Interview: Jean-Michel Jarre – Der Stammesvater

Jean-Michel Jarre zählt zu den Wegbereitern der elektronischen Musik. Im KEYS-Interview spricht der Franzose über sein neuestes Projekt „Electronica“, Lieblings-Synthesizer und die Antonio Stradivaris des 21. Jahrhunderts.

Foto: Herve Lassince

Jean-Michel Jarre zählt zu den Wegbereitern der elektronischen Musik. Im KEYS-Interview spricht der Franzose über sein neuestes Projekt „Electronica“, Lieblings-Synthesizer und die Antonio Stradivaris des 21. Jahrhunderts.

 

Jean-Michel Jarre feierte mit elektronischer Musik schon Erfolge, als in Sachen moderner Sound für viele noch Punkrock das Maß der Dinge war. Jetzt hat der Synthesizer-Pionier, wie er sagt, „seinen Stamm“ um sich versammelt: Mehr als 30 illustre Gäste arbeiteten mit Jarre an seinem zweiteiligen Albumprojekt „Electronica“. Wir haben den Franzosen in Berlin zum Gespräch getroffen.

 

KEYS: Jean-Michel, du arbeitest auf deinem neuen Album mit vielen verschiedenen Künstlern zusammen. Wie liefen diese Kollaborationen ab?

Jean-Michel Jarre: Die Idee hinter diesem Projekt ist eigentlich, Leute um mich herum zu versammeln, die mich inspiriert haben und die direkt oder indirekt mit der elektronischen Musikszene verbunden sind. Wir sind alle Teil desselben Stamms. Es sollten außerdem echte Zusammenarbeiten sein – die Kollaborationen sind Galaxien entfernt vom normalen Featuring-Prozess, der ja heute oft ziemlich banal ist. Meist werden Files zu Leuten geschickt, die man nie getroffen hat. Das ist dann eine sehr künstliche Angelegenheit, eher Marketing als eine echte Zusammenarbeit. Ich hatte dagegen bei jeder Person, an die ich herangetreten bin, das Gefühl, eine Verbindung zu ihr zu haben, was Sounds, Musik und so weiter angeht. Auf dem Weg zum fertigen Album ist mir dann auch bewusst geworden, dass alle Leute, mit denen ich arbeiten konnte, etwas gemeinsam haben: eine organische Herangehensweise an den Klang. Ob Moby, Tangerine Dream, Air, Massive Attack – sie alle teilen diesen organischen Ansatz. Außerdem sind das alles Künstler, die einen Sound besitzen, den man sofort erkennt. 30 Sekunden und man weiß, was man hört. Und das in Tagen, in denen es manchmal wirklich schwer ist, zu identifizieren, wer der Autor eines Stücks ist. 

 

KEYS: Du hast dich konzeptionell auf ein Thema beschränkt, oder?

Jarre: Ja, ich wollte fünf Jahrzehnte elektronischer Musik abdecken. Ich war so privilegiert, die Anfänge der elektronischen Musik miterleben zu können. Wir waren damals ein Haufen verrückter Kerle, die neues Territorium erschlossen. Wir beschäftigten uns mit seltsamen Maschinen, niemand beachtete uns. Heute macht jeder elektronische Musik.

 

KEYS: Sie ist zum Mainstream geworden …

Jarre: Genau. Und ich war auch immer überzeugt davon, dass sich das irgendwann so entwickeln würde. Das hat auch damit zu tun, dass es bei elektronischer Musik nicht allein um Noten geht, sondern vor allem um Sounds. Und in der Tat betreibt ja heute jeder DJ Sound-Design. Elektronische Musik kommt aus zwei Ländern: Deutschland und Frankreich. Leute wie Stockhausen, Pierre Schaeffer und die Groupe de Recherches Musicales haben das alles in Gang gesetzt. Elektronische Musik hat überhaupt nichts mit Amerika zu tun. Sie ist nicht aus dem Rock ‘n‘ Roll hervorgegangen, sondern aus der klassischen Musik. Am Anfang standen lange Instrumental-Stücke. Elektronische Musik begann nicht mit Avicii. 

 

KEYS: Wenn du sagst, der Sound sei entscheidend: Ist das auch dein Ausgangspunkt, wenn du komponierst?

Jarre: Da gibt es keine Regel. Trotzdem hatte ich immer diesen organischen Ansatz in Bezug auf den Sound – das bildet für mich schon meist den Anfang. Dessen ungeachtet denke ich aber, dass die Melodie in der Musik eines der wichtigsten Elemente ist. Das fängt in der Kindheit an und geht bis zum Beginn der Menschheit zurück. Aber mit Klängen zu arbeiten, ist der sinnliche, fast sexuelle Teil des Komponierens, ähnlich wie beim Kochen. Ich koche Frequenzen! Selbst wenn man mit Plug-ins arbeitet – irgendwie bleibt es organisch und taktil. Das ist für mich nicht abstrakt. Ob man nun mit einem Plug-in von Native Ins­truments oder einem Moog-Modular-System Musik macht, auf gewisse Weise bleibt es dasselbe. Nehmen wir mal die Malerei. Dort spricht man oft von abstrakten Bildern. Ich sehe das ganz anders: Jackson Pollock, Hans Hartung und Pierre Soulages arbeiten mit Texturen, Kontrasten und so weiter. Das ist für mich keine abstrakte, sondern konkrete Malerei. Renoir und Michelangelo – das sind meines Erachtens die wirklich abstrakten Maler, weil sie eine intellektuelle Repräsentation der Welt liefern. So wie man in der klassischen Musik ein Werk mit Papier und Bleistift kreiert. Da ist das Papier die Schnittstelle, und diese Schnittstelle sorgt für eine Intellektualisierung. In der elektronischen Musik verhält sich das anders. Wir kochen, wir mischen Gewürze. Und letztlich ist es eben auch das, was alle Künstler auf diesem Album verbindet. Mein Ziel war es dann, sozusagen unsere DNS-Stränge zu verweben. 

 

KEYS: Wie sah der Produktionsprozess konkret aus?

Jarre: Ich habe zuerst alleine Demos aufgenommen. Die waren schon ziemlich strukturiert. Es gab die Sounds, aber auch einige Melodien. Es wurde natürlich berücksichtigt, genug Platz für die anderen Künstler zu lassen. Mein Dogma bestand darin, alleine anzufangen und eine Ausgangsbasis zu liefern. Selbst wenn die dann später vom anderen Musiker verändert wurde. Und ich habe die Künstler persönlich getroffen. Ich wollte Zeit mit den Leuten in ihrem oder meinem Studio verbringen.

 

Jean-Michel Jarre behält auch am Pult die Kontrolle. // Foto: Herve Lassince

KEYS: Mit welchem Equipment hast du gearbeitet? Vornehmlich Hard- oder Software?

Jarre: Beides. Wie du wahrscheinlich weißt, habe ich in der Vergangenheit viel mit analogen Instrumenten gearbeitet. Sehr lange Zeit waren analoge Synthesizer um Längen besser als Plug-ins. Das hatte technische Gründe und war nicht nur eine Frage des Geschmacks. In den letzten fünf bis sechs Jahren sind wir aber in eine deutlich neu gewichtete Welt eingetreten. Analog und digital liegen jetzt sehr dicht beieinander. Die Entscheidung, ob analog oder digital, fällt bei mir jetzt nur noch aus geschmacklichen Gründen, die auch mit der Art des Projekts zusammenhängen. So wie man zwischen einer Gibson- oder Fender-E-Gitarre wählt, wenn man einen bestimmten Sound möchte. Man würde aber nicht sagen: „Fender ist nicht so gut wie Gibson.“ Genauso ist es heute mit, sagen wir, dem Kontour von Native Instruments oder einem ARP 2600. Es kommt darauf an, was man möchte. Nehmen wir das Stück, das ich mit Air gemacht habe, als Beispiel: Nicolas und Jean-Benoît sagten mir, unser Song sollte mehr sein als ein Stück von Air oder ein Stück von mir. Die Idee bestand dann darin, Instrumente aus den fünf Jahrzehnten der elektronischen Musik zu benutzen. Angefangen mit Oszillatoren und Tape, über modulare Synthesizer, polyfone Synths bis hin zu Samplern wie dem Fairlight und schließlich sogar mit einigen aktuellen virtuellen Instrumenten. Am Ende haben wir uns nicht mehr an die Chronologie gehalten, es wurden aber definitiv Instrumente aus allen fünf Dekaden benutzt. 

 

KEYS: Worin bestanden bei diesem Song die ersten praktischen Schritte?

Jarre: Angefangen habe ich mit Oszillatorbänken aus den Vierziger- und Fünfziger-Jahren. Zum Einsatz kam dafür ein Coupigny-Synthesizer, den die Groupe de Recherches Musicales in den Fünfzigern entwickelt hat. Das war einer der ersten Synthesizer überhaupt. Der Coupigny besteht aus Oszillatorbänken mit Envelope- und Re-Modulatoren. Echter analoger Röhren-Sound! Ich habe dann auf eine Technik zurückgegriffen, die es lange vor dem digitalen Sampling gab und die ich noch von früher kenne: Ich habe Analogband geschnitten. Da muss man ein bisschen rechnen. Bei 120 BPM und einer Bandgeschwindigkeit von 38 Zentimetern pro Sekunde kommt man auf zwei Takte pro Sekunde. Wenn man das weiter unterteilt, erhält man Viertel-, Achtel-Noten und so weiter. So lässt sich aus einzelnen Elementen ein Loop generieren. Um den dann abspielen zu können, führt man das Band aus der Maschine heraus und über einen Mikroständer (Anm. der Red.: Der Mikroständer dient dazu, auch längere Loops abspielen zu können und das Band auf Spannung zu halten). Der erste Beat des Stücks mit Air wurde genau so umgesetzt. Das Ganze habe ich anschließend in einer Minipops-Drum-Machine von Korg zusammengeführt – also in der nächsten Generation von Instrumenten. Darauf legte ich dann die Melodie und gab den Track an Air. Finalisiert wurde das Stück zum Schluss in meinem Studio, wo wir unter anderem noch einen Vocoder und einen Fairlight eingesetzt haben. Und der letzte Sound des Stücks stammt aus der Animoog-App fürs iPad!

 

Jean-Michels Live-Shows sind legendär. // Foto: E.D.D.A

KEYS: Bist du im Laufe dieses Projekts zu einer Konklusion gelangt, zu etwas, das für dich diese fünf Dekaden elektronischer Musik zusammenfasst?

Jarre: Ich glaube, das Projekt zeigt, wie zeitlos elektronische Musik ist. Ich meine: Man kann ein Stück mit Tangerine Dream oder den Fuck Buttons produzieren – und hört nachher nicht mehr, welcher Song von dem Künstler stammt, den man aus den Sechzigern kennt, und welcher von dem Künstler kommt, der ins Jahr 2015 gehört. 


KEYS: Interessant ist ja auch, dass zur Zeit der ersten Synthesizer-Entwicklungen viel Wert darauf gelegt wurde, akustische Sounds simulieren zu können. Heute greift man dagegen bewusst zu einer künstlich klingenden 808-Bass­drum, obwohl man auch ein super realistisches Sample zur Hand hätte …

Jarre: Ja, endlich setzen wir die Technologie nicht mehr um ihrer selbst willen ein, sondern für die musikalischen Ideen, die wir entwickeln. Mein Ratschlag für Anfänger wäre übrigens: Das Wichtigste ist deine Idee. Es geht nicht darum, Technik zu meistern. Das ist die ultimative Falle. Seit Beginn unserer Unterhaltung sind wahrscheinlich 100 Plug-ins programmiert und veröffentlicht worden. Wenn man da versucht, immer Schritt zu halten und alles zu besitzen, wird man zwangsweise zu einem armen, frustrierten Archivar. Trotzdem sind virtuelle Synthesizer natürlich toll. Ich bin ein großer Fan von Native Instruments und auch Ableton – Genies aus Berlin. Das sind für mich die Antonio Stradivaris des 21. Jahrhunderts. Es gibt hier in Berlin eine unglaubliche Handwerkskunst. Du hast Recht: Zu Beginn der elektronischen Musik haben – gerade Außenstehende – Synthesizer als elektronische Geräte betrachtet, mit denen man akustische Instrumente imitieren kann. Das eigentlich Faszinierende ist natürlich, dass sich mit ihnen neue Sounds erschaffen lassen. Du kreierst deine Fantasie von Streichern, deine Fantasie von Blechblasinstrumenten! Einige Leute haben noch nie echte akustische Streicher gehört – aber sie besitzen ihre eigene Vorstellung davon, wie Streicher klingen. Das erinnert mich an den italienischen Regisseur Fellini, der hat einmal gesagt: „Ich hasse das Meer, und ich hasse es, am Strand zu sein … Aber ich liebe es, im Studio meine Vision des Meeres umzusetzen, mit Laken, Ventilatoren und Bildern.“ Das hat viel mit elektronischer Musik zu tun. Als ich „Oxygène“ aufgenommen habe, war ich fasziniert davon, den Klang des Regens und des Winds mit einem ARP Odyssey oder Moog nachzubilden. Denn das war meine Vision dieser Geräusche. 

 

KEYS: Du hast ja vor einiger Zeit „Oxygène“ mit Originalinstrumenten sozusagen nachempfunden …

Jarre: Ja, das war ein ziemlich verrücktes Projekt. Ich wollte das Album auf Tour live ohne Computer oder MIDI spielen. Wie bei einem klassischen Quartett. Ich glaube, wir hatten insgesamt 50 Synthesizer auf der Bühne. Das war eine interessante Übung, sozusagen das genaue Gegenteil von einem DJ, der mit seiner SD-Karte reist. Was ich auch toll finde. 

 

Jarre nutzt Plug-ins – dreht aber auch immer noch gern an echten Reglern. // Foto: Herve Lassince

KEYS: Was würdest du davon halten, wenn jemand „Oxygène“ komplett mit Plug-ins neu aufnimmt? Wäre das sinnlos – muss diese Platte einen „analogen“ Sound haben?

Jarre: Nein, überhaupt nicht. Bei mir gibt es keine Regeln. Alles ist okay. Wenn jemand eine Version von „Oxygène“ mit Dudelsäcken machen möchte, hat er meinen Segen. Warum auch nicht? Vielleicht wird das eine brillante Version. Für dich ist dieses Album vielleicht mit einem bestimmten Sound verbunden, der dich an die Siebziger erinnert. Gerade neulich hat aber ein Jugendlicher, ich glaube aus Texas, auf Facebook geschrieben, dass er diesen neuen tollen Künstler entdeckt hätte, der eine völlig neue Art von Musik macht. Er meinte mich und mein Album „Oxygène“. Das zeigt einmal mehr, dass elektronische Musik zeitlos ist. Was diese Art von Musik datieren kann, ist der Sound der Drums und des Basses. Aber wenn man das loswird, klingt fast jedes elektronische Musikstück zeitgemäß. Es gibt da ein schwarzes Loch, in dem die Zeit stehen bleibt. Hör dir einen Song der Beatles an – der ist, was den Sound betrifft, an eine bestimmte Ära gebunden. Ganz gleich, ob die Melodien zeitlos sind. Bei elektronischer Musik ist das viel subtiler. Besonders wenn man aktuelle Plug-ins einsetzt. Nehmen wir den Monark von Native Instruments. Den habe ich selbst mit dem Minimoog Model-D verglichen. Native Instruments konnten die Artefakte und all das sehr genau emulieren. Das ist näher am Original als der Voyager oder der Hardware-Moog, der heute hergestellt wird. 

 

KEYS: Andererseits ist der Monark auch ein gutes Beispiel für den Retro-Trend im Plug-in-Geschäft. Ich wünsche mir manchmal, dass mehr an neuen Konzepten gearbeitet würde.

Jarre: Aber weißt du, warum sollte elektronische Musik nicht auf ihre Wurzeln verweisen? Es gibt die Mythologie des Rock ‘n‘ Roll, des Jazz, der Klassik. Die Geschichte der elektronischen Musik muss aber noch erzählt werden. Magazine wie eures arbeiten daran. Ein anderer Teil dieser Arbeit  sind Referenzen an „ultimative“ Synthesizer wie den Minimoog. Und daneben gibt es aber auch noch Plug-ins wie Kontour, die absolut neue Konzepte anbieten. 

 

KEYS: Aber es ist natürlich einfacher, ein Konzept zu vermarkten, dass der Anwender schon kennt – sagen wir, einen Moog. 

Jarre: Ja, aber man sollte auch nicht vergessen, was für ein höllisch gutes Instrument zum Beispiel das Moog-Modular-System ist. Ich habe das Privileg, dass so ein Instrument in meinem Studio steht. Zwischen einem Minimoog und einem Moog-Modular-System besteht in etwa der gleiche Unterschied wie zwischen einem Standard-Plug-in und einem Minimoog. Der Klang der Filter ist unglaublich und schwer zu schlagen. Es lohnt sich schon, so ein Instrument emulieren zu wollen. Und wir werden immer besser darin. Was wir in letzter Zeit mit Plug-ins zum Beispiel endlich hinbekommen haben, ist, die Wärme analoger Instrumente zumindest ansatzweise einzufangen. 

 

 KEYS: Da würde ich dir Recht geben. Hast du eigentlich ein Lieblings-Synth-Plug-in?

Jarre: Ich liebe die Instrumente von Native Instruments, ganz generell gesprochen. Der U-he Diva und der Synapse Dune gefallen mir auch sehr gut. Gleichzeitig begeistern mich aber auch Sachen wie der OP-1 von Teenage Engineering – ein brillantes Instrument. 


KEYS: Tatsächlich? Was gefällt dir am OP-1 besonders?

Jarre: Ich würde dieses Instrument in die Top-Ten meiner Hardware-Synthesizer aufnehmen, weil dieser Synthesizer ein absolut originelles Konzept hat. Für mich ist der OP-1 so einzigartig wie der ARP Odyssey. Das ist ein Gerät, das es vorher in dieser Form nicht gab. Es hat diesen Casio-Look, kommt tatsächlich aber in NASA-Qualität daher. Ein absolut kreatives digitales Ins­trument.

 

KEYS: Und wenn wir mal bei klassischen analogen Synthesizern bleiben: Was sind da heute deine Favoriten?

Jarre: ARP 2600, EMS VCS 3, Memorymoog und Elka Synthex. Beim ARP 2600 schätze ich die Transienten, die ich sogar schöner finde als beim Moog, der ein eher gummiartiges Gefühl vermittelt, was mir auch gefällt, aber für die Transienten nicht optimal ist. Mir gefällt die Schärfe des 2600. Der VCS 3 ist einfach Teil meiner DNS. Ich meine, ich habe mit diesem Instrument angefangen, elektronische Musik zu machen und besitze immer noch zwei voll funktionsfähige Exemplare von damals. Das Tolle an diesem Synthesizer ist, dass man immer sofort etwas hinbekommen kann, mit dem man nicht gerechnet hat – und man kann nichts wiederholen, alles hängt vom Moment ab. Den Memorymoog liebe ich, weil es mein erster polyfoner Synthesizer war, der einen wirklich großartigen Klang lieferte. Und der Synthex von Elka hat schlicht den fettesten Sound, den man in der Geschichte der polyfonen Synthesizer finden kann. Viel fetter als alles, was es sonst gibt.

 

KEYS: Kam der Synthex auch bei der Produktion des neuen Albums zum Einsatz?

Jarre: Ja, auf dem Song, den ich mit Boys Noize hier in Berlin produziert habe, und auf dem Track mit John Carpenter.

 

KEYS: Jean-Michel, vielen Dank für das Gespräch.

 

Foto: Herve Lassince

Bio: Jean-Michel Jarre

Jean-Michel Jarre gehört zu den Pionieren der elektronischen Musik. Mit „Oxygène“ schuf er 1976 ein bahnbrechendes Album, das zahllose Musiker beeinflusste. Bis dato verkaufte Jarre mehr als 80 Millionen Tonträger. Wenn er nicht im Studio an neuen Kompositionen und Sounds werkelt, inszeniert der Franzose gigantische Live-Shows und spielt dann auch schon mal Open-Air-Konzerte vor den Pyramiden von Gizeh oder dem Eiffelturm, wo er 1995 ein Publikum von 1,2 Millionen Menschen erreichte. Im Herbst erscheint mit „Electronica 1 – The Time Machine“ Jean-Michel Jarres jüngstes Album – der erste Teil eines Projekts, für das der Franzose über 30 Kollaborateure eingeladen hat. Unter anderem sind mit von der Partie: Air, Vince Clarke (Depeche Mode, Erasure), Fuck Buttons, Robert Del Naja (Massive Attack), Boys Noize, Pete Townsend (The Who), Moby und Tangerine Dream.

 

 

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 10/15.