Interview: Fynn Kliemann – Das Studio des Heimwerkerkings

Vor gut einem Jahr veröffentlichte Fynn Kliemann eine Anleitung zum Bau einer Steadycam auf seinem YouTube-Kanal. Weitere Videos folgten und die Abozahlen stiegen rasant. Doch auch musikalisch hat er einiges zu bieten.

Vor gut einem Jahr veröffentlichte Fynn Kliemann eine Anleitung zum Bau einer Steadycam auf seinem YouTube-Kanal. Weitere Videos folgten und die Abozahlen stiegen rasant. Doch auch musikalisch hat der er einiges zu bieten.

Eier-Verschenk-Automat, Mini-Ramp oder Gartenteich. Was Fynn braucht, das baut er. Dass er von den meisten Dingen anfangs wenig Ahnung hat, hält ihn nicht davon ab, sich auch schwierigen Aufgaben zu stellen. Das Endergebnis kann meist überzeugen, und so stellt sich der selbsternannte „Heimwerkerkönig“ immer neuen Herausforderungen. Am Ende jedes Videos fasst Fynn das Geschehene musikalisch zusammen. Auch hier macht er alles in Eigenregie. Er schreibt den Text, baut den Beat und mischt den Song. Alles Do-it-yourself eben. Jüngst baute sich Fynn ein eigenes kleines Recording-Studio. Wir haben mit ihm über den Bau seines Studios, Musik und seinen großen GoPro-Verschleiß gesprochen.

KEYS: Was hat dich denn dazu bewogen, deine Videos ins Internet zu stellen?
Fynn:
Eigentlich wollte ich Musikvideos filmen. Für diesen Zweck hab ich mir dann eine kostengünstige Steadycam gebastelt. Ich fand meine Idee dann so genial, dass ich mir dachte: „Ich lad das mal hoch und zeig das meinen ganzen Buddies.“ (lacht) Viele meiner Freunde sind Fotografen. Das Video war aber eigentlich eher als Gag gedacht. Ich hab den Clip dann bei YouTube hochgeladen und meinen Freunden geschickt. Die haben das dann fleißig geteilt. Ich bekam immer mehr Klicks auf das Video und hab beschlossen, einfach weiter zu machen. So hat das alles angefangen.

KEYS: Du wirst ja oft als Heimwerkerking bezeichnet …
Fynn:
Ich bin eigentlich überhaupt kein Heimwerker und kann das alles eigentlich gar nicht. Ich bastel mir halt ab und zu mal Sachen und damit verbinden mich halt jetzt manche Leute (lacht). Den Titel hab ich mir aus Versehen in der ersten Folge von „Kliemann bastelt“ gegeben.

KEYS: Streitwagen, Eier-Verschenk-Automat ... Woher nimmst du denn deine Ideen?
Fynn:
Eigentlich brauch ich immer irgendetwas. Die Steadycam für Musikvideos, eine eigene Mini-Ramp. Irgendwann hatte ich Lust auf einen Streitwagen und hab das dann mit Freunden einfach umgesetzt. Ich mache eigentlich immer das, worauf ich gerade Bock hab oder bastele etwas, wenn ich etwas Bestimmtes brauche.

KEYS: Deine Clips haben ja immer um die 15 Minuten Länge. Wie viel Videomaterial musst du denn dafür Aufnehmen?
Fynn:
Stunden, viele, viele Stunden. Bei 15 Minuten Video sind das ungefähr 15 Stunden Rohmaterial.

KEYS: Und wie lange brauchst du für den Schnitt?
Fynn:
Mittlerweile dauert es ziemlich lange. Am Anfang ging das noch megaschnell. Da hab ich immer so drei Stunden an den Clips gebastelt und dann noch mal zwei Stunden geschnitten. Früher habe ich weniger geschnitten, als ich an den Projekten gearbeitet habe. Mittlerweile schneide ich jeden Abend an meinen Videos. Pro Clip sind das dann ungefähr acht Tage Post-Produktion. Ich mach ja immer noch Mucke zu jedem Clip. Die muss ich dann auch noch schreiben. Inzwischen hocke ich jeden Tag mehrere Stunden an den Videos.

KEYS: Welche Kameras benutzt du für deine Videos?
Fynn:
Ich benutze ausschließlich GoPros. Eine reicht mir eigentlich aus. Die benutz ich dann so lange, bis sie kaputt geht, und dann hol ich mir wieder eine neue. Aktuell hab ich die GoPro HERO4 Session. Mittlerweile hab ich aber eigentlich schon alle Modelle durch (lacht). Ich hab mit den teureren GoPros angefangen, aber eigentlich reicht es mir, wenn man um die 2k filmen kann. Einfach hinstellen, Record drücken und fertig.

Fynn produziert die Musik für seine Videos selbst.

KEYS: Du scheinst ja einen ziemlich großen GoPro-Verschleiß zu haben …
Fynn:
Ich glaube das ist jetzt die fünfte oder sechste GoPro. Natürlich habe ich auch Cases für meine Cams, die ich aber nicht benutze. Das Problem ist, dass die Soundqualität mit Case ziemlich schlecht ist. Ich habe auch externe Mikros ausprobiert. Damit war ich dann aber auch nicht zufrieden. Leider kann man die Kamera aber ohne Case nicht auf ein Stativ schrauben. Deswegen stell ich sie immer irgendwo hin. Jeder Sturz ist ein Abenteuer (lacht).

KEYS: Du hast dir ja ein eigenes Studio gebaut. Das Herzstück ist dein Studiotisch. Auf was hast du bei der Planung besonderen Wert gelegt?
Fynn:
Wichtig war mir, dass mein Keyboard in den Auszug unter den Tisch passt. Ich hatte es leider zu spät bestellt und den Tisch schon gebaut, als es ankam. Es hat dann gerade so reingepasst. Ich musste aber auch noch was am Keyboard abhauen (lacht). Ich habe drauf geachtet, dass die Schubladenauszüge auf schwere Lasten ausgelegt sind, da das Keyboard ziemlich schwer ist. Wichtig war mir auch, dass der Tisch eine L-Form hat, um meine Synthesizer an der Seite unterzubringen. Mittlerweile hab ich den Tisch auch noch ergänzt. Hinter dem Microkorg steht jetzt noch ein Plattenspieler. Ich wollte auf jeden Fall mein ganzes Equipment unterbringen. Rechts hab ich Platz für mein Mikrofon gelassen. Das ist einfach die am besten isolierte Stelle im Raum. Auch auf die Sitzposition hab ich geachtet. Ein Freund von mir arbeitet in einem Tonstudio und kennt sich sehr gut mit Studiotechnik aus. Er hat den Raum mit einem Richtmikrofon grob vermessen, Defizite festgestellt und dann festgelegt, wo etwas stehen sollte. Einen Bauplan hatte ich aber nicht wirklich.

KEYS: Dafür ist das Studio aber ziemlich gut geworden.
Fynn:
Ich hab immer ziemlich viel Glück beim Bauen. Ich hab auch nichts ausgemessen. Ich bin echt froh, dass die Geräte in die Racks gepasst haben.

KEYS: Nutzt du Materialien, die du bereits zu Hause hast oder gehst du vor dem Bau auf Shopping-Tour in den Baumarkt?
Fynn:
Beides. Ich schau, bevor ich anfange immer, was ich an Materialien da hab. Meistens braucht man aber immer Dinge, die man nicht zu Hause hat. Bei diesem Projekt war es beispielsweise die Tischplatte. Die Tischbeine hab ich auch gekauft. Die waren dann aber viel zu hoch (lacht). Dann hab ich selber welche aus Holz, das ich noch im Garten hatte, gebastelt. Ich verbau eigentlich alles, was ich hab. Das inspiriert mich auch.

KEYS: Wie lange hast du denn für deinen Studio-Tisch gebraucht?
Fynn:
Das ging schnell. An einem Nachmittag war der Tisch fertig. War ja nur ein bisschen abschnippeln, einmal abschleifen, Beine drunter und diese Auszugsteile rein (lacht). Das war aber auch Glück. Wenn man das Ganze planen würde, bräuchte man schon sehr lange, um den Plan zu erstellen, zu zeichnen und die richtigen Teile zu kaufen. Ich nehm halt immer und schneid ab (lacht). Es ergibt sich auch immer viel, während man das macht.

Fynns Studio ist perfekt auf seine Bedürfnisse zugeschnitten.

KEYS: Und wann stand dann das komplette Studio?
Fynn:
Zwei Wochen hat das gedauert. Ich musste dann auch auf Stoff beziehungsweise Molto warten. Auch die Vermessung des Raumes hat etwas Zeit gekostet. Ich wusste aber schon ziemlich genau, was ich wollte. Der Bau der Absorber hat zwei Tage gedauert, der Tisch einen Nachmittag, die Basstraps zwei Tage mit Trocknen, und dann kam schließlich auch noch die Aufbauarbeit dazu.

KEYS: Um deine Monitorboxen zu entkoppeln, hast du eine Waschmaschinenunterlage verwendet. Wie kamst du auf die Idee?
Fynn:
Es ist halt einfach und funktioniert (lacht).

KEYS: Wie teuer war denn das ganze Projekt ohne Equipment?
Fynn:
So ganz genau weiß ich das auch nicht mehr. Die reinen Materialkosten waren ungefähr 250-300 Euro.

KEYS: Du produzierst für jedes deiner Videos auch die Musik selbst. Wie läuft so eine Produktion ab?
Fynn:
Bei den ersten Clips hab ich nur die Hintergrundmusik gemacht. Bei den neueren Sachen gibt es am Ende jedes Videos einen Song, der den Clip noch mal behandelt. Ich schreib den Text, bau einen Beat und mische den Song, so gut ich das halt kann. Ich setz ein paar Low- und High-Cuts und komprimiere ein bisschen. Seit einem halben Jahr arbeite ich mit Ableton. Das, was ich mir in der Zeit angeeignet hab, wende ich an. Ich recycle auch viele Dinge, die ich vor längerer Zeit gemacht hab. Ich hab hier viele Loops rumliegen, da ich eigentlich jeden Abend Musik zur Entspannung mache. Da entstehen dann viele Sachen. Natürlich ist da auch viel Schrott dabei, aber manches ist auch cool. Das arbeite ich dann aus. Die Songs am Ende der Videos sind ja auch nicht länger als 1:30 Minuten. Deswegen geht das recht schnell.

KEYS: Du hast vor Kurzem die 100.000-­Abonnenten-Marke geknackt. Als Dank an deine Zuschauer hast du einen Song nur aus Samples aus deiner Werkstatt produziert. Wie viel Zeit nahm das in Anspruch?
Fynn:
Das war etwas aufwendiger als die anderen Songs. Einen Nachmittag hab ich die ganzen Samples aufgenommen, einen Abend lang den Track zusammengebastelt und dann noch einen Abend ein paar Zeilen geschrieben. Noch einen Abend lang hab ich dann den Track eingesungen und arrangiert. Ein guter Kumpel hat dann die Session noch ein bisschen aufgeräumt.

KEYS: Du hast auch den ein oder anderen Hardware-Synthesizer rumstehen. Nutzt du eher Hardware- oder Software-Instrumente für deine Songs?
Fynn:
Angefangen hab ich eigentlich nur mit Hardware und akustischen Instrumenten. Ich finde Software eigentlich voll Scheiße (lacht). Ich hab früher zwölf Jahre lang Schlagzeug gespielt. Auch mal in Heavy-Metal-Bands. Das ist aber schon ewig her. Dann hatte ich mit einem Kumpel eine Akustik-Deutsch-Rock-Band. Da haben wir beide Gitarre gespielt. So sind wir dann auch durch Europa getourt – in einem umgebauten Caddy – und haben da Straßenmusik gemacht. Ein Album ist damals auch enstanden. Irgendwann hatte mein Kumpel dann keine Zeit mehr und ich hab dann angefangen, mir Equipment zu kaufen. Ein Piano und der Korg Microkorg waren die ersten Anschaffungen.


KEYS: Auf deinem Zweitkanal FimBim veröffentlichst du Songs von dir. Was ist dir wichtig beim Musikmachen?
Fynn:
Ich hab sehr viel Musik in Live-Sessions produziert. Ich mache viel mit einer Boss-RC505-Loopstation. Ich hab da ein Piano und die Maschine von Native Instruments angeschlossen und misch das dann auch immer live. Auch das Kaoss-Pad von Korg find ich super. Irgendwann wollte ich dann Sachen sauber arrangieren, und Ableton kam mir da sehr gelegen. Mein Ansatz ist relativ live. Deswegen geht das bei mir auch immer so schnell (lacht).

KEYS: Besonders live ist es wichtig, ein gutes Timing zu haben. Hattest du Instrumenten-Unterricht?
Fynn:
Ich hatte 10 Jahre Schlagzeugunterricht und war da auch in der Master Class meines alten Lehrers. Das war mir aber irgendwann zu langweilig, und ich hab begonnen, mir auch mal andere Instrumente anzuschauen.

KEYS: Welches Instrument magst du am liebsten?
Fynn:
Auf jeden Fall mein Piano. Ich mach zwar viel Hip Hop und auch härteres Zeug, aber wenn ich für mich spiele, bin ich eigentlich eher so der Softie. Ich spiel oft einfach nur Klavier und sing dann dazu.

KEYS: Die Musik in deinen Videos kommt ja ziemlich gut an. Anstatt zu singen, setzt du aber eher auf Sprechgesang. Wie kam es dazu?
Fynn:
Ich find es schön, dass meine Rap-Musik Leuten gefällt. Für mich ist das aber eher kratziger Sprechgesang auf unterstem Niveau (lacht). Es gibt halt Songs, auf die ich nicht so gut singen kann. Meine Stimme ist auch ziemlich einnehmend, weil sie super kratzig ist und ich auch nur ziemlich laut singen kann. Deswegen geht halt oft nur rappen. Das passt oft ganz gut. Ich hab eigentlich damit angefangen, das in den Videos zu benutzen, weil ich einfach gerne Musik mache. Außerdem bekommt man so auch keine Probleme mit der Gema.

KEYS: Also du planst jetzt kein Album oder so?
Fynn:
Also mit der Musik aus meinen Videos auf jeden Fall nicht. Es gibt derzeit verschiedene Angebote. Mal schauen, wenn ich da jetzt die Möglichkeit bekomme, was zu machen, mach ich was. Aber ein Album wird es erstmal nicht, das wäre auch viel zu anstrengend (lacht). Um etwas zu erschaffen, das man auch in 5 Jahren noch geil findet, muss man sich einfach auch super viel Zeit nehmen.

KEYS: Wir sind gespannt und danken dir vielmals für das Gespräch.

KEYS-Ausgabe 10/16 bestellen
Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 10/16.