Interview: Lichtmond – 3D-Audio-Special

Im Special der Ausgabe 12/16 dreht sich alles um binaurales Audio sowie Surround- und 3D-Hören über Kopfhörer. Anlässlich dazu haben wir uns mit Lichtmond unterhalten, die auf ihren Produktionen intensiv mit Surround und 3D-Ton arbeiten.

Im Special der Ausgabe 12/16 dreht sich alles um binaurales Audio sowie Surround- und 3D-Hören über Kopfhörer. Anlässlich dazu haben wir uns mit Lichtmond unterhalten, die auf ihren Produktionen intensiv mit Surround und 3D-Ton arbeiten.

KEYS: Mit welcher Software für den 3D-Ton habt ihr bei eurer aktuellen Produktion gearbeitet?


Lichtmond:
Für „LICHTMOND The Journey“ wurde neben unseren 2.0-, 5.1- und 7.1-Mischungen eine Dolby-Atmos-Mischung erstellt. Bis zu 7.1 mischen wir bei uns im Studio aus Logic heraus. Die Dolby-Atmos-Mischungen wurden von Chris Heil in den Münchner MSM Studios gemacht. Hierzu wurde zunächst ein 7.1-Soundbed unserer bestehenden Mischungen extrahiert. Dann haben wir uns genau überlegt, welche Tracks wir als diskretes Object Audio benutzen wollen. Diese Tracks sind in dem 7.1-Soundbed nicht mehr enthalten, sondern wurden synchron dazu als eigene Mono- oder Stereodatei gebounct. Mit allen Audiodaten sind wir dann ins MSM Studio gegangen. Chris Heil hat Song für Song einen Atmos-Basismix aufgesetzt und wir haben gemeinsam mit Chris Song für Song erarbeitet. Der Schwerpunkt war dann die Dynamisierung der Object-Audio-Kanäle im dreidimensionalen Raum.

KEYS: Warum habt ihr diese Software benutzt?


Lichtmond:
Beim Vorgängeralbum „LICHTMOND Days of Eternity“ haben wir mit Auro 3D gearbeitet, was auch super spannend war. Uns hat nun interessiert, was man aus dem Dolby-Atmos-System herausholen kann. Da hat es sich gut gefügt, dass Dolby auf uns zugekommen ist und gefragt hat, ob wir die aktuelle LICHTMOND in Atmos produzieren wollen.

KEYS: Inwieweit hat das eure Arbeitsweise oder das Konzept beeinflusst?


Lichtmond:
Zunächst komponieren wir ganz klassisch in Stereo. Dort muss ein Song ja auch funktionieren. Dann haben wir unsere Surroundmischungen bis 7.1 erstellt, und dort ist schon sehr viel an Dynamisierung innerhalb des Surroundkreises passiert. Dann mussten wir definieren, welche Objekte für den Dolby-Atmos-Mix diskret in alle Richtungen – und auch in den Höhenkanälen – frei beweglich sein sollten.

KEYS: Wie unterscheiden sich 3D-Produktionen von Produktionen in Stereo?


Lichtmond:
Bei der Produktion von Surround im Allgemeinen und bei 3D-Audio im Speziellen muss man sich vorher überlegen, wo man welche Klangquellen verteilen möchte. Wichtig ist zu wissen, welche Audiospuren man separat haben möchte und was man als Stems bouncen kann. Man hat dann gestalterisch viel mehr Möglichkeiten als bei Stereo weil man viel mehr „Luft“ hat. In Stereo muss man zum Teil durch starke EQs und Kompression Platz für die verschiedenen Frequenzen schaffen. Im 3D-Audio geht es mehr um Räumlichkeit, Ortung und diskrete Bewegungen.

KEYS: Welche Besonderheiten gibt es beim Mischen von 3D-Audio noch zu beachten?


Lichtmond:
Es empfiehlt sich erstmal, einen zwar räumlichen, aber zunächst statischen Mix aufzubauen. Das heißt, die einzelnen Audio-Objekte werden erstmal im Raum verteilt. Was sollte von oben kommen? Was von hinten? Das hängt natürlich auch stark vom Musikstil ab. Bei einer Jazz-Produktion soll das Ganze nur räumlicher und dreidimensionaler klingen, so als ob man im Jazzclub dabei gewesen wäre. Aus den oberen und hinteren Lautsprechern wird bei so einer Produktion deshalb hauptsächlich nur Ambience beziehungsweise Reverb kommen und es werden nicht Instrumente durch den Raum fliegen. Bei einem Fantasy-Projekt wie LICHTMOND beziehungsweise generell bei Studioproduktionen kann man wesentlich kreativer mit den 3D-Möglichkeiten umgehen und eine Art holographische Klanglandschaft erschaffen.

KEYS: Wie wirkt sich 3D-Sound auf die Musikwiedergabe über Kopfhörer aus?


Lichtmond:
Hier gibt es verschiedene Verfahren, 3D-Sound und auch traditionellen Surround-Sound in immersives Audio für Kopfhörer zu transformieren. Wir experimentieren hier gerade mit einigen Kollegen, da wir uns auch mit dem Thema Virtual-Reality befassen. Und da wird das Thema immersives Audio für Kopfhörer ganz wichtig.

KEYS: Wie sehen die Publikumsreaktionen auf eure Platte aus?


Lichtmond:
Wir haben glücklicherweise überwiegend sehr positive Reaktionen auf „The Journey“. Unsere Fans lieben die verschiedenen Audio-Formate, die wir jedes Mal separat gemischt haben – also keine simplen Downmixe. Auch die Kombination mit dem 3D-Bild gefällt vielen. Wer sich auf unsere Klangreise einlässt, kann auf technisch sehr hohem Niveau in 3D-Audio und 3D-Bildwelten regelrecht eintauchen, relaxen und chillen.

Mehr Infos: www.lichtmond.com

 

 

Das zugehörige Special finden Sie in der Ausgabe 12/16.