KEYS-Gear-Check: Software-Equalizer

In diesem Gear-Check geht es um drei Software-Equalizer, die alle über eigenständige, besondere Funktionen verfügen. Anhand unserer Testkandidaten zeigen wir Ihnen, wie vielfältig das Thema Entzerrung sein kann und dass es hier um weit mehr geht, als routinemäßig an den Ankerpunkten einer Equalizer-Kurve zu zupfen.

In diesem Gear-Check geht es um drei Software-Equalizer, die alle über eigenständige, besondere Funktionen verfügen. Anhand unserer Testkandidaten zeigen wir Ihnen, wie vielfältig das Thema Entzerrung sein kann und dass es hier um weit mehr geht, als routinemäßig an den Ankerpunkten einer Equalizer-Kurve zu zupfen. 

Der Equalizer ist ein unverzichtbares Standard-Werkzeug. Ob als grafischer Equalizer mit festen Frequenzreglern oder als variable vollparametrische Variante – es gibt wohl keine DAW, die nicht mindestens ein Modell bereitstellt. Auch das Angebot an Freeware ist üppig. Wenn ein Hersteller mit einem Equalizer-Plug-in Erfolg haben will, muss er also etwas Besonders bieten.

Woran erkennt man einen guten Equalizer?

Ein Equalizer sollte hochauflösend und transparent klingen und in der Lage sein, Schwächen im Frequenzgang eines Instruments zu beheben, ohne dabei dessen Charakter zu beschädigen. Besonders bei der Arbeit im Bassbereich trennt sich die Spreu vom Weizen: Bei einem mittelmäßigen Equalizer bekommt man unausgewogene Bässe nicht in den Griff. Entweder fehlt es an Volumen und Druck oder es bleiben störende Resonanzen – ganz egal, wie man an den Reglern dreht. Weniger gute Equalizer haben auch bei den Höhen Probleme, zeichnen sie dünn, klingen kühl und technisch oder gar rau. Zum Dritten sollte es auch bei starken Anhebungen der Bänder nicht zu Phasenproblemen kommen, die sich in einem verwaschenen Klang niederschlagen.

Je nach Einsatzgebiet darf ein Equalizer durchaus eine eigene Klangfarbe besitzen. Bei analogen Equalizern und gelungenen Emulationen, etwa im Pultec-Stil, ist das der Fall und sogar erwünscht. Die verwendeten Röhren fügen Verzerrungen hinzu und bewirken Sättigungseffekte mit einer Belebung des Obertonspektrums. Sowohl die drei Kandidaten von Positive Grid als auch der PSP E27 sind Emulationen analoger Hardware, die über ein klangliches Eigenleben verfügt. Für chirurgische Eingriffe und einen neutralen Klang sollte man aber mindestens einen nicht färbenden Equalizer an Bord haben – wie etwa den bx_digital V3, mit dem wir die Testreihe beginnen: 

 

Brainworx bx_digital V3

Der bx_digital V3 ist ein EQ-Monster, das von Brainworx als weltbester virtueller Mastering-Equalizer beworben wird. Auszeichnungen und Lobeshymnen von Profiseite scheinen dieses Statement zu belegen. Neben dem herkömmlichen Stereobetrieb kann er auch im Mid-Side-Modus (kurz: MS) verwendet werden. Hier öffnet er Räume und fügt dem Klang eine beachtliche Tiefe hinzu. Der bx_digital V3 basiert auf der analogen Luxus-Hardware bx1 EQ mit Class-A-Technologie von 2006. Pro Kanal stehen drei vollparametrische Glockenfilter, flankiert von Filtern mit alternativer Kuhschwanz-Charakteristik, bereit. Hinzu kommen Tief- und Hochpass-Filter mit sechs oder 12 dB Flankensteilheit. Mittels dreistufigem Bass- und Presence-Shift werden zudem Niveau-Filter mit drei alternativen Bandbreiten eingebunden, die wie eine Wippe funktionieren (Anhebung auf der einen, Absenkung auf der gegenüberliegenden Seite); ein zusätzliches Dynamikfilter pro Kanal mit Expander und Kompressor-Modus eignet sich beispielsweise für das Entfernen von Zischlauten im Mittelsignal und belässt dabei Becken-, Hi-Hats und hochfrequent schimmernde Flächen im Seitenkanal unangetastet. 

Der Brainworx bx_digital V3 gehört dank seiner Parametervielfalt zu den meistbenutzten Equalizern für das Mastering.

Im Expander-Modus verstärkt man die Impulse einer Bassdrum, macht sie aggressiver und fetter oder arbeitet den Anschlag einer Snare heraus. Abseits des Masterings eignet sich der bx_digital auch für Gruppensignale und – im darauf zugeschnittenem Extra-Modus – Aufnahmesessions mit MS-Mikrofonierung. Ein Anwendungsbeispiel: Um ein Schlagzeug lebendig, präsent, detailreich und druckvoll aufzuzeichnen, benötigt man lediglich ein Mikrofon für die Nah-Abnahme der Bassdrum, ein zentrales MS-Duo für die Overheads und ein Raummikrofon in größerer Entfernung. Die vier Aufnahmekanäle schickt man in einen Gruppenkanal und platziert dort bx_digital V3. Nun legt man die Mikrofone auf die extremen Links-Rechts-Positionen, die als Mittensignal (links) und Seitensignal (rechts) encodiert werden: Bassdrum und Kugelcharakteristik-Overhead links, Achtercharakteristik-Overhead und Raummikro rechts. Gesang und Gitarren können über MS-Mikrofone nach gleichem Muster dem Gruppenkanal beigemischt werden. Schon während der Session nimmt man Korrekturen für das Kopfhörer-Playback vor, passt etwa die Bassdrum an, bestimmt den Raumanteil, betont akzentuierte Schläge mittels Dynamik-Modul oder benutzt De-Essing für die Vocals.

Beim finalen Klangdesign beherrscht der bx_digial V3 aufgrund seiner vielfältigen, minutiös dosierbaren Eingriffsmöglichkeiten mühelos eine volle Instrumentierung. Eine Vergrößerung der Stereobreite gelingt, ohne dabei das prägende Mittensignal zu schwächen. Tendiert das Korrelationsmeter unter 90 Prozent, so erhöht man die Grenzfrequenz des Mono-Makers. Zum verfärbungsfreien Klang tragen auch die proportional wirkenden Filter bei: Die Filtergüte, also die Breite des Einflussbereichs, wird abhängig von der Stärke der Anhebung/Absenkung so angepasst, dass benachbarte Bänder weitgehend unbeeinträchtigt bleiben. Unterm Strich ist der bx_digial V3 ein vielseitiges, mächtiges Werkzeug, das Maßstäbe setzt.

PSP E27

Der PSP E27 von PSP Audioware baut auf einer Emulation des Avedis E27 auf, der in der Tradition legendärer Equalizer steht und dank hochwertiger Bauteile einen exzellenten Headroom und Rauschabstand gewährleistet. Röhren sind hier nicht verbaut. Die Emulation von PSP Audioware zeichnet sich durch einen markanten Klang, Nüchternheit und Präzision aus und fügt dem Original bei hohen Eingangspegeln eine dezente, feine Färbung durch Sättigung hinzu. Die Emulation wurde in Zusammenarbeit mit Avedis erstellt und setzt auch das optische Erscheinungsbild des Originals 1:1 um. Um eine umfassenden Kontrolle über den Klang zu erhalten, bietet das Plug-in gleich vier Module des Avedis E27, die paarweise dem linken und rechten Kanal und im MS-Betrieb dem Mitten- und Seitensignal zugeordnet sind. Jedes Modul verfügt über einen halbparametrischen Dreiband-Equalizer mit Glockenfiltern und optionaler Kuhschwanz-Charakteristik bei Bass- und Höhen-Bändern. Die Filtergüte verhält sich auch beim PSP E27 proportional zur Anhebung/Absenkung (um maximal 16 dB) und bewirkt einen sauberen Klang.  Die Center-Frequenz ist stufenweise einstellbar und reicht insgesamt von 33 Hz bis zu 28 kHz. 

Bereits an der Farbgebung erkennbar: Der PSP E27 basiert auf dem Hardware-Equalizer Avedis E27.

Durch die Stufenschaltung werden kleine Ungenauigkeiten zwischen den Kanälen vermieden, was besonders beim Mastering für eine exakte Symmetrie sorgt. Kombiniert man im Bassbereich eine Anhebung und Absenkung (mit zwei Modulen pro Kanal und dem Einsatz beider Charakteristika), so lassen sich ähnliche Filterkurven einstellen wie bei Pultec-Modellen. Bässe und Bassdrums gelingen mit dem E27 außergewöhnlich rund und sauber, wobei das Attack bei dezenter Anhebung der oberen Mitten knackig gestaltet werden kann. Auch in den Höhen zeigt der E27 keine Schwäche und erlaubt dank seiner Regelung bis zu 28 kHz einen transparenten, ausgesprochen offenen und luftigen Klang. Der PSP E27 bietet außerdem einen Vorverstärker mit zusätzlichem High-Pass-Filter (schaltbar zwischen 33 und 800 Hz), der dazu dient, die Equalizer-Emulation mit dem richtigen Pegel anzufahren. Er unterstützt damit den exzellenten, dezent gesättigten Sound, der durch das nicht-lineare Verhalten musikalisch und lebendig wirkt. Über zwei Schalter lassen sich die harmonischen Obertöne und Verzerrungen, die durch Transformatoren und Verstärker hervorgerufen werden, bei Bedarf ausschalten.

Positive Grid Matching EQ

Das Bundle beinhaltet drei Equalizer: ein Modell mit integrierter Röhre nach dem Vorbild des Pultec, einen digitalen und einen passiven, ebenfalls mit Röhren ausgestatteten Equalizer. Alle drei Modelle sind Bauteil für Bauteil emuliert worden und verfügen über ein nicht-lineares Verhalten. Als Besonderheit bieten die Equalizer eine Matching-Funktion: Das Klangspektrum eines Quellsignals wird via Sidechaining analysiert und mit dem virtuell-analogen Filter auf das Zielsignal übertragen – derzeit einzigartig, aber leider nicht für VST-Anwender verfügbar, da es keine VST3-Version gibt. Alle Equalizer bieten via Kurvendarstellung und Analyzer ein visuelles Feedback für Feineinstellungen.

Digital EQ

Der Digital EQ ist durch einen glasklaren, hoch transparenten Klang geprägt und verfügt pro Kanal über ein Hoch- und Tiefpass-Filter sowie fünf vollparametrische Bänder, mit denen sich Frequenzen von 20 Hz bis 20 kHz regeln lassen. Neben dem Stereo-Betrieb kann er auch für MS-Bearbeitung verwendet werden, was ihn besonders für das Mastering  interessant macht. Schwierige Aufgaben im Bassbereich meistert er par excellence. Im MS-Modus ist es ein Kinderspiel, ein rundes, druckvolles Fundament im Mittenkanal mit einem weit aufgefächerten Panorama und seidigen Höhen im Seitenkanal zu kombinieren.



Der Tube EQ erlaubt das Wechseln zwischen drei verschiedenen Röhrenmodellen.

Tube EQ

Der Tube EQ kombiniert eine simultane Absenkung und Anhebung von Bässen und Höhen sowie eine Bearbeitung der Mitten über umschaltbare Fenster in Anlehnung an den Pulteq EQP 1A3 und den MEQ 5. Für die Mitten stehen drei vollparametrische Bänder mit einer Absenkung (Dip, schaltbar von 380 Hz bis 10 kHz) zur Verfügung, flankiert von zwei verstärkenden Filtern (Peak, 200 Hz bis 1 kHz und 1,2 bis 4,8 kHz). Erwartungsgemäß klingt der Tube EQ wärmer und weicher als der Digital EQ und fügt bei entsprechendem Eingangspegel dem Klang eine dezente, edle Vintage-Färbung hinzu. Drei verschiedene Röhrenmodelle können beim virtuellen Equalizer per Mausklick ausgetauscht werden – eine Operation, die bei Hardware nicht möglich wäre. Je nach Röhrenmodell wirkt der Klang mittiger und rund oder eher ausgewogenen und in den Bässen nicht ganz so kräftig.

Beim Passive EQ können die virtuellen Röhren –
wie beim Tube EQ – ausgetauscht oder komplett abgeschaltet werden.

Passive EQ

Der Passive EQ kann sowohl ohne als auch mit zwei alternativen Röhrenmodellen betrieben werden. Fährt man ihn mittels vorgeschaltetem Verstärker hart an, so ergibt sich ein deutlicher Sättigungseffekt, der im Grenzbereich vor der Übersteuerung den Klang regelrecht derb und fleischig färbt, noch bevor man überhaupt mit der Klangregelung gearbeitet hat – ideal für rockige Drums oder auch Bässe. Durch die Röhren erhält der Klang zudem eine erstaunliche Tiefe. Für den linken und rechten Kanal stehen je drei Filter mit vier festen Frequenzen von 32 Hz bis 16.400 Hz bereit. Das ist in den meisten Fällen ausreichend aber nicht gerade üppig. Der Vorteil solcher Stufenschalter ist, dass die jeweiligen Zustände genau emuliert werden können, während bei einem stufenlosen Potentiometer Zwischenwerte gemittelt werden müssen, was zu einer gewissen Unschärfe im Klang führen kann. Pro Band gibt es fünf Charakteristika: Hier trifft man auf zwei Kuhschwanzfilter (Bässe und Höhen) sowie drei Glockenfilter verschiedener Flankensteilheit. Mit dezentem Sättigungseffekt ist der Passive EQ eine Wunderwaffe für knackige, leicht aggressive Drums und Bässe. Einer Stimme verleiht er Kraft und Biss, gepaart mit strahlenden Höhen. 


Fazit

Einen Testsieger gibt es hier nicht, denn die drei Equalizer bieten alle einzigartige Funktionen und eine eigene Klangcharakteristik in bester Audioqualität. Der Brainworx bx_digital V3 mit ausgeklügelter MS-Option setzt beim Mastering Maßstäbe und bietet einen ebenso neutralen wie transparenten und musikalischen Klang, mit dem er auch teurer Luxus-Hardware ernsthaft Konkurrenz macht. Mit Extras wie dynamischen Filtern, Niveau-Filter, variabler Stereobreite sowie Mono-Maker bleiben keine Wünsche offen. Abseits des Masterings eignet er sich auch für eine differenzierte Bearbeitung von Gruppensignalen und für Aufnahmesessions mit MS-Mikrofontechnik. Der bx_digital wird zu einem gemessen am Leistungsumfang sehr fairen Preis angeboten. Wer aufwendig emulierte Equalizer mit eigener Klangfarbe sucht, wird bei den Positive-Grid-Matching-Equalizern und dem PSP E27 fündig. Erstere liefern zu einem ausgesprochen günstigen Kurs drei Vintage-Modelle, die auch die kleinsten Nuancen des Eigenklangs zur Geltung bringen. Die feine Zeichnung des Digital EQs, der warme Röhrensound des Tube EQs und der mittels Vorverstärker kräftige Klangcharakter des Passive EQs decken beinahe alles ab, was man sich an Equalizer-Emulationen wünscht. Leider bleiben VST-Anwender mangels VST3-Variante beim Matching außen vor. Der PSP E27 glänzt mit einer überzeugenden Emulation des Originals, die er direkt vierfach bereitstellt und mit einem Vorverstärker kombiniert. Die MS-Option macht ihn auch für das  Mastering interessant. Er meistert auch schwierige Aufgaben im tiefen Frequenzbereich, liefert kernige bis fette Bässe und Bassdrums und öffnet die Räume im hohen Frequenzbereich. Nachdem man die drei Testkandidaten intensiv ausprobiert hat, möchte man eigentlich auf keinen von ihnen verzichten. Alle drei machen das Thema Equalizer spannend. Vorsicht: Suchtpotenzial.

Preise (UVP): 
Brainworx bx_digital V3    299 USD
PSP Audioware PSP 27    99 EUR
Positive Grid Pro Series Matching Equalizer    99 EUR

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/17.