Test: Parawave Rapid – Software-Synthesizer

Der Software-Synthesizer Rapid von Parawave Audiodesign verspricht anhand seines Layer-Konzeptes einfaches, kreatives und schnelles Sound-Design. Ob das funktioniert, haben wir uns in diesem Test angesehen.

Parawave Audiodesign Rapid Synthesizer

Der Software-Synthesizer Rapid von Parawave Audiodesign verspricht anhand seines Layer-Konzeptes einfaches, kreatives und schnelles Sound-Design. Ob das funktioniert, haben wir uns in diesem Test angesehen.

Der Plug-in-Synthesizer Rapid nutzt zur Klangerzeugung Wavetables und Multisamples. Als Besonderheit können diese in acht Layern übereinander geschichtet werden. Jedes Layer offeriert dabei pro Stimme drei Oszillatoren, ein Multimodefilter, Verstärker, vier ADSR-Hüllkurven, ebensoviele LFOs und Parameter-Sequencer sowie einen Arpeggiator. Eine Effekteinheit und eine Modulationsmatrix runden die Möglichkeiten pro Layer ab.

Acht Schichten

Die acht Layer können über einen Mixer gepegelt werden, bevor das Signal über den Stereoausgang ausgegeben und dabei per Multiband-Kompressor nochmals geformt wird. Da Rapid multitimbral ausgelegt ist, kann jedes Layer auch über individuelle Bereiche der Klaviatur addressiert werden. Einzelausgänge vermisse ich bei diesem Konzept bislang ebenso wie Solotaster im Mischpult. Der im Internet einsehbare Updateplan des Herstellers verspricht allerdings künftig Abhilfe. Zusammenfassend besteht Rapid also aus acht eigenständigen, vollwertigen Synthesizern!

Benutzeroberfläche und Bedienung

Rapid weist eine zunächst gewöhnungsbedürftige Bedienoberfläche und Farbgebung auf (alternative Layouts sind geplant). Das Plug-in ist dabei grob in vier Hauptbereiche aufgeteilt: Oben befinden sich die Tabs der Layer. Neben Anzeigen für das gewählte Preset, die CPU-Last und die Stimmen finden sich hier Regler für die Lautstärke, für den Master-Compressor sowie drei Macro-Drehknöpfe, mit denen mehrere frei zuordenbare Parameter gleichzeitig verändert werden können. Die drei Oszillatoren erhalten mittig den größten Platz. Sie sind allesamt gleich aufgebaut. Die Wellenformen werden in einer zwei- oder dreidimensionalen Ansicht visualisiert. Sobald diese moduliert werden, fängt auch die Grafik an, sich entsprechend zu bewegen. Kreatives und schnelles Sound-Design wird durch den regelmäßigen Einsatz von Drag-and-drop unterstützt. So wird über Parametern, die als Modulationsquelle infrage kommen, ein Pluszeichen eingeblendet, das man einfach auf das Modulationsziel ziehen kann. Am Parameter selbst werden dann über blaue und rote Ringe die Intensität und der Verlauf solcher Modulationen visualisiert. Über die Modulationsmatrix im unteren Bereich der Bedienoberfläche lassen sich ergänzend die Stärke und Polarität der Modulationen justieren. Aufgrund ihrer Größe ist diese Matrix allerdings nicht komplett einsehbar und muss bei Bedarf gescrollt werden.


Von der Quelle zur Mündung

Mit über 250 Wavetables und über 190 Multisamples bietet Rapid viel Rohmaterial. Neben traditionellen Wellenformen finden sich auch etliche exotische Varianten, die ein vielseitiges Klangspektrum garantieren. Schade allerdings, dass man keine eigenen Wellenformen und Samples laden kann. Auch hier stellt der Hersteller ein Nachreichen dieser Funktion in Kürze in Aussicht. Mit über 20 Filtertypen lässt das Multimode-Filter keine Wünsche offen. Es verfügt über einen Effekt-Insert und kann anteilig zum Signal zugemischt werden. Neben verschiedenen Effekten kann hier zudem nochmals ein weiteres Filter mit 12-dB-Flankensteilheit in Reihe zugeschaltet werden. Die üppige Ausstattung an gut klingenden Effekten rundet den mittleren Teil der Benutzeroberfläche ab. Zwölf Effekte können über je sieben Insert-Slots in die Layer eingefügt und per Drag-and-drop frei positioniert werden. Überzeugt hat mich hier der Sidechain- und Trancegate-Effekt, der die typischen Ducking- und Gate-Effekte in Windeseile erzeugt. Bemerkenswert ist zudem auch die Möglichkeit, einen Klang an höhere Layer weitergeben zu können und dann als reinen Effekt zu nutzen.

Rapid Patch
Das Kernstück bilden die drei identisch aufgebauten Oszillatoren.

Modulationen und Spielhilfen

Unterhalb des Filters befindet sich die Visualisierung der Hüllkurven, LFOs, der Parameter-Sequencer und des Arpeggiators. Die Hüllkurven A und B sind dem Verstärker und Filter zugeordnet, können aber auch anderen Modulationszielen als Quelle dienen. Die Kurven der vier LFOs können aus zwei Wellenformen zusammengemischt werden. Spannend sind auch die vier Parameter-Sequencer, deren Layout und Bedienung an NI Massive erinnern. Sie bieten bis zu 32 Schritte und verschiedene Kurvenformen und erlauben so besonders vielfältige Modulationen. Der Arpeggiator macht besonders viel Spass. Er ist geradlinig bedienbar und bietet einfache Basisfunktionen. Da er monophon arbeitet, muss man für die Erzeugung von Dancebeats eigene Layer für Kick, Snare und Hi-Hat nutzen. Ergänzend gibt es die Möglichkeit, MIDI-Dateien zu importieren, die dann auch polyphon ausfallen dürfen.

Rapid Synthesizer Mixer
Über einen Mixer lassen sich die acht Layer mischen.

Wie klingt's?

Mit seinen über 650 Presets bedient Rapid vorrangig EDM-Sounds. Neben Bässen, Arpeggios, Leads, Pads, Effekten und weiteren Instrumenten zeigen die Presets anhand von Drumloops und ganzen Tracks, welche Möglichkeiten sich durch das Layering auftun. Unter den Multisamples finden sich Drumsounds, Vocalsamples, Pianos sowie Naturaufnahmen. Letztere fungieren dabei oft als Texturen und Flächen. Die Presets sind erstklassig programmiert, klingen klar und druckvoll und sollten auch gehobenen Ansprüchen genügen. Alle Wellenformen klingen sauber, aber teils auch etwas brav. Das ändert sich jedoch, wenn man die Insert-Effekte der Oszillatoren nutzt und die Wellenformen weiter aufmotzt – hier kann es dann auch richtig böse werden. Das Filter packt abhängig von der Flankensteilheit ordentlich zu und erlaubt damit schöne Sweeps. Wieder sorgt der nachgeschaltete Insert-Effekt für einen Mehrwert, etwa wenn man die Filterung explizit aggressiver gestalten möchte. Insbesondere das Xtreme-Lowpass-Filter, das im Bassbereich ordentlich Druck verleiht und bis in die Selbstoszillation reicht, hat mir sehr gefallen. Die Hüllkurven reagieren schnell und sauber und sind aufgrund regelbarer Übergangschakteristika (Slope) bestens für perkussive Klänge geeignet. Mit dem Parameter-Sequencer lassen sich schließlich spielerisch rhythmische Figuren programmieren, die durch die unterschiedlichen Decay-Formen noch interessanter gestaltet werden können. Etwas schade finde ich, dass sich die Presets zu deutlich auf den Dancebereich fokussieren. Denn die Wellenformen und Wavetables geben deutlich mehr her. Wer hier selbst Hand anlegt, findet in Rapid auch problemlos Vintageklänge und, unter Einsatz der vielfältigen Modulationsmöglichkeiten, komplexe Texturen, Flächen und Sequenzen, die durchaus in der Tradition eines Waldorf Microwave stehen.

Fazit

Das Debüt von Parawave Audiodesign liefert einen runden, positiven Eindruck, obwohl es noch einige Schwachstellen zu bemängeln gibt. Sieht man sich jedoch die Update-Pläne des Herstellers an, darf man sich auf eine gute Zukunft freuen.

Mir selbst hat die Arbeit mit den Layern und dem Arpeggiator viel Spaß bereitet. Rapid lädt zum Experimentieren ein und eignet sich gleichzeitig bestens, um zügig mehrspurige Ideen zu skizzieren. Konzept und Bedienung weisen teils Parallelen zu Massive und Serum (Xfer Records) auf. Funktional und preislich steht Rapid dabei ebenso gut wie seine Mitbewerber da, selbst wenn bislang der Sample-Import noch fehlt. Ein Antesten der Demoversion ist empfohlen!


Parawave Audiodesign Rapid Synthesizer

Preis (UVP): 
178 EUR (Rapid)
50 EUR (Sound Extensions)
System: 
Win, Mac
VST2, AU
Pro/Kontra: 

+ überzeugender Klang

+ große Wavetable- und Effektauswahl

+ intuitive Bedienung

+ flexible Modulatoren

Presets zu fokussiert auf Dancebereich

fehlende Einzelausgänge

KEYS-Ausgabe 06/17 bestellen
Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 06/17.