Das nervt, wenn sich der Hardware-Verkauf als Fehler erweist!

Manchmal schlummern über viele Jahre hinweg eigentlich richtig gute, fast fertige Songs auf der Festplatte und bei jedem erneuten Hören fällt einem auf, wie viel Potenzial dieser Track auch heute noch hätte, würde man nur hier und da ein paar Kleinigkeiten verbessern. Kommt man dann aber auf die wahnwitzige Idee, das alte Projekt noch einmal zu öffnen, stellt man schockiert fest, dass man die Instrumente ja gar nicht mehr hat!

Manchmal schlummern über viele Jahre hinweg eigentlich richtig gute, fast fertige Songs auf der Festplatte und bei jedem erneuten Hören fällt einem auf, wie viel Potenzial dieser Track auch heute noch hätte, würde man nur hier und da ein paar Kleinigkeiten verbessern. Kommt man dann aber auf die wahnwitzige Idee, das alte Projekt noch einmal zu öffnen, stellt man schockiert fest, dass man die Instrumente ja gar nicht mehr hat!

Bei uns gibt es eine ganze Reihe solcher Songs, wovon die meisten noch aus den späten 90ern stammen. Damals spielte externe Hardware und vor allem Klangerzeuger noch eine zentrale Rolle. Die DAW war eher Mittel zum Zweck als echtes Kreativwerkzeug. Und mittendrin mein ganzer Stolz: ein Akai S2000 Sampler. Lange musste ich mir die 1900 DM zusammensparen, aber am Ende hat es sich gelohnt. Der Akai war ein echtes Arbeitstier: von Vocals über Drumloops bis hin zu Leadsounds und Effekten konnte das Ding praktisch alles, was mit damaligen Computern entweder gar nicht oder nur deutlich komplizierter und teurer zu bewerkstelligen gewesen wäre. Einziger Nachteil (aus heutiger Sicht) war, dass alle Dateien auf 3,5-Zoll-Disketten gespeichert werden mussten. Ein externes Zip-Laufwerk oder gar eine Festplatte für den Sampler waren damals noch richtig teuer und überstiegen definitiv mein Budget.

Kurzsichtige Entscheidungen

Vor rund acht Jahren habe ich das gute Stück dann verkauft. „Wer braucht schon heute noch einen externen Sampler?“, dachte ich. Und jetzt stehe ich hier mit meinen Akai-Disketten in der Hand, auf denen alle Samples der damaligen Songs gespeichert sind.
Zu allem Übel benutzt Akai seit jeher ein ganz eigenes Format, mit dem herkömmliche Computer nicht so wirklich viel anfangen können. Nichtsdestotrotz gab es früher ein kleines Tool namens Akaidisk, das Disketten in diesem speziellen Format lesen und bearbeiten konnte. Damit müsste ich die Sachen ja wohl auch per PC auslesen und umwandeln können. Blöderweise verweigert mir Windows 10 aber die Ausführung. Auch diverse Versuche im Kompatibilitätsmodus ringen meinem PC nur die nüchterne Meldung ab: „Diese App kann auf dem PC nicht ausgeführt werden.“ Aber so schnell gebe ich nicht auf. Auf dem Dachboden steht noch ein etwas älterer PC mit Windows XP. Und siehe da, Akaidisk startet auf Anhieb! Theoretisch sollte jetzt also alles klappen. Zumindest dann, wenn man ein Diskettenlaufwerk hätte. Habe ich aber natürlich nicht mehr.
Also bestelle ich mir postwendend für einen guten Zehner ein USB-Floppy-Drive. Ja, ja, ich kann förmlich spüren, wie einige von euch gerade die Augen verdrehen. Wer kann denn bitteschön ahnen, dass man mit USB-Laufwerken keine Akai-Disketten auslesen kann? Also recherchiere ich in diversen Foren, welche internen Laufwerke am besten mit dem Akai-Format zurechtkommen und überlege, wo ich bei meinem futuristischen PC-Mainboard überhaupt noch ein 36-poliges FDD-Kabel anschließen kann.

Der Geistesblitz

Nachdem ich gefühlte drei Tage am Stück recherchiert und gebastelt hatte, ohne auch nur ein einziges Sample aus einem der alten Projekte zu hören, kommt mir endlich die späte Erleuchtung: Wer könnte wohl besser Akai-Disketten lesen als der Akai selbst? Gerade dudelt im Hintergrund mein „neuer“ S2000 eines der alten Stücke vor sich hin. Willkommen zurück! Schön, dass du wieder da bist. Ja, manche Dinge muss man sich offenbar zweimal im Leben kaufen.


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Der Autor

Sascha Beckmann ist studierter Journalist und arbeitet als freier Redakteur und Autor. Neben dem Schreiben für Magazine und Unternehmen ist er immer wieder auch als Musiker und Komponist in verschiedenen Projekten tätig. Bei seiner Arbeit für KEYS kann er beide Leidenschaften perfekt miteinander verbinden.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 09/16.