Das nervt, wenn mein Studio-PC zum bunten Kinder-Computer wird!

Er ist erschienen! Keine Angst, ich habe keine Visionen oder gar den Verstand verloren. Nein, der Windows-10-Upgrade-Knopf ist endlich da!

Er ist erschienen! Keine Angst, ich habe keine Visionen oder gar den Verstand verloren. Nein, der Windows-10-Upgrade-Knopf ist endlich da!

Egal, was ich vorher angestellt hatte, dieses kleine Icon zum kostenlosen Upgrade auf das neue Betriebssystem wollte bei mir einfach nicht auftauchen. Eigentlich hatte ich es schon aufgegeben, da erscheint letzte Woche plötzlich das Symbol in der Taskleiste – so als wäre nichts gewesen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal so dermaßen über eine Windows-Meldung gefreut habe. Kennt ihr das, wenn man sich unbeobachtet fühlt und unvermittelt kleine Jubelgeräusche von sich gibt, sich dann aber im nächsten Moment nervös umsieht, weil man peinlich berührt ist? So war das bei mir auch, nur dass ich ein ziemlich lautes „JAAAA!“ durch den Raum gebrüllt habe.

Voller Vorfreude

Jedenfalls sollte ab jetzt alles recht zügig gehen. Ein paar Tage nach der Reservierung erhielt ich auch schon die Nachricht, dass ich nun das neue Windows 10 Pro installieren dürfe. Gesagt, getan. Die Installation verlief problemlos und nach rund einer halben Stunde begrüßte mich auch schon das neue Betriebssystem – sogar mit Namen. Jetzt erst einmal zurechtfinden. Einige Elemente kennt man so oder so ähnlich schon von den Vorversionen, aber manche Features sind komplett neu. Dieses Cortana zum Beispiel, eine vermeintlich intelligente Sprachsuche, die ich postwendend abgeschaltet habe. Für meinen Desktop-PC ohne Mikrofon macht das nicht wirklich Sinn.

Apps, Apps und noch mal Apps

Überhaupt hat man das Gefühl, dass Windows 10 nicht mehr ernsthaft auf PCs und Laptops ausgerichtet ist, sondern nur noch touch-optimiert für Tablets und Smartphones. Allein dieser ganze App-Wahnsinn! Alles ist jetzt eine App. Von der Wetter-App bis zur Photoshop-App. Apps sind für mich kleine Anwendungen auf mobilen Geräten, aber sicher nicht Samplitude Pro X mit einem Umfang von über 25 Gigabyte! Leider gibt es davon serienmäßig bereits eine ganze Menge. Genaugenommen ist das halbe Startmenü voll mit eher nutzlosen Live-Kacheln und App-Vorschlägen, die kein Mensch braucht. Das Fatale dabei ist, dass viele davon sogenannte Standard-Apps sind, die sich nicht so ohne Weiteres deinstallieren lassen. Ehrlich gesagt: Durch die ganzen bunten und bewegten Kacheln erinnert mich mein PC im Moment eher an einen Kinder-Lerncomputer als an ein Arbeitsgerät. Aber zumindest auf der Arbeitsfläche sieht es nun wieder deutlich seriöser und aufgeräumter aus als bei Windows 8.

Licht und Schatten

In Sachen Privatsphäre/Datenschutz sollte man beim neuen Windows sensibel sein. Etwas überspitzt ausgedrückt wird erstmal alles, was man macht, sagt, schreibt oder singt an MS gesendet und dort ausgewertet. Man kann die meisten Dinge abschalten, dafür muss man sich zum Teil aber sehr tief in die Einstellungen wühlen. Was sich nicht abstellen lässt, sind die automatischen Updates. Sowohl Software als auch Treiber werden ohne mein Zutun aktualisiert – egal ob sie danach noch funktionieren oder nicht. Es gibt aber auch durchaus Positives zu berichten. Nach dem Upgrade funktionieren tatsächlich alle alten Programme noch. Besonders die wichtigen Dinge wie DAW, Plug-ins und so weiter verrichten tadellos ihren Dienst – zum Teil sogar gefühlt schneller als vorher. Hut ab Microsoft, damit hatte ich nicht gerechnet. Lediglich den Treiber für meine Grafikkarte musste ich einmal komplett neu installieren. Alle anderen Geräte wie Audio-Interface, MIDI-Controller und so weiter wurden anstandslos integriert.

Mein erstes Fazit

An einigen Stellen wirkt Windows 10 noch nicht zu 100 Prozent ausgereift. In diesem noch sehr frühen Stadium läuft es aber immerhin schon erstaunlich rund. Wer mit dem ganzen App-Quatsch, Zwangsupdates und dem Teilen seiner Lebensgewohnheiten mit Microsoft leben kann, bekommt hier in Zukunft bestimmt ein brauchbares Betriebssystem – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Der Autor

Sascha Beckmann ist studierter Journalist und arbeitet als freier Redakteur und Autor. Neben dem Schreiben für Magazine und Unternehmen ist er immer wieder auch als Musiker und Komponist in verschiedenen Projekten tätig. Bei seiner Arbeit für KEYS kann er beide Leidenschaften perfekt miteinander verbinden.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der KEYS-Ausgabe 12/15.