Das nervt, wenn der Kopierschutz das Linux-Vergnügen trübt!

Wenn Sie aufgrund des Linux-Specials der KEYS-Ausgabe 04/17 mit einem Umstieg liebäugeln, dann möchte ich an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass einige Windows-Plug-ins unter Linux nicht funktionieren werden. Traurigerweise liegt das oft noch nicht einmal an der Software selbst, sondern an den teils wahnwitzigen Kopierschutz-Eskapaden.

Das nervt! Linux Plug-ins

Wenn Sie aufgrund des Linux-Specials der KEYS-Ausgabe 04/17 mit einem Umstieg liebäugeln, dann möchte ich an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass einige Windows-Plug-ins unter Linux nicht funktionieren werden. Traurigerweise liegt das oft noch nicht einmal an der Software selbst, sondern an den teils wahnwitzigen Kopierschutz-Eskapaden.

Wie im Special bereits erwähnt, gibt es geniale Tools wie zum Beispiel WINE, durch die man ursprünglich nur für Windows vorgesehene Software auch unter Linux installieren kann. Auf diese Weise lassen sich in vielen Fällen auch VST-Plug-ins für Windows innerhalb einer Linux-DAW nutzen. Soweit, so genial. Doch leider spielen da etliche Lizenzierungs- und Aktivierungsmechanismen der Software-Hersteller nicht mit. Was bei mir einmal mehr die Frage aufwirft: Sind wir Musiker wirklich so wenig vertrauenswürdig, dass man uns dermaßen mit Software-Centern, USB-Dongles, iLok-Lizenzen oder gar Hardware-Pairing gängeln muss?

Wer oder was ist Linux?

Natürlich erwarte ich nicht, dass jemand ernsthaft Rücksicht auf die wenigen Linux-User nimmt, aber mich nervt das ja schon seit jeher auch unter Windows! Was spricht denn bitte gegen die gute alte Seriennummer, die man von mir aus mit einer Datenbank im Internet abgleicht? Solche Anwendungen funktionieren nämlich meist auch wunderbar unter Linux. Alle Plug-ins, die zum Beispiel in irgendeiner Form eine iLok-Lizenz benötigen (egal, ob Dongle oder iLok-Manager), kann man unter Linux getrost vergessen. Sie werden nicht funktionieren. Ähnliches gilt auch für viele sogenannte „Software Center“ wie bei Arturia-Produkten. Deswegen kann man auch einer Demo-Version unter Linux nicht zu 100 Prozent trauen, da hierbei meist der ganze Ballast zunächst nicht mit installiert wird. Das böse Erwachen kommt dann erst, wenn man das Produkt gekauft hat. Tatsächlich halte ich aber auch unter Windows solche Installations-Eskapaden für nicht zumutbar. Wenn wir uns ein Plug-in kaufen, dann wollen wir damit spielen und nicht erst stundenlang Accounts anlegen, Lizenzmanager installieren oder USB-Ports mit sinnlosen Dongles blockieren. Ein Verzicht darauf hätte sogar den charmanten Nebeneffekt, dass man seinen Kundenkreis zusätzlich um ein paar Linux-Anwender erweitert.

I predict a riot!

Und wo wir schon mal dabei sind: Wie wäre es denn, wenn die Softwareschmieden dieser Welt ihre Plug-ins einfach direkt auch für Linux anbieten würden? Was spricht in Zeiten von Cross-Programmierung schon groß dagegen? Klar, man müsste die Software dem OS entsprechend anpassen, aber dafür gewinnt man einen sehr dankbaren Kundenkreis dazu, der durchaus bereit ist, für einen guten Linux-Port auch mal etwas Geld in die Hand zu nehmen. Macht aber natürlich keiner. Und warum? Weil sich bis auf ganz wenige Ausnahmen niemand für die paar Linuxer interessiert. Aber dann, wenn sich plötzlich mal die Marktanteile verschieben, bricht die Hektik aus. Das kann ich jetzt schon garantieren. Wohl dem, der bis dahin schon einen eingearbeiteten Linux-Programmierer auf seiner Gehaltsliste hat. Und damit lasse ich dramatisch das Mikrofon aus der ausgestreckten Hand fallen und drehe mich augenrollend von der Bühne …

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/17.