Test: Softube Console 1 Mk II – Controller

Die vor allem für ihre exzellent klingenden Plug-ins bekannte schwedische Firma Softube stellte unlängst eine Neuauflage ihres Mischcontrollers Console 1 vor. Neben einem geringfügigen Facelift klingen vor allem der niedrigere Preis, die Integration von UAD-Plug-ins und die erweiterte Möglichkeit zur Steuerung der DAW interessant. Mehr als genug Gründe also, die neue Variante zu testen.

Softube Console 1 Mk II

Die vor allem für ihre exzellent klingenden Plug-ins bekannte schwedische Firma Softube stellte unlängst eine Neuauflage ihres Mischcontrollers Console 1 vor. Neben einem geringfügigen Facelift klingen vor allem der niedrigere Preis, die Integration von UAD-Plug-ins und die erweiterte Möglichkeit zur Steuerung der DAW interessant. Mehr als genug Gründe also, die neue Variante zu testen. 

 

Für all diejenigen, denen das Konzept von Conosle 1 noch nicht geläufig ist, haben wir hier zunächst einen groben Überblick zusammengestellt.

 

Konzept und Funktionsweise

Console 1 ist ein Hardware-Controller, der etwas größer als eine Computer-Tastatur ist, und die Steuerung von Plug-in-Parametern mithilfe von Drehknöpfen und Potis erlaubt. In der Praxis funktioniert das so, dass man in jedem Kanal des Projektes eine Instanz des mitgelieferten Console-1-Plug-ins lädt. Ab dann kann man über das sogenannte „Console On Screen Display“, das über der DAW schwebt, den gewünschten Kanal auswählen und mit den Potis der Console 1 bearbeiten. Im Lieferumfang von Console 1 befindet sich dabei bereits ein Channel-Strip, der eine „SSL 4000 E“-Konsole emuliert. Regelbar sind hier von Links nach Rechts:

 

• Input-Gain

• Low- und High-Cut

• Shape: Eine Kombination aus Gate und Transienten-Designer

• Equalizer mit vier Bändern

• Compressor

• Drive-Sektion, die das Über-steuern einer SSL bei hohen Pegeln simuliert
• Panorama
• Volume

 

Zusätzlich lässt sich die Phase drehen, die Reihenfolge der Module ändern und ein interner oder externer Sidechain für Gate oder Kompressor auswählen. Kurz gesagt: Man hat hier fast alle Parameter im direkten Zugriff, die man für eine Mischung braucht. Die SSL-Simulation ist übrigens derart überzeugend geglückt, dass SSL ihr seinen Segen gab und das ganze mit richtigem Namen benannt werden darf. Zusätzlich lassen sich im Fachhandel noch weitere Channel-Strips erwerben, etwa der einer „SSL XL 9000 K“- oder der „British Class A“-Konsole (wohinter sich vermutlich eine Neve-Emulation verbirgt). Auch weitere Plug-ins von Softube lassen sich steuern. So ist es beispielsweise problemlos möglich, den Kompressor des SSL-Channel-Strips durch einen FET-Kompressor aus dem Hause Softube zu ersetzen. Diese Beschränkung auf Softube-Plug-ins war einer der wenigen Kritikpunkte der alten Console 1.

 

UAD-Unterstützung

Und damit landen wir beim ersten Highlight der Neuauflage: Ab sofort werden auch UAD-Plug-ins unterstützt. Eine Liste auf der Softube-Homepage nennt derzeit bereits über 60 Stück. Darunter Klassiker wie die UAD-Emulationen von API, Pultec, Fairchild, Harrison, Summit Audio, Teletronix, Trident und Tube Tech. Weitere sollen laut Softube sukzessiv folgen. Das beste daran für UAD-User: Sie müssen rein gar nichts machen, um die neue Funktion zu nutzen. Sobald die aktuelle Console-1-Software installiert ist (diese ist auch weiterhin mit der ersten Version der Console 1 nutzbar), werden alle unterstützen UAD-Plug-ins erkannt und können sofort eingesetzt werden – ein aufwändiges Mapping entfällt. Dazu drückt man an der Console 1 beispielsweise auf Shift + EQ: Sofort erscheint auf dem On-Screen-Display einer Liste aller verfügbaren EQs. Mit einem Scroll-Rad lässt sich hier dann der gewünschte Equalizer aussuchen und laden. Da alle Plug-ins in Console 1 die gleiche grafische Oberfläche nutzen, fällt nicht auf, dass man im Augenblick ein UAD-Plug-in benutzt. Somit fügen sie sich nahtlos in den bekannten Workflow ein.

 

Softube Console 1 Mk II Top
Die Hardware der Console 1 bleibt abgesehen von geringfügigen Layout-Änderungen und helleren LEDs die Gleiche.

DAW-Features

Ein weiteres Highlight des Upgrades sind die erweiterten DAW-Bedienungsmöglichkeiten. Je nach verwendeter DAW können nun weitere Funktionen direkt aus Console 1 heraus gesteuert werden. Am weitesten fortgeschritten ist laut Softube die Integration von Presonus‘ Studio One und Cakewalks Sonar. Aus diesem Grund wurde dieser Test mit Studio One durchgeführt. Welches Feature mit welchem Sequenzer genau verfügbar ist, erläutert ein Schaubild auf der Softube-Webseite. Legt man ein Projekt in Studio One an und lädt eine oder mehrere Distanzen von Console 1, lässt sich im Setup-Menü festlegen, welche Features man nutzen möchte. Die nützlichsten und wichtigsten sind sicher die Funktionen „Use Track Name“ und „Use Track Number“. Damit wird sichergestellt, dass die in Studio One vergebenen Namen für die einzelnen Spuren im On-Screen-Display von Console 1 verwendet werden. Auf diese Weise ist es möglich, mit Console 1 zu Mischen und direkt von hier aus die Kanäle zu wählen und zu bearbeiten, ohne ständig in die DAW zurückkehren zu müssen. Genauso hilfreich ist die Option „Use Track Selektion“. Egal ob man nun in Studio One oder in Console 1 eine Spur anwählt, die Auswahl folgt im jeweils anderen Programm immer mit. Arbeitet man beispielsweise im Mixer von Studio One und wählt hier die Kick-Drum aus, kann nach einem Wechsel in das On-Screen-Display von Console 1 direkt an der Kick-Drum gearbeitet werden. Ein weiterer Pluspunkt ist die Funktion „Use DAW Control“. Ist diese aktiviert, steuern die Potis und Buttons für Volume, Mute und Solo die entsprechenden Parameter in Studio One statt der gleichen Funktion in Console 1. Außerdem lassen sich bei gedrückter Shift-Taste mit den Potis Drive, Character und Pan die ersten drei Send-Regler im Mischpult von Studio One steuern. Mithilfe dieser neuen Möglichkeiten ist es nun möglich, einen Mix fast komplett ohne Maus zu realisieren.  

 

Neuer Preis

Das Beste kommt wie immer zum Schluss: Durch höhere Produktionszahlen konnte Softube den Preis der Console 1 deutlich senken. Statt wie bisher 849 Euro kostet die neue MkII-Version nur noch 531 Euro (inklusive dem SSL Channel Strip). Die Hardware bleibt dabei fast gleich: Sie ist wie bisher extrem stabil und kommt in einer hochwertigen Ausführung aus Metall mit griffigen und angenehm schwergängigen Potis. Es gibt einige kleine Änderungen im Layout und die Leuchtkraft der LEDs ist nun besser. In der Praxis macht es einfach unglaublich Spaß, mit Console 1 zu mischen. Schon nach wenigen Stunden kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wieder alle Parameter-Änderungen mit der Maus vorzunehmen.

 

Fazit

Das nenne ich mal gelungene Produktpflege: Zahlreiche neue Features zur DAW-Steuerung, die Möglichkeit, UAD -Plug-ins zu kontrollieren, und das alles verbunden mit einer Preissenkung um 40 Prozent. Dazu kommt, dass das Konzept von Console 1 nach wie vor ohne ernsthafte Konkurrenz dasteht. Wer viel mischt und die Bedienung mit der Maus satt hat, sollte sich das Gerät deshalb spätestens jetzt genauer anschauen.

 

Softube Console 1 Mk II

Preis (UVP): 531 EUR
System: 
Win, Mac
VST2/3, AU, AAX native
Pro/Kontra: 
+ Konzept
+ Preissenkung
+ Sound des mitgelieferten Channel-Strips

 

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 05/17.