Test: GIK Acoustics Akustikmodule

Die amerikanische Firma GIK Acoustics hat sich auf die Fertigung von Akustikmodulen zur Optimierung der Raumakustik spezialisiert. Aus einer großen Palette verschiedener Standardmodule kann man sich ein Paket für die eigenen vier Wände zusammenstellen lassen. Der KEYS-Test soll zeigen, inwiefern sich ein solches Investment fürs eigene Studio lohnt.

Die amerikanische Firma GIK Acoustics hat sich auf die Fertigung von Akustikmodulen zur Optimierung der Raumakustik spezialisiert. Aus einer großen Palette verschiedener Standardmodule kann man sich ein Paket für die eigenen vier Wände zusammenstellen lassen. Der KEYS-Test soll zeigen, inwiefern sich ein solches Investment fürs eigene Studio lohnt.

Raumakustik ist ein immer noch unterschätztes und oft vernachlässigtes Problem. Für viele Tonschaffende ist es zwar ein Thema, aber auch ein Buch mit sieben Siegeln, und man weiß oft gar nicht, wo man ansetzen sollte und wird dann infolge der Komplexität der Materie oft abgeschreckt. Und genau hier setzt GIK mit seinen Modulen an: Wer sich für eine Optimierung seines Studios interessiert, muss lediglich eine Raumskizze, ein paar Bilder und optional noch eine Messung seines Raumes liefern. Im Gegenzug bekommt man ein Angebot aus individuell zusammengesuchten Modulen aus dem Katalog von GIK inklusive einer Anleitung, wo im Raum diese Module hin sollen.

Die Ausgangssituation

KEYS hat sich angeschaut, wie das in der Praxis abläuft und welche Verbesserungen zu erwarten sind: Zunächst wurde vom Autor eine aktuelle Messung seines Studios angefertigt, die zusammen mit einer Raumskizze und einigen Fotos den Ist-Zustand des Raumes dokumentierte. Aufgrund dieser Daten erstellte GIK dann einen Plan zur Optimierung der Raumakustik mithilfe der hauseigenen Module. Diese wurden einige Tage später geliefert und mussten selbst installiert werden, was aber mit ein klein wenig handwerklichem Geschick überhaupt kein Problem darstellt. Der fertige Raum mit allen installierten Modulen von GIK war eine positive Überraschung, soviel sei schon mal verraten. Aber schauen wir uns zunächst die Ausgangssituation an: Das von uns optimierte Tonstudio war bisher ein mehr oder weniger typisches DIY-Projektstudio mit mehr oder weniger optimaler Akustik und vielen Kompromissen. Neben zwei großen Bassfallen an den Rückwänden gab es noch drei Breitbandabsorber aus Schaumstoff (Basotect) rechts und links vom Hörplatz sowie darüber an der Decke. Das Ganze war okay, aber nicht berauschend.

Der Plan

Nach einem ersten Gespräch mit GIK wurde vereinbart, die beiden rückwärtigen, selbstgebauten Bassfallen zu behalten, da diese ordentlich funktionieren. Alles andere sollte gegen Module von GIK ausgetauscht werden. Der Plan sah vor, die beiden vorderen Raumkanten und Teile der seitlichen Deckenkanten mit Soffit-Bassfallen zu bestücken, um den Bassbereich unter Kontrolle zu bekommen. An der Rückwand waren drei Absorber vom Typ Monster-Bassfalle vorgesehen, die Reflexionen von hinten bekämpfen sollten. Für die Erstreflexionen von der Seite und oben kamen insgesamt acht Absorber vom Typ 244 zum Einsatz. Letzter Baustein waren weitere acht Alpha-4A-Module, die neben dämpfenden Eigenschaften über reflektierende Stellen aus Holz verfügen und somit einer Überdämpfung im Höhenbereich entgegen wirken sollen.

Der Raum mit den fertig installierten Modulen von GIK.

Die Module

Soffits: Bei den Soffits handelt es sich um die leistungsfähigste Bassfalle im Programm von GIK. Sie hat Maße von circa 120 x 41 x 41 cm und kann ganz einfach in den Raumecken übereinander gestapelt oder wahlweise gehängt werden. Wie bei allen Absorbern von GIK kann die Farbe des Stoffbezugs aus einer Reihe von Vorlagen frei gewählt werden. Die Soffits entziehen dem Raum hauptsächlich Energie im Bereich von 50-100 Hz, wirken aber auch darunter noch. Sie sind damit dafür prädestiniert, Raummoden zu bekämpfen. Da sich in den Ecken und Kanten des Raumes die meiste Schallenergie sammelt, sind sie hier am besten aufgehoben. Monster Bassfalle (mit Scatterplate): Diese Bassfallen haben die Maße 120 x 60 cm und sind etwa 17 cm tief. Ihr Einsatzbereich liegt im Bereich bis circa 80 Hz. Sie ergänzen somit die Soffits nach oben hin. Durch den Einbau der optionalen Scatter-Platte (Holzplatte mit Lochung) soll vermieden werden, dass der Höhenbereich zu stark absorbiert wird und somit der Raum zu dumpf klingt. 244 Bassfalle: Die 244-Bassfalle ist der Monster-Bassfalle vom Format her sehr ähnlich. Der Unterschied liegt in der Tiefe des Moduls. Statt 17 cm ist sie nur ungefähr 12 cm tief. Dadurch reicht sie nicht ganz soweit herab. Bei ungefähr 100 Hz ist hier Schluss. 4A Alpha Panel: Die Alpha Panels schließlich kommen im quadratischen Format von 60 x 60 cm daher. Sie verbinden Absorption und Diffusion, indem vor das eigentlich absorbierende Material aus Steinwolle noch eine Holzplatte mit Schlitzen gesetzt wird. Diese Schlitze sind keineswegs willkürlich gewählt, sondern das Ergebnis gezielter Berechnungen. Sie sorgen dafür, dass hohe Frequenzen reflektiert und gestreut werden. Damit wird verhindert, dass ein Regieraum zu dumpf klingt, weil zu viele Höhen geschluckt werden.

Ergebnis

Wie oben schon angedeutet, war das Ergebnis der Raumbehandlung überraschend positiv. Der Raumhall wurde sehr reduziert, es gab keinerlei Flatterchechos mehr. Selbst bei einer Unterhaltung war die bessere Raumakustik bemerkbar. Beim Musikhören dann die nächste Überraschung: Die Musik war nun nur noch aus den bei-den Lautsprechern zu hören und nicht mehr über Umwege auch als Reflexionen von Boden, Decke und Wänden. Man kann sich das so vorstellen, dass die Musik zuvor eine Art Wolke war, die sich aus dem Direktsignal aus den Boxen und der Reaktion des Raumes darauf zusammensetze. Nach der Installation der Raum-Module fällt nun diese indirekte Komponente weg. Infolgedessen ist auch die Phantommitte zwischen den Boxen viel fokussierter wahrzunehmen. Auch das Panorama einer Mischung wird nun exakt abgebildet. Selbst bei Musikstücken, bei denen man sich sicher war, sie in- und auswendig zu kennen, entdeckte man auf einmal selbst nie wahrgenommene Details. Bei guten Produktionen hatte man jetzt das Gefühl, zunächst die Band zu hören und dann einige Zentimeter dahinter den Hall der einzelnen Komponenten.

Eine weitere Ansicht des fertigen Studios.

Die neue Akustik in der Praxis

Aber statt uns dem Musikhören zu widmen, sollten wir das Musikmachen und speziell das Mixen und Mastern genauer betrachten. Natürlich machte sich die neue Raumakustik auch hier positiv bemerkbar. Durch die genauere Abbildung ist es nun wesentlich einfacher, kritische Entscheidungen über Lautstärke, Panorama oder den Pegel des Halls und seinen Klang zu treffen. Es mag banal klingen, aber man hört einfach viel besser und detaillierter, was man da eigentlich gerade tut. Erfreulicherweise macht sich das auch beim Kunden dadurch bemerkbar, dass viel seltener Änderungswünsche geäußert werden. Die Mixe und Master funktionieren besser auf einer Vielzahl von Boxen. Apropos Boxen: In besagtem Studio steht ein Pärchen Nubert A 300 als Abhöre. Solide Mittelklasseboxen, so unsere Meinung bis zum Umbau des Studios. Jetzt, mit der optimierten Akustik, hatten wir das Gefühl, viel hochwertigere Boxen zu hören. Die Lautsprecher können ihr Potenzial nun wesentlich besser entfalten.

Fazit

Irgendwie behandeln Mischer in ihren Projektstudios das Thema Raumakustik immer noch ein wenig stiefmütterlich. Da werden endlose Diskussionen über die Qualität unterschiedlicher Kabel geführt und immer wieder versucht, mit immensen Investitionen in Lautsprecher, Wandler oder teures Outboard-Equipment den Klang der eigenen Arbeit zu verbessern. Oft bleibt die Akustik auf der Strecke, obwohl hier oft viel Potenzial zur Verbesserung liegt.
Die Module von GIK haben in der Testphase vollkommen überzeugt, und man fühlt sich wesentlich sicherer bei Mix-Entscheidungen. Dazu kommt ein äußerst hilfsbereiter und prompter Service. Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen beziehungsweise hören lassen. 

GIK Acoustics Akustikmodule
Vertrieb/Internet: www.gikacoustics.de
Preis (UVP):
circa 280 EUR (Soffit)
circa 100 EUR (244 Bassfalle)
circa 150 EUR (Monster-Bassfalle)
circa 100 EUR (Alpha Panel 4A)
Pro/Contra:
+ Konzept und Beratung 
+ Mehrwert für das eigene Studio