Test: Klang:technologies – 3D-Audio-Special

Klang:technologies bietet ein komplettes Monitoringsystem für Mehrkanal-Audio über Kopfhörer an. Damit soll eine Band ermüdungsfrei über Kopfhörer musizieren können.

Klang:technologies bietet ein komplettes Monitoringsystem für Mehrkanal-Audio über Kopfhörer an. Damit soll eine Band ermüdungsfrei über Kopfhörer musizieren können.

Im Focus steht das Live-, Studio- oder Theater-Monitoring für Musiker. Dank binauralem Audio fällt die Im-Kopf-Lokalisation weg und die einzelnen Musiker können frei in einem 3D-Raum platziert werden. Klangräume öffnen sich, und die Session läuft für die Ohren ermüdungsfrei über Kopfhörer ab – mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass auch die Nachbarn unbehelligt bleiben und keine Ansprüche an die Akustik des Proberaumes gestellt werden, soweit man mit E-Drums arbeitet und alle Instrumente über Vorverstärker und gegebenenfalls mit Effekten (Gitarre, Bass) direkt eingespeist werden.
Ein zweiter Anwendungsbereich ist der binaurale Surround-Downmix, also zum Beispiel 5.1 oder 7.1 für Kopfhörer. Man kann sich in der zentralen Einheit mit der Bezeichnung KLANG:fabrik dazu ein Setup aus Lautsprecherpositionen anlegen und aufgrund der Höheninformationen auch Auro oder ATMOS Setups simulieren. Aus Logic oder Pro Tools lässt sich beispielsweise per Dante Virtual Soundcard ein Mix von 56 Quellen erzielen.
Das System besteht aus drei Komponenten: Unter der Bezeichnung KLANG:fabrik bietet der Aachener Hersteller ein Mischpult mit acht Stereo-Ausgängen im 19-Zoll-Rackformat und mit zwei Höheneinheiten an. Bis zu 16 Musiker können jeweils individuelle Mischungen in einem 360-Grad-Feld inklusive Höhenverschiebung erstellen. Bis zu 56 Signale, die digital über ADAT oder ein Dante-Netzwerk eingespeist werden, verarbeitet die KLANG:fabrik simultan. Über die sogenannte KLANG:app werden die Positionen und Pegel zugewiesen und können auch in Echtzeit gesteuert, also modifiziert, werden. Damit kann man beispielsweise den Gesang frontal im Zentrum platzieren, das Schlagzeug im vorderen Links-Rechts-Panorama, Keyboards und Synthesizer raumfüllend anordnen oder einen zusätzlichen Halleffekt auf eine hintere Position legen.
Auch ein erweitertes Head-Tracking ist in Vorbereitung: KLANG:vektor ist ein Bewegungssensor, der die Kopforientierungen der Musiker an die zentrale Einheit KLANG:fabrik sendet und eine realistische, individuelle Berechnung des Raumes bereitstellt, sodass für jeden Akteur die subjektive Raumakustik stabil bleibt, auch wenn er sich dreht.
Mit KLANG:quelle bietet der Hersteller einen Vierkanal-Kopfhörerverstärker, der sich über ein Dante-Netzwerk an die Klang:fabrik ankoppeln lässt und die Musiker mit den Kopfhörersignalen versorgt. Alternativ steht mit Klang:vier ein binauraler 19-Zoll-Mixer mit einer Höheneinheit für bis zu fünf Musiker zur Verfügung. Für KLANG:fabrik gibt es noch in diesem Quartal eine MADI Erweiterung. Damit wäre die Kompatibilität zu einer ganzen Reihe von Digitalpulten gegeben.
Zum Hintergrund: Klang:technologies ist eine Ausgründung des Institut für Technische Akustik der RWTH Aachen und greift auf die Ergebnisse aus Forschungs- und Doktorarbeiten zu HRTF und binauralem Audio zurück. Im Ergebnis ist eine extrem realistische Ortung bei geringer Latenz (unter 3 ms) und artefakt- und annähernd verfärbungsfreien binauralen Signalen möglich. Auch individuelle HRTFs (wie beim Smyth Research Realiser) sind für die Zukunft vorgesehen. Die 3D-Engine unter der Haube rechnet für jeden Benutzer alle Signalquellen individuell aus Impulsantworten zusammen – inklusive nahtlosen Übergängen bei Bewegungen der Schallquellen oder des Kopfes.

Zum Hersteller: www.klang.com

Das zugehörige Special finden Sie in der Ausgabe 12/16.