Das nervt, wenn das Betriebssystem das Musikmachen erschwert!

Irgendwie beschleicht mich so langsam das Gefühl, dass ich mehr mit Administration und Fehlerbehebung beschäftigt bin, als dass ich tatsächlich Musik mache. Und wem verdanke ich das? Mal wieder Windows. Jetzt bin ich es leid.

Irgendwie beschleicht mich so langsam das Gefühl, dass ich mehr mit Administration und Fehlerbehebung beschäftigt bin, als dass ich tatsächlich Musik mache. Und wem verdanke ich das? Mal wieder Windows. Jetzt bin ich es leid.

Aber von Anfang an … Vor ein paar Monaten habe ich mir einen neuen PC gekauft und darauf das neue Windows 10 installiert. Über die Odyssee bis dahin hatte ich ja bereits berichtet. Seit ein paar Wochen habe ich nun das Gefühl, dass mein PC spürbar träger reagiert. Die DAWs brauchen länger, bis sie startklar sind und sogar Audioaussetzer musste ich schon verzeichnen. Das kann echt nicht wahr sein! Ich habe hier ein wirklich gutes System mit schneller SSD-Platte, ordentlich Speicher und rasend schneller CPU. Also habe ich zunächst mal die Treiber für das Audio-Interface ausgetauscht – mit minimalen Verbesserungen, zumindest was die Aussetzer betrifft. Gestern wollte ich dann ein Streicher-Preset laden und das Plug-in meldet mir „Memory is getting low. Really proceed loading?“. Da ist mir dann echt der Kragen geplatzt. Ich habe 32 GB Arbeitsspeicher! Wie groß sollen denn bitte deine komischen Strings sein? Fast gleichzeitig poppt unten in der Task­leiste die Meldung auf, ich solle doch bitte endlich mal mein Windows‘ OneDrive einrichten und im Hintergrund fängt mein Antivirenprogramm an, heftigst alle meine Dateien zu scannen. Jetzt reicht’s, Windows kommt weg!

Point of No Return

Da ich kein großer Mac-Anhänger bin (und ich ja einen recht neuen PC hier stehen habe), war für mich schnell klar, dass es nur ein Linux-System sein kann. Und tatsächlich gibt es hier sogar schon sehr komfortable, quasi latenzfreie Lösungen wie beispielsweise Ubuntu Studio. Bisher habe ich mich vor allem wegen der teils noch unausgereiften DAWs vor diesem Schritt gescheut, aber das hat sich jetzt geändert: Seit Bitwig Studio gibt es eine wirklich komfortable kommerzielle Software, die nativ auch für Linux angeboten wird. Entgegen der vorherrschenden Meinung arbeiten mittlerweile auch sehr viele Audio-Interfaces und Controller ganz unkompliziert mit Linux zusammen, unter anderem Behringer, Nektar und Arturia. Auch diverse Plug-in-Hersteller wie U-He rüsten ihre Instrumente und Effekte mittlerweile auch für Linux um.

Endlich ein echter Musikrechner

Keine zwei Stunden später habe ich nun einen „echten“ Musikrechner vor mir, der innerhalb von Sekunden startklar ist – und zwar mit allem, was ich für das Musik machen brauche. Ja, sogar die meisten meiner Windows-Plug-ins kann ich dank cleverer VST-Bridges für Linux in der neuen DAW nutzen. Ich kann gar nicht in voller Ausführlichkeit beschreiben, wie sich das anfühlt. Ich kann nur jedem empfehlen, es mal auszuprobieren und dann selbst zu urteilen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie groß der Respekt davor ist, von einer jahrelang erprobten DAW abzurücken – und dann auch noch gepaart mit einem OS-Wechsel. Es kann sich aber lohnen! Vielleicht werfen Sie auch mal einen Blick auf die Bitwig Zones meiner Kollegin Maike Paeßens. Bitwig ist zwar noch recht neu und sicher noch nicht an allen Stellen so ausgereift wie Cubase und Co., aber dafür bekomme ich hier einen Workflow, der endlich mal meiner Arbeitsweise entspricht. Eine Software, bei der ich das Gefühl habe, dass sie versteht, wie ich ticke … Ich muss mich nicht mehr durch 17 Menüs quälen, bevor ich timestretchen darf, oder muss mir überlegen, wie man noch mal ein Delay auf ein Objekt legt. Das alles geht in Bitwig Studio ganz einfach und intuitiv von der Hand. Und das Beste: Im Hintergrund läuft ein stabiles Betriebssystem, von dem ich nichts mitbekomme, wenn ich es nicht will. Genau das ist es. Ich will Musik machen – und da ist es mir herzlich egal, welches Betriebssystem im Hintergrund läuft. Es darf mich eben nur nicht davon abhalten.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Windows und Linux? Diskutieren Sie mit mir auf meiner Website.

Der Autor

Sascha Beckmann ist studierter Journalist und arbeitet als freier Redakteur und Autor. Neben dem Schreiben für Magazine und Unternehmen ist er immer wieder auch als Musiker und Komponist in verschiedenen Projekten tätig. Bei seiner Arbeit für KEYS kann er beide Leidenschaften perfekt miteinander verbinden.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 11/16.