Das nervt, wenn man den „perfekten“ Mix einfach nicht hinbekommt!

Es ist wirklich zum Haare raufen. Jetzt mache ich schon seit so vielen Jahren Musik und scheitere immer noch an den so wichtigen Finalisierungsprozessen, dem Mixing und Mastering. Und statt, dass ich mir eingestehe, dass ich eben einfach nicht mischen kann, versuche und scheitere ich immer und immer wieder aufs Neue.

Aktuell stelle ich gerade verschiedene Titel für eine geplante Album-Veröffentlichung zusammen. Die Songs sind allesamt in unterschiedlichen Schaffens-Epochen und entsprechend mit verschiedenster Hardware entstanden. Von Songs, die noch auf dem Atari ST arrangiert und per Billigmixer gemischt wurden, bis hin zu Titeln in modernen DAWs mit professionellem Outboard-Equipment ist so ziemlich alles dabei, was man sich vorstellen kann. Und so klingen sie natürlich auch. Mein Anspruch ist es nun, diese Songs wenigstens einigermaßen homogen abzumischen, sodass die Brüche beim Hören nachher nicht allzu hart werden. Tatsächlich aber scheitere ich schon an der simplen Aufgabe, alle Songs auf ein einheitliches Lautstärkeniveau zu heben. Zugegeben: Die Ausgangssituation ist auch nicht gerade optimal. Während ich die neueren Stücke natürlich komplett neu mit modernen Bordmitteln abmischen kann, liegt mir von den alten Tracks zum Teil nur ein dumpfes MP3-File ohne Einzelspuren vor. Diese Stücke werden niemals gleich klingen – das ist mir klar. Aber jedes Mal, wenn ich denke, dass ich den optimalen Sound für einen der Titel erreicht habe, muss ich beim nächsten feststellen, dass er im Vergleich eben doch nicht laut oder klar genug klingt.

„Fix it in the Mix“ rächt sich jetzt

Mischen und Mastern war für mich schon seit jeher ein Buch mit sieben Siegeln. Auch wenn ich jeden (und damit meine ich wirklich jeden) Mixing-Workshop in KEYS und anderen Zeitschriften und Büchern gelesen habe, hat es mich am Ende doch nur theoretisch weitergebracht. In der Theo­rie weiß ich auch ganz genau, was ich tun muss und welche Plug-ins beziehungsweise welches Equipment ich für welches Ziel einsetzen muss. Auch lege ich mir passende Referenzstücke zurecht, deren Resultate ich in der Praxis aber quasi niemals erreiche. Dazu kam dann mit der Zeit eine natürliche Frustration vor diesen Arbeitsschritten, was dazu führte, dass ich die Songs selten wirklich zu Ende bearbeitet habe. In meiner Verzweiflung habe ich mir sogar die so viel gelobte „Allround-Waffe“ in Sachen Mixing, EZMix von Toontrack, zugelegt. Eine wirklich schöne Software, die mit ihrer breiten Palette an Brot-und-Butter-Effekten und durch das geschickte Verpacken in einfache Presets das Veredeln von Songs deutlich vereinfacht. Ich hatte meine ganzen Hoffnungen jedoch hauptsächlich auf die Mastering-Abteilung des Plug-ins gelegt. Meine naive Vorstellung war folgende: Wenn ich bei jedem der Songs die gleichen Mastering-Presets benutze, müssten sie im Ergebnis doch eigentlich auch gleich klingen! Aber weit gefehlt. Was für den einen Song passt, führt beim nächsten zu Verzerrungen, Frequenzmatsch oder anderen dramatischen Fehlschlägen.

Das Ende vom Lied

Ich bin es jetzt leid. Es gibt für mich nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder ich lasse die Songs einfach so, wie sie sind, oder ich hole mir professionelle Hilfe. Auch wenn ich mir dann endgültig eingestehen muss, dass ich für diesen Teil der Musikproduktion einfach kein Händchen habe … Letzteres scheint mir am Ende doch wesentlich sinnvoller.

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Der Autor

Sascha Beckmann ist studierter Journalist und arbeitet als freier Redakteur und Autor. Neben dem Schreiben für Magazine und Unternehmen ist er immer wieder auch als Musiker und Komponist in verschiedenen Projekten tätig. Bei seiner Arbeit für KEYS kann er beide Leidenschaften perfekt miteinander verbinden.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/17.