Test: Elektron Analog Heat

Die schwedische Firma Elektron wärmt die Herzen der Fans von analogen Verzerrungen. Mit Analog Heat lassen sich Klänge mit subtiler Färbung bis hin zu ultrabrutaler Distortion anreichern.

 

Wie der Name vermuten lässt, steckt in dem 215 x 184 x 64 mm großen und 1,5 kg schweren Metallgehäuse ein kompletter analoger Verzerrerschaltkreis. Dieser wird um ein Analogfilter und eine Modulationseinheit komplettiert – alles in Stereo. Auf der Rückseite findet man von links nach rechts den Einschalter, den Anschluss für das externe Netzteil, eine USB-Buchse, ein MIDI-Trio, zwei 6,3-mm-Klinkeneingänge für externe Controller, je zwei Klinken-Ein- und -Ausgänge sowie eine Kopfhörerbuchse. Die Ein- und Ausgänge können mit symmetrischen und unsymetrischen Kabeln betrieben werden und liefern dabei einen Maximalpegel von +22 dBu. Der Kopfhörerverstärker ist mit einer Impedanz von 55 Ohm in der Lage, auch leisere Exemplare ausreichend zu versorgen. Die MIDI-Buchsen bieten neben der standardmäßigen Belegung die Möglichkeit, den Out- und Thru-Ausgang für das DIN-Sync-Protokoll mit 24/48 ppq zu nutzen. An den beiden Steuereingängen lassen sich Expression-Pedale, Fußschalter sowie typische Steuerspannungen (uni- und bipolar) verwenden, um eine ganze Reihe geräteinterner Parametern anzusteuern.

 

Saturation, Boost, Overdrive, Distortion, Fuzz

Über einen großen Drehregler wählt man zwischen acht Verzerrschaltkreisen, die in der Signalkette an erster Stelle liegen. Dabei liefern die ersten zwei Schaltkreise dezentere Ergebnisse in Form von Boost- und Sättigungseffekten. Dreht man den Regler weiter nach rechts, nimmt die Verzerrung immer weiter zu, bis hin zu Fuzz- und High-Gain-Effekten. Unterhalb dieser Sektion liegen drei weitere Regler, mit denen sich die Verzerrung, der Effektpegel sowie das Verhältnis von verzerrtem und unbearbeitetem Signal justieren lässt. In der ersten Hälfte der Benutzeroberfläche finden sich ein Regler für die Masterlautstärke, ein Bypasstaster sowie vier weitere Taster, die dem Aufruf der zusätzlichen Abteilungen Amp, Filter/EQ, Hüllkurve und LFO dienen. Die entsprechenden Parameter erscheinen dann im zentralen LC-Display (132 x 32 Pixel), das leider bei Winkeln über 45 Grad nicht mehr ablesbar ist.

Über vier darunterliegende Endlosdrehregler werden die Parameter eingestellt. Die Encoder ermöglichen dabei feine Einstellungen, bieten aber auch eine Druckfunktion, mit der sich größere Werteänderungen schnell realisieren lassen. Bis auf die Amp-Sektion bieten alle Abteilungen je zwei umschaltbare Parameterseiten. Ansonsten gibt es keine Mehrfachbelegungen der Bedienungselemente, sodass man Analog Heat nach kurzer Zeit zielgerichtet und zügig bedienen kann. 

Alle Reglereinstellungen mit Ausnahme der Ausgangslautstärke lassen sich in 128 Presets speichern. Diese kann man per Endlosregler durchblättern und mittels Druckfunktion laden und speichern. Lediglich die Benennung eines Presets ist dabei ein wenig fummelig.

Analog Heat stellt dem Nutzer acht Zerrmodi zur Verfügung.

Filter und EQ

Doch damit nicht genug: Analog Heat birgt auch ein stereophones, analoges Multimodefilter, um dem Signal zu Leibe rücken. Über zwei Drucktaster lässt sich zwischen zwei Tiefpass-, zwei Hochpass- sowie je einer Bandpass-, Notch- und Peakvariante wählen oder bei Bedarf das Filter überbrücken. Für die Filterfrequenz und Resonanz stehen eigene Drehregler bereit. Ergänzend steht ein 2-Band-EQ mit eigenen Reglern zur Verfügung, mit dem sich der Klang der Verzerrung und des Filters weiter abstimmen lässt. Der Parameter Dirt, der das Filter verzerrt, und Frequency-Pan, der frequenzabhängiges Panning ermöglicht, besitzen keinen eigenen Regler in der Filtersektion, können aber über die Encoder unterhalb des Displays eingestellt werden.

Modulationen

Da sich Analog Heat gleichermaßen als Distortion- und Filtereinheit versteht, darf auch eine Modulationsabteilung nicht fehlen. An Bord befindet sich ein Hüllkurvenfolger, der aus der Amplitude des anliegenden Signals eine Steuerspannung generiert. Dabei lässt sich dank regelbarem Grenzpegel, Attack- und Releasezeiten sowie unterschiedlichen Betriebsarten ein flexibel anpassbares Modulationssignal erzeugen, mit dem das Filter oder zwei andere Parameter adressiert werden können. Clever ist die Bandpassfunktion, mit der sich der Hüllkurvenfolger auf bestimmte Frequenzbereiche beschränken lässt. So lassen sich etwa in einem Drumloop einzelne Instrumente zur Steuerung der Hüllkurve nutzen.

Für zyklische Modulationen steht im Analog Heat ein LFO zur Verfügung, der mit sieben Wellenformen von Sinus bis hin zum Zufallsausgang flexibel ausfällt. Er ist über MIDI synchronisierbar und kann zudem auch per Triggersignal durch den Hüllkurvenfolger ausgelöst werden. Dabei lässt sich sogar einstellen, ob der LFO bei eingehendem Trigger jeweils neu startet, an der aktuellen Stelle bis zum nächsten Trigger verweilt, nach einmaligem Durchfahren der Schwingungsform anhält oder nach der Hälfte des Durchlaufs stoppt. Wie die Hüllkurve ist der LFO mit variabler Intensität stets fest auf die Filterfrequenz geroutet, kann aber ebenfalls zwei weitere wählbare Parameter modulieren. Der Frequenzbereich reicht bis 2 kHz und kann auch für klanglich verfremdende Modulationen im Hörbereich (FM/AM) verwendet werden.

Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich USB-Anschluss, MIDI-Trio sowie diverse Klinken-Ein- und -Ausgänge.


Praxis

Die Klangpalette von Analog Heat reicht von subtiler Sättigung der Signale bis hin zu brachialer Verzerrung. Dabei sind die eingesetzten Schaltungen durchaus auf einem Niveau mit guten Gitarrenpedalen, weshalb Elektron inzwischen mit dem Analog Drive auch eine einkanalige Pedalversion der Verzerrersektion anbietet. Der Klangcharakter profitiert von den analogen Schaltkreisen und ist selbst bei hoher Verzerrung nie kratzig oder unnatürlich. Dass Elektron gut klingende Analogfilter bauen kann, hat der Hersteller bereits in seinen Synthesizern und dem Analog Rhythm bewiesen. Tatsächlich steht das stereophone Multimode-Filter gleichwertig neben der Verzerrersektion und belegt bereits allein mit seinem flexiblen vollauf überzeugenden Klang und voller Speicherbarkeit eine Marktnische, die aktuell nur noch vom Jomox Moonwind besiedelt wird.

Analog Heat liefert durchweg hervorragende Ergebnisse, auch wenn man hier und da Vorsicht walten lassen sollte, da teils kleinste Reglerbewegungen große Veränderungen zur Folge haben können. Die Interaktion von Verzerrung, Filter und EQ sorgt für einzigartige Klänge, die in dieser Qualität und Wärme durch Plug-ins kaum erzielbar sind. Gleichzeitig sorgen die flexiblen Modulationsmöglichkeiten sowie die DAW-Integration (siehe Kasten) für weitreichend steuer- und automatisierbare Klanganimationen. Selbst das gezielte Verbiegen einzelner Instrumente in komplexen Audiosignalen ist dank der durchdachten Parameterausstattung möglich. Da Analog Heat über dedizierte Regler zur Steuerung nahezu aller Parameter verfügt, bietet die Bedienung einen hohen Spaßfaktor und ist durch den unmittelbaren Zugriff auch bestens für den Livebetrieb prädestiniert. 

Fazit

Elektron stößt mit Analog Heat in eine Marktnische. Analoge und speicherbare Verzerrer sind ausgesprochen selten zu finden, erst recht in Stereo. Dabei sind die erzielbaren Klangergebnisse ausgesprochen überzeugend, interessant und vielseitig. Mit einem Preis von knapp 800 Euro ist Analog Heat gewiss kein Schnäppchen, rechtfertigt seinen Preis aber durch den großen Funktionsumfang und die unkomplizierte Bedienoberfläche mit etlichen Reglern. Die Verarbeitung des Geräts ist erstklassig und die DAW-Integration via Overbridge in diesem Bereich einzigartig. Mit der Software ist Elektron ein großer Wurf gelungen, da man damit das Gerät nahtlos in die eigene Arbeitsumgebung einbauen und außerdem noch ohne Kabelsalat mit dem Rechner verbinden kann. Somit ist Analog Heat eben nicht nur eine erstklassige Hardware, sondern auch noch ein besonders edles Plug-in.


Elektron Analog Heat

Preis (UVP): 799 EUR
Pro/Kontra:
+
guter Klang der Verzerrersektionen
+ erstklassiges analoges Filter
+ DAW-Einbindung via Overbridge
- Display bei bestimmten Winkeln nicht gut lesbar
- keine Unterstützung des AAX-Protokolls
Zum Hersteller: www.elektron.se

Overbridge

Overbridge kann für Mac- und Windows-Rechner kostenlos auf der Hersteller-Webseite heruntergeladen werden. Die Software stellt eine bidirektionale Audio- und Steuerverbindung zwischen DAW und der Hardware her, die fortan als VST- und AU-Plug-in direkt im Sequencer arbeiten kann (mangels AAX-Support bleiben Pro-Tools-Anwender bislang außen vor). Analog Heat kommuniziert dabei über Overbridge auf zwei 24-Bit-Kanälen mit bis zu 48 kHz über USB 2 mit dem Rechner – eine gesonderte Verkabelung ist also nicht notwendig. Die Steuerung erfolgt über eine grafische Benutzeroberfläche, die alle am Gerät vorgenommenen Einstellungen widerspiegelt. Das funktioniert in beide Richtungen, denn auch in der Software gemachte Änderungen werden in Echtzeit an das Gerät gesendet. Weiter lassen sich in der DAW üppige 34 Parameter automatisieren, was den Funktionsumfang nochmals deutlich erhöht.

Zusätzlich bietet Overbridge den Mehrwert, dass die Filter-, Hüllkurvenkurvenfolger- und LFO-Kurven visualisiert werden, was die Übersicht deutlich erhöht. Per Rechtsklick auf einzelne Bedienelemente lassen sich hier zudem die erwähnten CV-Quellen, externen Controller und Modulationsverknüpfungen besonders effizient zuweisen.

Sämtliche so vorgenommenen Einstellungen werden direkt mit dem DAW-Projekt gespeichert, ohne dass man hierfür Presets am Gerät bemühen müsste. Natürlich arbeitet Analog Heat über Overbridge auch in Kombination mit weiteren kompatiblen Elektron-Geräten. Ein weiteres Schmankerl: Analog Heat lässt sich mit der Software auch als MS-Plug-in betreiben. Hier lassen sich bei Bedarf nur der Seiten- oder Mittenkanal einzeln bearbeiten.

Für die Nutzung von Overbridge ist eine Puffergröße von mindestens 512 Samples oder weniger für das Audio-Interface einzuhalten, was für den Fall, dass man viele zusätzliche virtuelle Instrumente und andere rechenintensive Plug-ins verwenden möchte, ein leistungsfähiges System voraussetzt.



Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/17.