Test: Roland TB-03

Die 2014 in der Aira-Serie von Roland veröffentlichte TB-3 war ein erster Versuch, den Kult des Acid-Klassikers in Form einer digitalen Hardware-Emulation einzufangen. Mit der TB-03 legen die Japaner nun nach.

Die 2014 in der Aira-Serie von Roland veröffentlichte TB-3 war ein erster Versuch, den Kult des Acid-Klassikers in Form einer digitalen Hardware-Emulation einzufangen. Mit der TB-03 legen die Japaner nun nach.

Die Historie der von 1982-84 produzierten TB-303 ist legendär: Ursprünglich als Übungshilfe für Gitarristen gedacht, entwickelte sich dieser analoge Minimalsynthesizer mit Step-Sequencer vom Flop zum Kultobjekt der Acid- und Technobewegung. Das weckte natürlich Begehren, weshalb seit den Neunzigern immer wieder Nachbauten der TB-303 das Licht der Welt erblickten. Als Hersteller des Originals schien Roland die anhaltende Nachfrage konsequent zu ignorieren, bis man 2014 mit der weiterhin verfügbaren TB-3 eine eigene digitale Emulation der Bassline vorstellte, deren Haptik allerdings nur wenig an das Original erinnert. Mit der TB-03 aus der Boutique-Reihe gibt es nun ein zweites Modell, dessen Äußeres dem Klassiker deutlich näher ist und darüber hinaus etliche Funktionen ergänzt.

Hardware

Die Klangerzeugung ist nicht mehr analog, sondern setzt auf die hauseigene komponentenbasierte ACB-Modellierung, die bezüglich der Synthese-Engine vermutlich der TB-3 entspricht. Das aufklappbare, aus silbernem Stahlblech gefertigte und kompakte Gehäuse (31 x 13 x 5 cm) bietet die obligatorischen sechs Drehregler für Filterfrequenz, -resonanz, Hüllkurveneinflussnahme und Decay, Tonhöhe und Accent. Hinzu kommen Drehregler für die zusätzlichen Effekte Overdrive und Delay oder Hall, die es im Original nicht gab. Ein vierstelliges LC-Display nebst Endlosdrehregler sorgt für Übersicht bei der Programmierung. Mit dem Step-Sequencer erstellt man eigene Patterns mit bis zu 16 Schritten unter Einsatz der klassischen Pitch-, Time- und Step-Modi. Das Gerät speichert 96 Patterns (jedoch keine Sounds), die in bis zu sieben Tracks hintereinander angeordnet und abgespielt werden können. Neu ist ein alternativer Step-Recording-Modus, der deutlich einfacher als im Original zu bedienen ist. Zwei CV/Gate-Ausgänge und MIDI ermöglichen die Ansteuerung externer Klangerzeuger. Dazu lässt sich der Sequencer auch per Trigger-Eingang extern synchronisieren.

Audio-Interface

Bei Bedarf kann die TB-03 sogar als USB-Audio-Interface mit 24 Bit und den Abtastfrequenzen 44,1 und 96 kHz fungieren. Noten, Reglerwerte- und die Transportsteuerung können via MIDI und USB gesendet und empfangen werden, und man kann die TB-03 so per DAW automatisieren und synchronisieren. Leider hat die Stellung des Volume-Reglers keine Auswirkung auf die Lautstärke, wenn die TB-03 via USB mit dem Rechner verbunden ist, was bei internen Verzerrungen dazu führt, dass man hier nicht gegensteuern kann.

Die TB-03 kann via rückseitigem Micro-USB-Port mit Strom versorgt werden. Ein MIDI-Paar erlaubt das Ansteuern externer Klangerzeuger.

Praxis

Die TB-03 ist kompatibel mit dem optionalen Keyboard K-25 m – eine praktische Ergänzung für die Pattern-Programmierung. Die Stromversorgung erfolgt über USB-Power, ein entsprechendes USB-Netzteil oder vier AA-Batterien. Alle Audioanschlüsse sind als Miniklinke ausgeführt, was nicht unbedingt optimal ist. Vorhanden sind Stereo- und Kopfhörerausgänge sowie ein Aux-Eingang, der angeschlossene Signale an die Ausgänge durchreicht. Ein eingebauter Minilautsprecher ermöglicht den Betrieb auch ohne Audioanschluss – bei stark reduzierter Klangqualität. Die Programmierung der Sequenzen geht mit etwas Übung insbesondere im neuen Step-Modus flott von der Hand und bietet alle charakteristischen Möglichkeiten des Originals – vom Accent bis zum Slide. Dabei ermöglicht die TB-03 einen unterbrechungsfreien Wechsel zwischen Playback und Editiermodus.

Klang

Die Emulation des typischen TB-303-Sounds ist Roland authentisch gelungen. Wobei man nicht vergessen darf, dass die Originale durchaus deutlichen Schwankungen unterlagen. So drückt es treffend im Bass, insbesondere aber zwitschert und näselt das Filter bei aufgedrehter Resonanz ähnlich schön und unverkennbar wie im Original. Die Overdrive-, Hall- und Delayeffekte fügen dem gleichermaßen durch den Sequencer geprägten Klang jene Zutaten hinzu, die man immer wieder in Kombination mit dem Original hört.

Mitbewerber

Bis heute ist der Markt der TB-303 Nachbauten umkämpft. So tritt die TB-03 gegen die eigene TB-3 und die analogen Modelle TT-303 V2 von Cyclon Analogic, X0xb0x MK3 von Mode Machines und Bassline 3 von Acidlab an, die allesamt hervorragend klingen, aber ohne Effekte auskommen. Wer auf Software schwört, wird bei Phoscyon von D16 und der ABL3 von Audiorealism günstiger fündig, verzichtet aber auf die Haptik und Bühnentauglichkeit. Definitiv spielt Roland klanglich vorne mit und bietet dank integrierter Effekte einen handfesten Mehrwert.

Fazit

Wer auf der Suche nach originalgetreuem Acid-Sound ist, sollte sich die TB-03 definitiv anhören. Neben einer authentischen Emulation des Minimalsynthesizers punktet Rolands Boutique-Edition mit verbessertem Sequencer und passenden Effekten, die den Kultsound in etlichen Varianten bereitstellen. Der mögliche Mobilbetrieb und die Funktionalität als Audio-Interface runden das positive Bild ab und rechtfertigen den Preis von etwa 440 Euro.


Preis (UVP): 439 EUR
Pro/Kontra: 
+ hoher Spaßfaktor
+ kompaktes Format
+ integriertes USB-Audio-Interface via USB
- nur Miniklinken-Anschlüsse
Zum Hersteller: www.roland.com

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/17.