Test: Propellerhead Reason 9 – DAW-Software

Als die bisher aufregendste Version bewirbt Propellerhead vollmundig das Update des DAW-Klassikers Reason auf Version 9. Klar, dass wir uns die Neuerungen näher angesehen und getestet haben.

Propellerhead Reason 9 Aufmacherbild

Als die bisher aufregendste Version bewirbt Propellerhead vollmundig das Update des DAW-Klassikers Reason auf Version 9. Klar, dass wir uns die Neuerungen näher angesehen und getestet haben.

Im gut bestückten DAW-Markt nimmt Reason seit seiner Einführung im Jahre 2000 eine besondere Rolle ein. Es ist für eine große Nutzergemeinde eine geschlossene, aber vollwertige Software zur Musikproduktion, für ebenso viele Anwender wiederum dient Reason als leistungstarke Ergänzung zu anderen DAWs wie Cubase oder Ableton Live. Tatsächlich hat dieser ehemalig nur mit eigenen Klangerzeugern und mit MIDI arbeitende Sequenzer längst das Laufen gelernt beziehungsweise die Audioaufnahme, das Arrangement komplexer Tracks und die Zusammenarbeit mit Drittanbietern, die sich über das Rack-Extension-Format in das virtuelle Studiorack einklinken können. Die Version 9 soll nun durch nützliche Neuerungen, Detailverbesserungen und neue Sounds den Nutzer weiterhin verwöhnen und in der Produktionswelt von Reason verbleiben lassen.

Pitch-Editing

Auf die Möglichkeit, Tonhöhen von Audioaufnahmen nach Belieben zu verschieben, haben viele Anwender von Reason sicherlich lange gewartet. Im Unterschied zur automatischen Korrektur Neptune lassen sich nunmehr Tonhöhen sowie Abweichungen beim Halten der Noten direkt und exakt in den Audio­spuren des Sequenzers anpassen. Das funktioniert wie bei allen Konkurrenten mit Ausnahme von Melodyne nur mit monophonem Material – für die Optimierung der Gesangsaufnahme kommt diese Funktion aber gerade recht.

Reason 9 Bild Pitch Edit
Im Pitch-Editor von Propellerheads Reason 9 wird die Wellenform wie MIDI-Noten in einem Raster dargestellt.

Im Bearbeitungsfenster wird die Wellenform in Segmente unterteilt und wie MIDI-Noten in der Tonhöhe verortet. Nun hat man die Möglichkeit zu einer pauschalen Korrektur per Taster oder aber zur individuellen, manuellen Anpassung. Dazu stehen die drei Betriebsarten Snap (exakte Anpassung auf den jeweiligen Ton), Jump (Halbtonverschiebung) und Fine (freies Verschieben) zur Verfügung. Mittels Rasierklinge lassen sich die Elemente auch weiter zuschneiden, was eine genauere Bearbeitung ermöglicht. Hinzu kommt die Möglichkeit, driftende Noten per Schieberegler gerade zu ziehen. Von subtiler Bearbeitung bis zur perfekten Politur ist alles möglich. Das Werkzeug arbeitet sauber und mit natürlichem Klang. Bei moderatem Einsatz ist am Ende die Nachbearbeitung einer Stimme nicht erkennbar. Eines muss aber klar sein: Einen schlechten Sänger ersetzt auch dieses Werkzeug nicht.

MIDI kann so einfach sein: die Player-Module

Leben in die MIDI-Programmierung bringen die neuen Player-Module in Propellerheads Reason 9. Es handelt sich dabei um MIDI-Effekte, wie man sie beispielsweise auch aus Ableton Live, Cubase und Logic kennt. Sie sollen den Spielspaß und die Kreativität des Anwenders intuitiv und ohne großen Aufwand wecken. Bereitgestellt werden drei Player, die sich als Module per Drag-and-drop vor die jeweiligen Instrumente einfügen lassen, einzeln oder in Kombination.
Note Echo liefert temposychonisierbare MIDI-Delays, die neben der Verzögerungszeit auch in der Dynamik und der Tonhöhe verändert werden können. Mit visueller Unterstützung lassen sich hier konventionelle Echoeffekte imitieren, aber auch arpeggioverwandte Muster oder sogar psychedelische Spielereien sind möglich.

Propellerhead Reason 9 Note Echo
Mit Note-Echo lassen sich unter anderem spannende MIDI-Pitch-Delays mit regelbarer Dynamik erstellen.

Scales & Chords wendet sich an alle, die nicht in Noten- und Akkordlehre ausgebildet sind. In den Betriebsarten „Scales“ und „Chords“ lässt sich das Spiel in der richtigen Tonart beziehungsweise mit sinnvollen Akkorden stark erleichtern. So wählt man in Scales eine Grundnote und bei Bedarf selbst eine definierbare Tonleiter. Fortan werden „falsch“ gespielte Noten in Echtzeit automatisch korrigiert oder wahlweise ausgefiltert. Der Chords-Schalter ergänzt die Möglichkeit, mit einer Taste definierbare bis zu fünfstimmige Akkorde auslösen zu können. Diese kann man mit weiteren Tastern in der Breite verändern, durch tonartfremde Noten färben oder im Geschlecht (Dur/Moll) verändern.

Propellerhead Reason 9 Scales and Chords
Mit den Modi Scales und Chords wird das Spiel von korrekten Akkorden und Tonleitern erheblich vereinfacht.

Schließlich bietet der dritte Player Dual Arpeggio zwei unabhängig arbeitende Arpeggiatoren. Neben dem Tempo und der Laufweite (bis vier Oktaven) lassen sich der Spielbereich und die Abspielrichtung bestimmen. Hinzu kommt die Möglichkeit, Noten einzeln oder doppelt wiederzugeben.
Weiterführende Eingriffe ermöglichen den Zugriff auf den Aufbau der Arpe­ggios. Hier lassen sich beispielsweise Takt-Ungleichheiten beheben, Dynamikeffekte wie Crescendi realisieren und die verwendeten Noten sogar im Sinne eines Step-Sequenzers manuell definieren. Kombiniert man beide Arpeggiatoren erhöht sich das Potenzial dieses Moduls: Hier verbergen sich komplexe Rhythmen und interessante Klangverläufe, die spielerisch für Inspiration und schnelle Ergebnisse sorgen. Bravo!

Propellerhead Reason Dual Arpeggio
Dual Arpeggio bietet zwei getrennt arbeitende Arpeggiatoren sowie zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten.

Die neuen Sounds in Propellerhead Reason 9

Mit dem Update wird Reason 9 um eine Palette von über 1.000 neuen Sounds erweitert. Diese sind unter einem eigenen Punkt im Browser aufgeführt und sauber in 13 kategorisierten Ordnern aufgeteilt: Drums & Percussion, Bass, Leads, Plucks & Mallets, Pads, Keys & Chords, Textures, Arpeggios, Sequences, FX, Guitars, Brass & Wind sowie Strings & Voice. Die Sound-Designer haben dabei ganze Arbeit geleistet: Schon einzelne Stichproben wissen zu überzeugen und erleichtern insbesondere Einsteigern das Erstellen erster Projekte ungemein. Von klassischen, realitätsnahen Instrumenten über synthetische Klänge bis zu abgefahrenen Soundeffekten wird hier alles geboten. Während des Tests nutzte ich Reason teils im Rewire-Verbund mit Sonar und merkte, wie komplett das Klangangebot inzwischen ist und andere Klangerzeuger weitgehend obsolet macht.
Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, kann dies in dem Video mit dem Namen „Road Testing Reason 9“ tun, das Propellerhead auf seiner YouTube-Seite anbietet. Hier begibt man sich auf eine knapp zehnstündige Reise durch die kalifornische Wüste, auf der die über 1.000 neuen Sounds vorgestellt werden – definitiv eine insprierende Unterstützung.

Weitere Neuheiten

Komplettiert wird Reason durch eine Reihe kleiner Verbesserungen, die an etlichen Stellen den Funktionsumfang ergänzen. Neben zwei neuen, dunkler abgestimmten Designvarianten gibt es nunmehr die Möglichkeit, MIDI-Spuren per Rechtsklick in Audiodaten zu verwandeln oder Audiospuren mitsamt Effekten zu fixieren.
Umgekehrt lassen sich monophone Audio- in MIDI-Dateien konvertieren, um etwa eine Gesangsspur mit einem Begleitinstrument zu programmieren. Darüber hinaus lassen sich MIDI-Spuren inzwischen einfach per Rechtsklick umkehren.

FAZIT

In Version 9 stattet Propellerhead Reason mit etlichen sinnvollen und leistungsstarken Funktionen aus – ein regelrechter Rundumschlag.
Ob es sich um das bisher wichtigste Update überhaupt handelt, sei dahingestellt. Definitiv aber ist Reason 9 leistungsstärker denn je und als DAW längst komplett, sieht man einmal von fehlenden Möglichkeit ab, Plug-ins in den gängigen Formaten einzubinden, die dem Programm dafür eine seit jeher absolut vorbildliche Stabilität verleihen.
In aller Regel hat man bei der Musikproduktion mit Reason hinsichtlich Funktionen oder Arbeitsweise keine Nachteile gegenüber Mitbewerbern. Im Gegenteil: In diesem stimmigen und langjährig optimierten Gesamtsystem schöpft man aus einer hervorragenden Ausstattung, die in Reason 9 nun durch Pitch-Editing, MIDI-Effekte, Audio-to-MIDI und weiteren Neuerungen komplettiert wird. Das macht das Update für Propellerhead-Bestandskunden fast zur Pflicht und sollte all jene neugierig machen, die bisher noch keinen Kontakt mit Reason hatten.

Propellerhead Reason 9

Preis (UVP): 
369 EUR (Vollversion)
129 EUR (Update von älteren Versionen)
69 EUR (Essentials)

System: Win, Mac

Pro/Kontra:
+ Player-Geräte
+ hervorragendes Pitch-Editing 
+ Detailverbesserungen
+ über 1.000 neue Sounds

KEYS-Ausgabe 10/16 bestellen
Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 10/16.