Interview: Oliver Pum – Lebe deinen Traum

Bereits mit seiner ersten Profi-Produktion landete Oliver Pum einen Nummer-eins-Hit in drei Ländern. Wir sprachen mit dem gebürtigen Österreicher über seine Arbeitsweise, den Weg ins Musikgeschäft und mehr.

Bereits mit seiner ersten Profi-Produktion landete Oliver Pum einen Nummer-eins-Hit in drei Ländern. Wir sprachen mit dem gebürtigen Österreicher über seine Arbeitsweise, den Weg ins Musikgeschäft und mehr.

 

Wer weiß schon, wie viele potenzielle Hits auf den Festplatten junger Musiker und Produzenten schlummern? Leider ist es mit einem guten Song nicht getan: Irgendwie muss man als Künstler eben auch den Einstieg ins Musikgeschäft meistern und seine Werke einer breiteren Öffentlichkeit zu Gehör bringen. Für Oliver Pum erwies sich ein ins Blaue hinein produziertes Instrumental als Schlüssel zum Erfolg. Sein Stück schaffte es in die elfte Staffel der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ und brachte ihm so die nötige Aufmerksamkeit, auf der er jetzt seine weitere Karriere im Musikgeschäft angeht.

 

KEYS: Oliver, du hast den Song „The One“ der DSDS-Gewinnerin Aneta Sablik komponiert. In der Musikszene gibt es, was solche Casting-Shows angeht, auch sehr kritische Stimmen. Hast du gezögert, als das Angebot von DSDS kam?

Oliver Pum: Nein, eigentlich gar nicht. Man muss dazu auch sagen, dass ich noch ein absolutes Küken in der Musikszene war. Ich hatte keine Ahnung, was das Ganze für Ausmaße annehmen kann. Prinzipiell war ich einfach nur froh, dass mein Song jemandem gefallen hat und dass ihn eine Künstlerin gern singen wollte. Da ich kein Sänger bin und auch nicht singen kann, fand ich es perfekt. Ich habe auch nicht daran gedacht, dass DSDS vielleicht eher ein Schritt zurück in der Karriere sein könnte oder dass es uncool rüberkommen könnte. 

 

KEYS: Deine Erfahrungen waren dann auch rückblickend nicht negativ? 

Oliver Pum: Nein, überhaupt nicht. Ich war ja vorher noch in einer Metal-Band, und selbst die Jungs haben das alles gefeiert. Irgendwie fanden die das geil, dass so eine Riesen-Casting-Show wie DSDS einen Song von mir nimmt. 

 

KEYS: Du hast an der Deutschen POP in München den „Sound Design“-Kurs besucht und machst dort im Moment auch noch deinen BA-Abschluss als Music Technology Specialist. Was gefällt dir an den Programmen dieser Einrichtung?

Oliver Pum: Gerade, was den „Sound Design“-Lehrgang betrifft, gefällt mir, dass man einerseits lernt, wie man im Studio mit Hardware-Geräten arbeitet, Instrumente mikrofoniert, mischt und so weiter, andererseits aber auch die digitale Seite – Music Design, Klangsynthese etc. – beigebracht bekommt. So hat man die perfekte Verbindung aus den akustischen und den digitalen Instrumenten. Ich bin davon überzeugt, dass auch jede elektronische Produktion von akustischen Elementen lebt. 

 

KEYS: Wie wird man dann vom Studenten zum Komponisten eines DSDS-Songs?

Oliver Pum: Als ich noch im „Sound Design“-Kurs war, habe ich mal eine Gitarre aufgenommen und fand das Riff recht geil. Daraus ist dann meine erste Produktion entstanden. Ich habe noch etwas rumgeschraubt, und plötzlich war das Instrumental des Songs fertig. Durch Zufall traf ich schließlich B-Case, einen ausführenden Musikproduzenten. Der meinte dann, er sei immer auf der Suche nach neuen Songs, und ich solle ihm doch einfach mal etwas schicken. Darauf hat er von mir besagtes Instrumental bekommen. Später schlossen sich dann noch die beiden Berliner Produzenten Djorkaeff und Beatzarre an, die sonst für Leute wie Sido und Adel Tawil arbeiten. Zusammen mit B-Case sind sie dann noch nach Los Angeles gegangen, um dort mit einer Songwriterin den Text zu schreiben. Danach wurde das Stück mit mir bei DSDS eingereicht. Das war für mich schon ein guter Start in die Karriere. Wenn man in drei Ländern eine Nummer eins hat, bekommt man zumindest das nötige Maß an Aufmerksamkeit, um weitere Produktionen vorstellen zu können. Es ist ja doch so, dass Labels und Verlage sehr viel geschickt bekommen und sich leider nicht alles anhören können. Man braucht also schon ein bisschen Glück.

 

KEYS: Am Instrumental ist dann nichts mehr verändert worden?

Oliver Pum: Zusammen mit B-Case habe ich dann noch einmal an dem Instrumental geschraubt. Wir haben Ideen ausgetauscht und sind zu einem guten Ergebnis gekommen. Es wurde noch von Profis gemischt und gemastert. 

 

KEYS: Welches Equipment nutzt du beim Produzieren eines Songs?

Oliver Pum: In der Regel fange ich jeden Song mit einer Akustikgitarre an. Manchmal kann es aber auch ein Drumloop sein, den ich cool finde. Mit der Akustikgitarre spiele ich Akkorde oder Riffs, die ich über mein RME Babyface recorde. Ich habe auch einen sehr guten Preamp von IGS, ein 500er-Modul. Damit klingt die Gitarre genau so, wie ich sie hören möchte. Eine Akustikgitarre ist bei mir immer am Start – da mag die Produktion noch so elektronisch oder orchestral sein. Auch weil Akustikgitarren, wenn man Akkorde spielt, super coole Flächen abgeben. Man kann sie durch Links-Rechts-Panning sehr schön in die Breite ziehen. Oft mache ich dann auch noch links und rechts ein Achtel-Picking mit sehr hohen Tönen. Das sorgt im hohen Frequenzspektrum noch mal für eine schöne Breite. 

Die Akustikgitarre spielt bei Olivers Produktionen eine große Rolle. // Foto: Erich Winkler

KEYS: Was für eine Gitarre spielst du?

Oliver Pum: Da habe ich eine Minivariante von Taylor mit einem kleineren Hals: die GS Mini-e Koa FLTD. So eine kleine Gitarre ist für mich – besonders im Studio – sehr angenehm. Wenn man, weil es perfekt sein muss, einen Part zum zehnten Mal einspielt, ist es für die Hand einfach entspannter, nicht immer ewig weit greifen zu müssen. Da kann man noch so ein guter Gitarrist sein. 

KEYS: In welche Richtung tendierst du hinsichtlich des Gitarren-Sounds?

Oliver Pum: Bei Akustikgitarren finde ich es geil, wenn es ein bisschen nach Country klingt. Ein kerniger, holziger Sound. Und was das angeht, stellt Taylor eben wahnsinnig gute Gitarren her. 

KEYS: Du beginnst also mit der Akustischen. Was folgt danach?

Oliver Pum: Im Computer wird das Ganze dann natürlich noch bearbeitet. Meine Haupt-DAW ist Logic Pro X. Da drin verwende ich zum Mischen selbstverständlich noch verschiedene Tools. Alles, was an digitalen Instrumenten hinzukommt, beschränkt sich aber gewöhnlich auf Massive von Native Instrument und den Sylenth 1 von Lennar Digital. 

KEYS: Warum gerade diese beiden Soft-Synths?

Oliver Pum: Bei Massive gefallen mir die Möglichkeiten, per Wavetable-Synthese relativ menschliche Sounds hinzubekommen. Klar, es klingt immer digital – aber gerade im Dubstep-Bereich sind diese Vocal-Sounds wahnsinnig bekannt und beliebt. Massive klingt auch sehr breit, was man in einer Produktion immer wieder braucht. Und der Sylenth 1 liefert meiner Meinung nach sehr gute, wenn nicht sogar die besten, Lead-Synth-Sounds. Die beiden Synthesizer in Verbindung mit akustischen Instrumenten geben dann in dem Stil, in dem ich zurzeit arbeite, schon eine sehr gute Produktion ab.

KEYS: In welcher Weise arbeitest du mit diesen Synths genau? 

Oliver Pum: Ich gehe von Presets aus. Ich hab zwar gelernt, selbst Sounds von Grund auf zu bauen, ich bin aber nicht wirklich ein Fan davon. Erstens, weil es wahnsinnig lange dauert und zweitens, weil es meist die Kreativität hemmt. Ich suche mir einige Presets heraus, und darunter können auch welche von Drittherstellern sein. Die sollten schon ungefähr meiner Vorstellung entsprechen. Ich baue sie dann noch um, sodass ich eigene Sounds habe. So komme ich relativ schnell zu einem Ergebnis. Ganz wichtig ist es, verschiedene Sounds zu layern. Ich habe also zum Beispiel eine erste Oktave, eine höhere und dann eine noch höhere. So erhält man ein breiteres Frequenzspektrum, das man für die Mischung meist auch benötigt. Am Ende sind es dann bei mir sechs bis acht Synthesizer-Spuren, die übereinander liegen und in verschiedenen Oktaven dasselbe spielen. 

KEYS: Woher stammen deine Drumsounds?

Oliver Pum: Da habe ich eine Bassdrum-Library aus dem reFX Vengeance. Alles andere an Drumsounds recorde ich selber. Snares, Becken, Toms … In meinem Recording-Raum stehen zum Beispiel gerade fünf, sechs Toms. Die werden dann einzeln aufgenommen. So baue ich mir mein eigenes Schlagzeug zusammen. 

KEYS: Welche Mikrofone verwendest du für diese Aufnahmen?

Oliver Pum: Das ist eigentlich immer das Shure SM57. Zusammen mit meinem IGS-Preamp erhalte ich da im Grunde immer einen Klang, den ich für meine Produktionen sehr gut verwenden kann. So etwas ist natürlich auch immer vom Stil abhängig. Ganz wichtig finde ich, dass Snare- und Bass-Drum in der Tonlage des Songs vorliegen. Im Grunde ist ein Schlagzeug zwar atonal, im ersten Moment erkennt man nicht wirklich einen Ton, aber gerade bei der Bassdrum gibt es doch immer eine Tendenz zu einer bestimmten Note. Das muss man dann passend zum Song stimmen. 

KEYS: Nimmst du eigentlich auch Vocals bei dir auf?

Oliver Pum: Das kommt immer auf die Produktion an. Beim Conchita-Wurst-Album haben wir zum Beispiel alles in einem Tonstudio in Wien aufgenommen. Es war aus zeitlichen Gründen nicht möglich, dass Conchita immer zu mir nach München oder Salzburg kommt. Da mussten wir als Produzenten so flexibel sein und nach Wien reisen. 

Unterwegs setzt Oliver auf das RME Babyface und den Korg nanoKEY.

KEYS: Was sind die ersten Schritte, wenn du mit einem neuen Künstler zusammenarbeitest? Nehmen wir mal an, du hast ein Demo bekommen und dir gefällt schon mal, was du gehört hast …

Oliver Pum: Der nächste Schritt wäre dann, zu schauen, wie man das Instrumental so bauen kann, dass es eine professionelle Qualität hat. Ich würde mir auf jeden Fall die einzelnen Spuren vom Demo herausziehen, um zu gucken, welche Spuren verwendet werden können beziehungsweise welche es auszutauschen gilt. Während ich das Instrumental fertigstelle, halte ich immer wieder Rücksprache mit dem Künstler. Das Ganze soll ja doch auch seinen Vorstellungen entsprechen. Wenn das komplette Instrumental steht, arbeite ich mit einem Demo-Sänger an Pilot-Spuren. So weiß der eigentliche Sänger dann schon genau Bescheid. Dass hilft, nicht zu viel Zeit zu verlieren, und man schont den Sänger. Zum Schluss kommen noch mal Chöre und Backing-Vocals, die bei mir meist von einem Mann und einer Frau gesungen werden.

 

KEYS: Neben deiner Tätigkeit als Produzent arbeitest du auch als DJ. Gestern bist du gerade von einem Engagement auf Mallorca gekommen. Seit wann legst du schon auf?

Oliver Pum: Das ist eine lustige Geschichte. Erst nach dem DSDS-Sieg von Aneta und meinem Song kamen urplötzlich DJ-Anfragen rein, noch auf meine private E-Mail-Adresse. Im ersten Moment wusste ich überhaupt nicht, woher die meine E-Mail haben. Aber viel unklarer war mir noch, warum die davon ausgingen, dass ich DJ bin. Vermutlich dachten sie, da „The One“ eine Electro-Pop-Club-Nummer gewesen ist, dass ich wohl auch auflegen würde. Bis dahin hatte ich aber noch nie als DJ gearbeitet. Ich hab mich dann mit ein paar Freunden darüber unterhalten und die meinten: „Wenn da Geld zu holen ist und dir das Spaß macht, warum denn nicht?“ Mein Bruder ist schon seit Jahren DJ. Der hat mir danach einen Crash-Kurs im Auflegen gegeben. Die ersten Shows waren auch echt nicht gut. Ich war noch tierisch nervös. Aber man kommt da rein, und mittlerweile bin ich wahnsinnig froh, diesen Weg gegangen zu sein. Für jemanden wie mich, der aus der Metal-Szene kommt, ist das natürlich etwas Neues, aber es war eine sehr schöne Erfahrung vor Tausenden Menschen zu spielen. Das ist schon geil. 

 

KEYS: Ich nehme an, für dich war es als Musiker auch vergleichbar einfach, das Auflegen zu lernen …

Oliver Pum: Ich glaube, man tut sich da schon leichter, wenn man vorher in Bands gespielt hat. Es ist wichtig, Rhythmus-Gefühl zu haben. Bei einem klassischen Übergang ist das Wichtigste, dass die Bassdrum vom ersten Song zu der vom zweiten passt. Auch was die Harmonien angeht, sollte man ein gewisses Gefühl besitzen. Viele DJs bedenken nicht, dass die Harmonien der Songs zueinander passen sollten. Es kann sonst beim Übergang extrem dissonant klingen. Solche Dinge waren für mich bestimmt einfacher, als es für jemanden gewesen wäre, der vorher noch nie etwas mit Musik zu tun hatte. 

 

KEYS: Was für Equipment nutzt du als DJ?

Oliver Pum: Ich lege immer mit meinem MacBook auf. Darauf ist dann Rane Serato Scratch Live installiert. Außerdem habe ich noch eine analoge USB-Audiobox, über die ich via Cinch meine beiden Pioneer CDJ-2000 einbinde. In den CDJ-2000 liegt 

KEYS: Wie schaut es bei dir in puncto Effekt-Plug-ins aus?

Oliver Pum: Ich habe gar nicht mal so viele Plug-Ins am Start. Sehr oft nehme ich das Stereo-Delay aus Logic Pro X. Das finde ich super cool. Hall ist bei mir immer der Space Designer aus Logic. Recht viel mehr nutze ich gar nicht. Bei Gesangsspuren gibt es zum Beispiel eigentlich nur das Stereo-Delay und den Space Designer. Kompression und so weiter kommt natürlich auch noch dazu.

Foto: Erich Winkler

Bio: Oliver Pum

Mit 22 Jahren kann Oliver Pum bereits einiges an Erfolgen vorweisen: Für Aneta Sablik, Gewinnerin der elften Staffel der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“, schrieb er den Nummer-eins-Hit „The One“. Pum komponierte darauf auch die Eröffnungshymne des Eurovision Song Contest 2015 und produzierte zusammen mit David Bronner das Debütalbum von Conchita Wurst. Außerdem legt der gebürtige Österreicher zwei- bis dreimal die Woche als DJ auf und arbeitet an seiner Solo-Karriere (aktuelle Single „Your Time“). 

 

 

 

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 09/15.