Das nervt!!! Partys und der Fluch des Streamings

Dank Smartphones und Musik-Streaming-Diensten hat man seine Musik praktisch überall und jederzeit mit dabei. Eine wirklich feine Sache. Zumindest so lange, bis auf der nächsten Feier irgendjemand nach einem Klinkenkabel fragt, um sein Handy an die Stereo-Anlage anschließen zu können.

Vor einiger Zeit habe ich meine Musik-Bibliothek auf einen Streaming-Dienst umgestellt. Ich hatte an dieser Stelle ja auch darüber berichtet. Und was soll ich sagen? Ja, der Zugriff auf einen nahezu unbegrenzten Musikvorrat hat definitiv seinen Reiz. Oft entdecke ich geniale neue Künstler, von deren Existenz ich vermutlich ohne Spotify, Groove und Co. nie erfahren hätte. Auch das Basteln von Playlists zu bestimmten Anlässen oder musikalischen Themen ist bei solchen Diensten ein Kinderspiel. Aber ein wahrer Segen ist es doch, dass man seine Musik immer und überall hin mitnehmen kann. Segen, aber auch Fluch, wie ich neulich wieder feststellen musste.


Vorbereitung ist die halbe Miete

Da die Geburtstage von meinem Bruder und mir nur wenige Tage auseinander liegen, hatten wir dieses Jahr zu einer kleinen Gartenparty Freunde und Familie eingeladen. Motto der Feier: 80er-Jahre, und zwar das volle Programm: Buffet aus den Achtzigern (vom Mettigel bis zu den Käsespießen), Dresscode (Stirnband, Stulpen, Nietengürtel) und natürlich 80er-Jahre-Musik. Dafür hatten wir schon Tage vorher eine entsprechende Playlist zusammengestellt und dabei immer peinlichst genau recherchiert, ob der Song auch wirklich in den 1980er-Jahren erschienen ist. Den ganzen Abend lief die Playlist dann rauf und runter, bis irgendwann einer der Partygäste mit einem speziellen Musikwunsch zu mir kam. Kein Problem. Suchfunktion bemüht und den gewünschten Song zur Wiedergabeliste hinzugefügt. Kurze Zeit darauf kommt wieder jemand und fragt, ob denn auch dieser oder jener Künstler aus den Achtzigern noch gespielt würde. Und ob er nicht mal sein Smartphone irgendwo anschließen könne, denn er hätte ja so eine tolle 80er-Jahre-Playlist auf Spotify gefunden. Äh, nein! Ich setze mich doch nicht stundenlang hin und mache mir Gedanken zu Titelauswahl, Reihenfolge et cetera, nur damit dann am Ende irgendjemand mit seinem Handy seine eigene Mucke macht!


Meine Damen und Herren, heute Abend sinkt für Sie … die Hemmschwelle!

Überhaupt hat sich das auf Partys zu einer echten Unart entwickelt. Wo man früher noch höflich seine mitgebrachte CD beim DJ zum Abspielen anpries, wird die Musik heute einfach mal eben selbst geändert. Es muss bloß irgendwo ein Tablet mit Spotify herumliegen oder das Notebook mit geöffneter Deezer-Seite. Und schon kann man quasi die Uhr danach stellen, bis irgendjemand anfängt, darin herumzupfuschen. Tatsächlich konnte ich das Phänomen sogar schon auf Hochzeiten beobachten, wo sich der eigens für die Musik gebuchte DJ wegen des zunehmenden Ansturms auf seinen Laptop irgendwann einfach seinem Schicksal ergab, die Leute gewähren ließ und sich ganz fürchterlich betrank.
Gut, wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin: Ich habe mich vielleicht auch schon ein oder zweimal in eine fremde Musiksammlung eingemischt, denn es hat ja durchaus seinen Reiz. Warum sollte man nicht mal eben seinen Lieblingssong in die Playlist schieben, wenn die Sachen doch so schön offen auf dem Tisch oder der Theke stehen? Aber alles bitteschön in einem gesunden Maß. Und immer nur dann, wenn es offensichtlich gewünscht oder wenigstens geduldet wird.

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Der Autor

Sascha Beckmann ist studierter Journalist und arbeitet als freier Redakteur und Autor. Neben dem Schreiben für Magazine und Unternehmen ist er immer wieder auch als Musiker und Komponist in verschiedenen Projekten tätig. Bei seiner Arbeit für KEYS kann er beide Leidenschaften perfekt miteinander verbinden.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 12/16.