiten und Hüllkurvenzeiten lassen sich als Modulationsziele adressieren. Entsprechend birgt Peak ein umfassendes Reservoir für animierte Klänge. Einzig die Effektsektion ist von der Modulation leider ausgenommen.

Novation Peak Top
Die Oberfläche geizt nicht mit Reglern und ist übersichtlich gestaltet.

Praxis

Mit seinen etlichen Bedienelementen kommt bei der Klangprogrammierung viel Freude auf. Die wesentlichen Parameter stehen in unmittelbarem Zugriff. Bei der Orientierung helfen grafische Unterteilungen, ein vergrößerter Cutoff-Regler sowie die Hüllkurven-Fader. Weiterführende Parameter, darunter Effekteinstellungen und die Modulationsmatrix, werden über die vierzeilige OLED-Anzeige justiert, die von drei kontextsensitiven Postitionstastern, Page Up/Down-, Value-Tastern und -Encodern flankiert wird. Die Programmierung wird durch Taster zur Initialisierung, für Vergleiche und eine Vorhörfunktion ergänzt. Wertesprünge durch falsch stehende Regler nach einem Presetwechsel lassen sich durch einen Pickup-Reglermodus vermeiden. Neben Programmwechselbefehlen können alle Regler und Taster über MIDI gesendet und empfangen werden, was eine Automation aus dem Sequencer ermöglicht. Peak bietet noch weitere Besonderheiten: So gibt es eine Glidefunktion, einen konfigurierbaren Unisono-Modus und verschiedene Arten der Stimmenverteilung. Hervorzuheben ist zudem der Arpeggiator/Chorder, der neben typischen Mustern auch 33 Patterns, Swing und variable Gate-Längen bietet, aber auf den Step-Sequencer der Bass Station II verzichtet.

Novation Peak Stand
Der Ständer für den Novation Peak ist optional erhältlich.

Klang

Peak überzeugt mit breitem Klangspektrum. Die Oszillatoren bieten dank der erweiterten Wellenformauswahl und -bearbeitung einen ergiebigen Fundus, der weit über analoge Standards hinausreicht, dort aber eben auch nicht passen muss. Ein mögliches freies Schwingen der Oszillatoren, regelbare Drift und eine variable LFO-Phasenlage sorgen für lebendige Sounds. Nasale Pulswellen, fetter Supersaw, effektive Shape-Variationen, Wavetable-Animationen, Frequenzmodulationen, Sync und Ringmodulation garantieren klassische, andersartige, bewegte und disharmonisch-metallische Sounds. Das Vorserienmodell hatte teils noch Probleme mit Nebengeräuschen bei niedrigen Pegeln, die jedoch mit der finalen Firmware ausgebügelt sein dürften. Entsprechend kann ich keine abschließende Aussage zur technischen Überlegenheit des Bitstream-Verfahrens machen. Das Analogfilter, glücklicherweise nicht die nächste Moogkaskdade, packt gut zu, klingt markant und weist eine kräftige Resonanz bis hin zur Selbstoszillation in jeder Betriebsart auf, die den Sound nicht zu stark ausdünnt. Peak kann dabei sauber und ausgewogen oder durch die mehrfache Verzerrung aggressiv klingen – das bietet längst nicht jeder polyphone Synthesizer. Resultierend gelingen herrliche Flächen und polyhone Sounds, die von weichen Analogstreichern und Bläsern bis hin zu lebendigen Soundscapes, hybriden Klangfarben und bösen Drones abseits des analogen Sprachschatzes reichen. Sequencersounds, Bässe und Leads meistert Peak ebenfalls mit Bravour, zumal der Unisono-Modus jederzeit für mehr Nachdruck sorgen kann. Dank dreier Oszillatoren hat man ohnehin viele Möglichkeiten zum Aufbau eines Spektrums und dem Generieren eventueller Intervalle. Auch perkussive Sounds und Drums gelingen dank zackiger Hüllkurven beeindruckend druckvoll. Gleichzeitig kann man Peak per Frequenz-, Ring- und Amplitudenmodulation sowie Filter-FM jederzeit zu drastischen Klängen bewegen. Die Wavetables unterscheiden sich konzeptionell von den PPG/Waldorf-Entwürfen. Laut Nick Bookman lag der Fokus auf einer überschaubaren Auswahl zueinander passender Wellenformen, mit denen der Anwender einfach zu stimmigen spektralen Übergängen gelangen soll. Der Nachteil ist das Fehlen von Klängen, die ihr Spek­trum abrupt ändern. Die Klangvielfalt erhöhen die Wellensätze aber zweifelsfrei und decken zusätzliche teils metallische und vokale Klangfarben ab. Animiert eignen sich die sanften Verläufe dabei eher für dezent bewegte Sounds oder als interessante FM-Modulatoren. Schließlich sind auch die Effekte keinesfalls schnödes Beiwerk. Der ausgewogene analoge Verzerrer ermöglicht eine weitere Sättigungstufe für zusätzlichen Schmutz. Der Chorus dickt den Klang bestens an und lässt sich dazu dank regelbarer Rückkopplung als Flanger nutzen. Das Delay ist variabel synchronisier- und filterbar und flüssig in Echtzeit veränderbar. Und der Nachhall bietet dichte und bei Bedarf ewige Hallfahnen sowie genügend Parameter für ungewöhnliche Klänge.

 

Fazit

Mit Peak platziert Novation einen clever ausgestatten, überzeugend klingenden polyphonen Hybridsynthesizer in der Preisklasse zwischen Behringers DeepMind 12 und den Instrumenten von Dave Smith. Dabei weist Peak etliche Merkmale auf, die ihn von der Konkurrenz abgrenzen. Es handelt sich eben nicht um einen rein subtraktiven Synthesizer, sondern um ein Gerät, das klanglich glücklicherweise einen eigenen Weg geht. Auch mit dem Preis von 1.430 Euro spielt Novation einen echten Trumpf aus, denn Peak ist signifikant günstiger als die Konkurrenz Prophet 12, Modal 002 und der angekündigte Quantum 8 von Waldorf. Da verzeiht man Novation auch den Verzicht auf einen Dual- und Splitmodus sowie den ausbaufähigen Wavetable-Bereich.

 

 

Novation Peak

Preis (UVP): 1.430 EUR
Pro/Kontra: 
+ polyphoner Hybridsynthesizer zum attraktiven Preis
+ überzeugender Klang
+ leistungsstarke Oszillatoren
+ diverse Modulationsmöglichkeiten
- externes Netzteil
- keine modulierbaren Effektparameter


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