Test: Orchestral Tools Metropolis Ark 2

Metropolis Ark 2 von Orchestral Tools widmet sich in seiner aktuellen Veröffentlichung den leisen Tönen des Symphonieorchesters und beleuchtet damit den epischen Aspekt klassischer Musik aus einem ruhigeren Blickwinkel.

 

Neben dem umfassenden renommierten virtuellen Orchester Berlin Series findet man bei Orchestral Tools mit Metropolis Ark I und II eine Reihe von Librarys, deren Fokus auf besonderen Ausdrucksformen der Instrumente liegt und die sich bei Film- und Multimediakomponisten ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen. Der Hersteller fasst in Metropolis Ark einzelne Instrumentengruppen schon während der Aufnahme zusammen und gibt dem Nutzer damit ein effizientes Kompositionswerkzeug für schnelle und gleichzeitig lebendige Ergebnisse an die Hand – eine gewisse Nähe gibt es dabei zu den Mitbewerbern Project SAM Symphobia und Spitfire Audio Albion. Als klangliches Gegenstück zu den lauten, teils brachialen Klängen des ersten Teils hören wir in der Fortsetzung nun dunklere Töne, explizit sanftere Dynamikstufen und atmosphärische Klangwelten.

 

Übersicht

Die 110 GB Sampledateien beanspruchen verlustfrei komprimiert im kostenlosen Native Instruments Kontakt 5 Player (beziehungsweise der Kontakt-Vollversion) immer noch stattliche 54 GB. Mit 21 Sektionen aus Orchester, Chor, Perkussion und Tasteninstrumenten deckt Metropolis Ark 2 dabei klanglich eine große Bandbreite ab. Gleichzeitig liegt der Fokus klar auf den zarten und leisen Tönen, die den Anwender weniger durch trailerkompatible Druckwellen beeindrucken als ihn vielmehr durch filigrane und selten gehörte Details inspirieren. Dank der umfassenden Librarygröße erweckt man mit Metropolis Ark 2 über zahlreiche Spielweisen wie True-Legato, Staccato, Tremolo, Schweller und Effekte selbst komplexe Arrangements ganz ohne ergänzende Hilfsmittel facettenreich zum Leben. 

Durch die stufenlos regelbaren Mikrofonpositionen, die den hervorragenden Raumklang des Berliner Teldex Studios einfangen, lassen sich eigene Kompositionen in bester Qualität produzieren und völlig problemlos in professionellen 

Mischungen nutzen. Diesem hohen Anspruch wird auch das hauseigene Bedienkonzept Capsule gerecht. Metropolis Ark 2 reiht sich damit nahtlos in die Produktpalette von Orchestral Tools ein und zeigt sich gleichermaßen flexibel und benutzerfreundlich in der Anwendung – von der Verwaltung verschiedener Artikulationen bis hin zur individuellen Konfiguration.

 

Orchester

Im Orchester hören wir sanfte Streicher, Holz- und Blechbläser sowie ein Ensemble aus sechs Harfen. Die hohen Streicher bestehen aus je zwölf sich links und rechts gegenübersitzenden Violinen, je zur Hälfte mit Dämpfer (Con Sordino) und mit dem Bogen nah am Griffbrett (Sul Tasto) gespielt. So entsteht ein breiter, weicher, sich angenehm zurückhaltender Klang, der emotionale Melodien und samtweiche Flächen gleichermaßen gut umsetzt. Neu hinzu kommen die Mid Strings mit einem Ensemble aus zehn Violas rechts und acht Celli links sitzend. Dieses Bindeglied zwischen hohen Violinen und tiefen Low Strings eignet sich perfekt für große Melodien und bringt dazu eine gehörige Portion Wärme mit.

Bei den breit aufgestellten Low Strings umschließen je sechs Kontrabässe die acht mittig stehenden Celli. Dieses tiefe Fundament sorgt für ein ausgewogenes Stereobild und besitzt als einzige Gruppe ein breites und dumpfes Pizzicato.

Holz- und Blechbläser sind jeweils dreifach besetzt und bieten auffallend weiche und tiefe Klänge sowie angenehm unverbrauchte Klangfarben mit Alt- und Bassflöten, Bass- und Contrabassklarinetten im Holz sowie Flügelhörnern, Basstrompeten, Tubas und Euphonien im Blech – gerade hier offenbart sich eine wesentliche Stärke dieser Library, die zwar klassische, aber dennoch frische Klänge liefert. Das Harfenensemble überzeugt mich insbesondere mit seinen mystischen Klangteppichen seiner Tremolos sowie den gebrochenen Akkorden und Glissandi, während die dichten Sustains eher angenehm diffus als definiert im Ansatz tönen.

 

 

Die sechs Mikrofonpositionen lassen sich stufenlos mischen.

Chor

Höhepunkt neben dem Frauenchor im Sopran und tiefen Männern im Basso Profundo ist der Kinderchor mit geradezu magischem Charakter. In hohen Lagen klingen die Stimmen stets butterweich und erzeugen tatsächlich Gänsehaut pur. Gesungen wird stets auf dem Vokal Uuh – nur die kurzen Noten der Männer und Frauen bieten weitere Silben und schaffen über Round-Robin-Samples ein Gefühl von gesungenem Text.

 

Perkussion und Tasteninstrumente

Tiefe Booms, gestrichene Metal- oder spannungsreiche Waterphone-Effekte machen die Perkussion zum idealen Begleiter für atmosphärische Arrangements und unterstreichen die Tiefe und Räumlichkeit der Library. Für subtile Farbtupfer bei der Kombination von Klängen läßt sich zudem eine Auswahl bearbeiteter Effektklänge nutzen, die im punktuellen Einsatz nochmals für mehr Dichte im Bereich der tiefen Frequenzen sorgt. Bei den Tasteninstrumenten stechen neben den charaktervollen Klängen von Harmonium und der kleinen Positif-Orgel vor allem die Pianos hervor: Hier trifft ein Trio aus drei gleichzeitig gespielten Steinway-Flügeln mit Sustains, Staccato, Tremolo und in Quinten gespielten Akkorden auf ein warmes und dumpfes Solopiano mit weitem filmischen Charakter – eine Anlehnung an den begehrten Thomas-Newman-Sound. Die satt klingenden Staccatos zeigen das Instrument von einer neuen Seite.

 

Aufgenommen wurde in den Berliner Teldex Studios, deren Raumklang hinzugemischt werden kann.

Klangbeurteilung

Die Instrumente zeichnen sich durch besondere Wärme, aber auch durch ihre außergewöhnliche Klarheit aus. Das eingespielte Team versteht sich darauf, Charakter und Emotionen in hochwertiger Klangqualität einzufangen. Wie erwähnt ist Metropolis Ark 2 ein Spezialist für leise Töne. Entsprechend liegt das primäre Einsatzgebiet auch im ruhigeren musikalischen Kontext. So sollte man sich nicht daran stören, dass bei sehr leise gespielten Artikulationen in den Samples ein gewisses Grundrauschen der Scorig Stage vorhanden ist – und sich auf den gewollt niedrigeren Signalpegel als Teil des Konzeptes einlassen.

Die Samples sind allesamt sorgfältig geschnitten. Entsprechend setzen die Shorts direkt auf den Punkt ein, während das sanfte Anspielen bestimmter Artikulationen zu einem langsamen Einschwingen führt, das man in der DAW, falls gewünscht, entsprechend der Situation durch leichtes Vorziehen kompensieren kann – ganz wie es auch der Musiker selbst tut.

Fazit

Metropolis Ark 2 ergänzt das kraftvolle Orchester des ersten Teils mit einer üppigen, dynamisch völlig entgegengesetzten Palette durchweg glänzender und dazu inspirierender Klänge, die in den leisen Passagen der klassischen Instrumente für große Emotionen, Spannung und Lebendigkeit sorgen. Ein spezialisiertes Spitzenprodukt für professionelle Anwender aus dem Bereich der Filmmusik, dessen Preis mit knapp 600 Euro zwar nicht ganz günstig, aber gemessen am Klang und Umfang durchaus berechtigt ist, und zudem keinen Vergleich mit den Mitbewerbern scheuen braucht. Volltreffer!


Orchestral Tools Metropolis Ark 2

Preis (UVP): 713 EUR
Pro/Kontra: 
+ hervorragender Klang
+ große Bandbreite an leisen Artikulationen
+ unverbrauchte, inspirierende Klänge
- gelegentliche Nebengeräusche
Zum Hersteller: www.orchestraltools.com

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/17.