Interview: Monakr – Mit Dynamik zum Erfolg

Monakr sind eine neue Electro-Popband aus Chicago. Wir trafen Keyboarder und Songwriter Saam Hagshenas und Drummer Jonathan Marks zum Interview.

Foto: Stephanie Bassos

Monakr sind eine neue Electro-Popband aus Chicago. Wir trafen Keyboarder und Songwriter Saam Hagshenas und Drummer Jonathan Marks zum Interview.

 

Monakr setzt sich aus Mitgliedern der Bands Hey Champ, Gemini Club und Sänger Matthew Santos zusammen. Letzterer wurde bereits für einen Grammy nominiert. Ihre Debüt-EP „Calling Out“ erscheint im Februar auch in Deutschland. Wir sprachen mit der Band über Songwriting, ihre Einstellung zum Loudness-War und über die Live-Umsetzung ihrer Songs.

 

KEYS: Wie kam es zur Gründung von Monakr? ihr habt ja alle vorher schon in anderen erfolgreichen Bands gespielt.
Saam:
Ich war in einer Band namens Hey Champ mit Jonathan. Als uns unser Keyboarder verlassen hat, haben wir überlegt, wie es weiter gehen soll. Die Songs, die ich damals schrieb, hatten einen düsteren Sound, und ich wusste, dass ich das nicht selbst singen wollte. Aber es gab da diesen Sänger namens Matthew Santos, für den ich schon immer ein Song schreiben wollte. Er wurde zweimal für den Grammy nominiert und hat mit Lupe Fiasco den Song Superstar gesungen und ist in den USA groß rausgekommen. Letztendlich habe ich dann einen Song namens „Diamonds“ geschrieben, bei dem es um meinen verstorbenen Onkel geht. Und ich sagte ihm, er müsse diesen Song singen, weil ich ihn nicht singen möchte und nicht kann (lacht). Ich habe einfach nicht die stimmlichen Möglichkeiten dazu. Er kam dann in mein Studio, um Demos davon aufzunehmen. Zuerst war es nur als Feature gedacht, aber dann dachten wir, lass uns einfach eine Band gründen, weil es wirklich gut klang. Jonathan von Hey Champ half mir, die Tracks zu produzieren. Ich wollte aber, dass sie auch live spielbar sind. Deswegen kam dann noch Dan Brunell von Gemini Club dazu. Er ist Keyboarder und spielt mehrere Instrumente. Ich meinte zu ihm: „Du musst in unserer Band sein und mir helfen, das Live-Gerüst zu bauen“.

 

KEYS: Habt ihr einen klassische Produzenten oder macht ihr das alles selbst?
Saam:
Wir arbeiten mit einem Tontechniker zusammen, der ein ziemlich guter Co-Produzent ist. Sein Name ist Craig Majors. Er hat immer diese super Ideen und wir arbeiteten auch schon bei Hey Champ mit ihm zusammen. Technisch gesehen sind wir drei oder vier Produzenten in dieser Band, und so kommen immer viele Ideen zusammen. Herauszufinden, wofür Monakr klanglich steht, hat dadurch eine Weile gedauert.

 

KEYS: Wie habt ihr zum Beispiel akustische Instrumente und Vocals aufgenommen?
Jonathan:
Für die Vocal-Aufnahmen gehen wir immer in Craigs Studio. Dort nehmen wir dann meist auch Percussions auf. Wir brauchen nicht viel Raumklang für Schlaginstrumente, deshalb nehmen wir das ebenfalls in der Vocal-Booth auf. Meist sind das dann einzelne Becken oder Shaker oder auch mal eine Snare. Für ein paar Tracks wollten wir aber diese groß klingenden Toms und diesen Phil-Collins-mäßigen Gated-Reverb-Sound. Dafür sind wir in ein größeres Studio gegangen. Ich hatte dort ein Kit mit vier Toms und eine Kickdrum aufgebaut – sonst nix. Keine Snare und keine Becken. Für die Snare benutzen wir normalerweise Samples, die wir selbst kreieren.

 

KEYS: Wie geht ihr beim Songwriting vor?
Saam:
Natürlich ist jeder Song verschieden – das ist das, was dir jeder sagt (lacht). Manchmal denken wir uns zunächst die Beats aus. Es gab aber auch Songs, wo Jonathan einfach vor sich hin spielte. Ich sagte irgendwann: „Diese zwei Akkorde – spiel die nochmal!“ Das Verrückteste am Songwriting bei Monakr ist, dass ich bisher immer nur für mich als Sänger geschrieben habe und jetzt, wo ich für eine Stimme wie die von Matthew schreibe, finde ich nach und nach heraus, zu was er alles fähig ist.

 

KEYS: Wie sieht dann die Zusammenarbeit mit eurem Co-Produzenten Craig Majors aus?
Jonathan:
Wir arbeiten schon seit Jahren mit ihm zusammen und schätzen seine Arbeit sehr. Wir mögen es generell, so zu arbeiten, dass jeder von uns sein eigenes Studio-Setup hat. Ich habe eine umfangreiche Synth-Sammlung, die wir schon benutzten, als wir noch bei „Hey Champ“ waren. Auch Saam hat sein eigenes Setup und arbeitet an Tracks. Wir reichen uns die Files hin und her und schrauben an den Songs bis wir sie gut finden. Wenn wir dann noch ein paar Live-Elemente aufnehmen müssen, bringen wir die Sachen zu Craig, der ein Mixing-Studio hat. Dort kommt alles zusammen.
Saam: Wir haben jetzt sieben oder acht Songs mit ihm gemacht. Er wird bald nach Nashville ziehen und wir werden im Januar dort hinfahren und noch ein paar Songs aufnehmen.
Jonathan: Der Vorbesitzer des Hauses das er dort gefunden hat, hat ein großes Studio in den Keller gebaut. Craig hat jetzt ein Mixing-Studio in seinem Keller, was großartig ist. Außerdem hat er dort auch einen Live-Raum und eine Vocal-Booth. Nashville ist echt verrückt, jedes Haus hat dort ein Tonstudio im Keller.

 

KEYS: Das heißt also, dass es in Nashville nicht nur Country gibt?
Saam:
Ich glaube, das hat sich ein bisschen geändert. Country hat sich quasi zu Popmusik weiterentwickelt. Es hat mit Shania Twain angefangen, und nun ist es Taylor Swift. Im Moment entwickelt sich Nashville zu einer Songwriting-Stadt für Popmusik. Der Schwerpunkt liegt immer noch auf Country und Rock ‘n‘ Roll. Mittlerweile ist Nashville jedoch auch für andere Künstler interessant. Es ist eine wirklich tolle Stadt. Wir haben zweimal dort gespielt.

 

KEYS: Mastert ihr eure Songs selbst?
Saam:
Mastering ist etwas, das wir abgeben. Wir arbeiten mit zwei Mastering-Ingenieuren zusammen. Mit Brian Gardner hatten wir großes Glück. Er hat unter anderem „Thriller“ von Michael Jackson gemastert. Craig hat ihm ein paar Sachen geschickt, und er mochte es. Er hat vier oder fünf unserer Tracks gemastert. Außerdem arbeiten wir noch mit Roland Weary zusammen,. Man hört oft ein Master und denkt sich: „Ok, das ist super, es ist lauter.“ Aber dann kommt ein Master von einem anderen Ingenieur und es klingt dann nicht nur lauter, sondern auch sehr viel klarer. Ich bin nicht fähig, dem Mastering-Ingenieur zu erzählen, was ich von einem Mastering erwarte, bis ich zwei Versionen höre und denke: „Das ist es, was ich will.“
Jonathan: Mastering-Studios haben normalerweise spezielle Signalketten. Mit so etwas wollen wir uns nicht groß aufhalten. Wir lassen uns zwei Versionen schicken und überlegen, was uns besser gefällt.

 

 

Dank eines ausgeklügelten Setups können Monakr alle Sounds der Platte live verwenden. // Foto: RanadebC

KEYS: Wie steht ihr zum Thema „Loudness-War“? Ist das ein Problem, das euch bekannt ist?
Saam:
Definitiv. Unsere Musik ist sehr dynamisch. Wir möchten sichergehen, dass wir keine Dance-Music machen. Wir wollen die Dynamik erhalten, auch nach dem Mastering. Das beste Beispiel ist „Goodbye Yellow Brick Road“ von Elton John. Er fängt an, Klavier zu spielen und dann kommt die Stelle, an der die Toms einsetzen. Sie klingen so unglaublich groß. Das würde heutzutage nicht mehr passieren, weil alles so komprimiert ist. Aber andererseits, denke ich, dass der Loudness-War einfach nur bezeichnend dafür ist, dass wir anders Musik konsumieren als unsere Eltern. Sie kauften Platten und setzen sich dann konzentriert hin, um sie anzuhören. Heute ist es nur noch Background-Musik. Musik muss also diesen konstanten Pegel haben, um sich durchzusetzen. Wir sind auf Facebook, während irgendwo im Hintergrund Musik spielt. Das ist leider der Musik-Konsum von heute.
Jonathan: Alles verändert sich jedoch sehr schnell momentan, und ich denke auch zum Besseren. Besonders in der elektronischen Musik. Die Dinge entwickeln sich wieder ein Stück weg von super laut und extrem limitiert. Musik darf heute schon wieder ein klein bisschen dynamischer sein. Ich persönlich mag lieber dynamisch gemischte Tracks als solche, bei denen alles tot komprimiert wird. Wir versuchen auch, bei Monakr mehr Dynamik in unserer Musik unterzubringen, als wir das vorher bei Hey Champ gemacht haben.

 

KEYS: Wie setzt ihr eure Songs live um? Wie bringt ihr all die elektronischen Sounds auf die Bühne?
Saam:
Das geht zu 100 Prozent auf das Konto von Dan. Einer der Gründe, warum wir ihn gefragt habe, ob er dabei sein möchte ist, dass er bei „Gemini Club“ schon viele solche Dinge gemacht hat. Er ist für das Gesamtkonzept verantwortlich. Grundlage unseres Live-Setups ist schon immer Ableton Live gewesen. Dan und ich spielen Synths und Basslines und Jonathan Drums. Dazu kommt dann natürlich noch der Gesang von Matthew.
Jonathan: Ich benutze live eine getriggerte akustische Kick und eine elektronische Kick. Dazu kommt eine getriggerte akustische Snare und ein elektronisches Pad für Clap-Sounds. Toms und Becken sind echt. Wir wollten die Toms unbedingt akustisch lassen. Es ist also eine Art Hybrid-Setup, aber ich spiele es wie ein akustisches Set. Es macht Spaß, es zu spielen.

 

KEYS: Benutzt ihr live Computer und sorgt ihr euch um Abstürze?
Saam:
Wir werden sehr nerdy, wenn es um das Keyboard-Setup geht. Wir haben zwei gespiegelte Setups, sodass im Notfall immer eines als Backup zur Verfügung steht. Dan nutzt als MIDI-Controller ein Push von Ableton. Ich habe ein Alesis-Drum-Pad und einen Novation-Launch-Controller. Wir haben ein Live-Rig mit zwei Mac-Minis, die parallel laufen. Auf jedem läuft eine Ableton-Session. Wir machen das Rig an und damit startet automatisch die Ableton-Session für unser Konzert. In unserem Live-Rig haben wir unsere Keyboards, das Launch-Pad und den Push untergebracht. Es gibt nur noch ein einziges USB-Kabel, das von meinem Rig zum Master-Rig geht. Ich habe noch ein Sustain-Pedal, aber das wars dann auch schon. Außerdem benutzen wir unsere iPhones als Controller. Es gibt eine kleine App. Auf dem Display erscheint die Ableton-Oberfläche, die wir somit kontrollieren können. Wir haben lange nach so einer App gesucht. Ich garantiere dir, dass niemand anderes diesen Trick hat.

 

 

Monakrs Debüt-EP „Calling Out“

 

KEYS: Wie wechselt ihr live eure Sounds?
Saam: 
Wir haben alle Soundwechsel in der Ableton-Session einprogrammiert. Es kann vorkommen, dass ich in einem Song fünf verschiedene Sounds benutze, und alles wird automatisch geschaltet, ohne dass ich mich darum kümmern müsste. 
Jonathan: Alle Sounds aus der Aufnahme verwenden wir in der Live-Show. Wir spielen zwar die Songs, wie sie sein sollen, aber es ist noch Raum da, um ein bisschen zu improvisieren. Wir wollen es gar nicht unbedingt genauso klingen lassen wie auf der Platte. 
Saam: Weil wir zu einem Click spielen, ist es auch ganz einfach möglich, Effekte in Real-Time zu verändern. Jedes Delay und jeder LFO bleibt ja im Tempo der aktuellen Session und lässt sich wunderbar mit dem Novation Launch Control steuern. 
Jonathan: Ich habe immer noch echte Becken und Toms, mit denen ich Dinge spontan verändern kann. Bei Kick und Snare hört man genau das, was auf der Aufnahme ist – den Kern des Sounds sozusagen. Mit den anderen Elementen kann ich einfach ein bisschen herumbasteln und variieren.

 

 

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 02/16.