Test: PreSonus Symphonic Orchestra – Sample-Library

Die umtriebigen Macher hinter Presonus' Software Studio One bringen uns eine neue Erweiterung für ihre DAW. Das Presonus Symphonic Orchestra – kurz PSO – ergänzt Studio One um klassische Orchesterklänge. Schauen wir uns an, was diese zu bieten haben.

PreSonus Symphony Orchestra Test

Die umtriebigen Macher hinter Presonus' Software Studio One bringen uns eine neue Erweiterung für ihre DAW. Das Presonus Symphonic Orchestra – kurz PSO – ergänzt Studio One um klassische Orchesterklänge. Schauen wir uns an, was diese zu bieten haben.

Zunächst sei erwähnt, dass die Library nur im Zusammenhang mit Studio One (Prime, Artist und Professional) nutzbar ist. Anwender anderer DAWs schauen leider in die Röhre. Für knapp über 100 Euro erhält man ca. 14 GB an Sounds, die sich in drei Kategorien aufteilen: PSO Musicloops, PSO Classic Orchestra und PSO Contemporary Strings.

Musicloops

Beginnen wir mit den PSO Musicloops. Hierfür wurde in Studio One unter Loops extra eine neue Kategorie „Cons­tructions Kits“ eingeführt. PSO Musicloops stellt komplette orchestrale Phrasen in voller Besetzung zur Verfügung. Es gibt die Auswahl zwischen Wav-Files, die das gesamte Stück enthalten, oder wahlweise einzelnen MIDI-Regionen samt dazugehöriger Presence-XT-Instanzen, die den Sound liefern. So kann man sich beispielsweise nur der Percussion-Spur aus einer Orchester-Sequenz bedienen. PSO enthält über 1.200 solcher Loops, die übrigens alle royalty free sind, das heißt, man darf sie ohne Abstriche in eigenen Kompositionen verwenden.

Classic Orchestra

Nächster Bestandsteil von PSO ist das Classic Orchestra. Es besteht aus über 300 Presets für Presence XT mit denen alle Instrumente eines klassischen Orchesters gespielt werden können. Dazu zählen unter anderem Streicher (als Ensemble und als Solovarianten), Harfe, Blech- und Holzbläser (auch hier gibt es Sections und Solo-Instrumente) ein Chor mit verschiedenen Konsonanten und Vokalen sowie FX-Sounds und schließlich noch jede Menge Percussioninstrumente. Neben den Standards wie Pauken, Snares und Chimes finden sich hier auch exotische Percussion Klänge aus Fernost. Lädt man eines dieser Instrumente so zeigt Presence XT in einer Liste an, welche Artikulationen verfügbar sind. Zusätzlich wird der Bereich der Keyswitches rot auf der internen Tastatur dargestellt. Neben den Keyswitches lassen sich die Klänge des PSO weiter durch das Aufzeichnen von Expression-Daten via Mod-Wheel verfeinern. Bei ausgewählten Instrumenten lässt sich zudem ein Legato-Modus hinzuschalten. Der Klang des PSO Classic Orchestra ist ganz so wie es der Name vermuten lässt: Groß, weich und mit viel Hall. Genau das richtige für mächtige Film-Scores.

Contemporary Strings

Wer es gerne etwas direkter und mit mehr Attack mag, der ist vermutlich mit den PSO Contemporary Strings besser beraten. Diese fallen klanglich in eine andere Kategorie. Sie sind direkter und fasst schon etwas aggresiv. Sie eignen sich daher mehr für rhythmische Aufgaben. Auch setzen sie sich besser in vollen und lauten Pop-Arrangements durch. Zur Auswahl stehen hier auch lediglich Ensembles von Kontrabass, Cello, Viola und Violine. Auch ist die Auswahl an Artikulationen im Vergleich zur Classic-Variante eingeschränkt. So gibt es verschiedene Sustains (kurz, lang, medium), Pizzicato, Tremolo sowie zwei unterschiedliche Thrills.

PreSonus Symphonic Orchestra Bedienoberfläche
Die Nutzung von PSO innerhalb von Studio One ist intuitiv und dank Drag-and-drop auch rasend schnell.

Praxis

Die Nutzung von PSO innerhalb von Studio One ist intuitiv und dank Drag-and-Drop auch rasend schnell. Einfach das gewünschte Preset aufs Arrangement ziehen und schon kann es losgehen. Die Klänge wissen dabei durchgehend zu begeistern. Vor allem die vielen Artikulationen in der Classic-Variante haben es mir hier angetan. Neben Standards wie Sustain, Pizzicato, Tremolo oder Staccato finden sich je nach Instrument, auch zahlreiche Spezial-Artikulationen. Bei den Streichern sind dies beispielsweise jede Menge Runs und Portamenti-Varianten. Bei den Bläsern, etwa beim French Horn, dann wiederum Artikulationen wie Flatterzunge oder auch Crescendos, außerdem finden sich hier diverse auf- und abwärts gespielte Glissandi.

Keyswitches

Möchte man innerhalb einer Spur zwischen verschiedenen Artikulationen wechseln, so nutzt man dafür Keyswitches. Diese befinden sich auf der Tastatur im Bereich um C0 aufwärts. Nettes Feature: Sobald man eine entsprechende Note als Keyswitch im Noteneditor setzt, wird diese Note nach der entsprechenden Artikulation, also etwa Legato, benannt. Das schafft Übersicht und spart damit Zeit. Apropos Legato. Einige Instrumente wie etwa die Streicher bieten einen extra Legato-Modus, der sich per Mausklick aktivieren lässt. In diesem Modus wird die alte Note unhörbar in eine neue Note überblendet. Zusammen mit dem Mod-Wheel welches die Expression steuert, sind so, wunderbar getragene Legato-Passagen möglich. Allerdings lassen sich im Legato-Modus die anderen Artikulationen nicht mehr per Keyswitch hinzuschalten. Das ist schade und meiner Meinung nach auch wenig praxistauglich.

FAZIT

Die Library ist ein kleiner Wermutstropfen für alle die Studio One nicht benutzen. Den hier erhält man für wenig Geld eine ernstzunehmende Orchester-Library, die klanglich und von der Bedienung absolut zu überzeugen weiß. Für die allermeisten Anwender von Studio One dürfte PSO zur neuen Standard-Library werden, wann immer orchestrale Klänge gefordert sind. Die Musicloops helfen auch den weniger versierten Usern zum Einstieg in die klassische Musikwelt, und die Contemporary Strings sind eine super Alternative für Popmusik.

PreSonus Symphonic Orchestra

Preis (UVP): 106 EUR
Pro/Kontra:
+ sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ intuitive Bedienung
- im Legato-Modus keine weiteren Artikulationen

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