Test: Arturia Matrixbrute

Ein monophoner Analogsynthesizer wäre in speicherbarer Form keine allzu aufsehenerregende Neuigkeit. Beim Arturia Matrixbrute darf man allerdings selbst als Kenner den Atem anhalten. Hält der große Franzose, was er verspricht?

Ein monophoner Analogsynthesizer wäre in speicherbarer Form keine allzu aufsehenerregende Neuigkeit. Beim Arturia Matrixbrute darf man allerdings selbst als Kenner den Atem anhalten. Hält der große Franzose, was er verspricht?

 

Bereits äußerlich ist der Ma­trixbrute sicherlich einer der beeindruckendsten monophonen Synthesizer. Dazu tragen das gelungene Design von Axel Hartmann mit vierstufig anwinkelbarem, üppig bestücktem Bedienpanel mit dekorativer Metallstütze, die beleuchtete Tastermatrix und Seitenholzeinfassungen bei, mit denen sich das Instrument optisch zwischen Minimoog, Waldorf Wave und Schmidt platziert. Auch die Verarbeitung des robusten, rund 20 kg schweren großen Bruders des Minibrute überzeugt bis hin zu den stabilen Reglern und Spielhilfen. Gleichzeitig glänzt Arturias Prachtstück aber auch durch eine aufwendige Klangerzeugung, die über eine (polyphone) Klaviatur mit 49 anschlagsdynamischen und aftertouchfähigen Tasten adressiert wird.

 

Klangerzeugung

Der Matrixbrute wartet mit drei VCOs auf, von denen die ersten beiden über pegelbare Dreieck-, Rechteck- und Sägezahnwellenformen sowie eigene Suboszillatoren verfügen und bei Bedarf synchronisierbar sind. Regelbar sind neben der Stimmung (± 2 Oktaven, ± 1 Halbton) die Wellenform des Suboszillators, ein Waveshaper für das Dreieck, die Pulsbreite für das Rechteck und eine Ultrasaw-Funktion für den Sägezahn, die ein phasenversetztes Duplikat der Wellenform für einen fetteren Klang zumischt. VCO 3 bietet eine vierfache statische Wellenformauswahl sowie einen LFO-Modus mit und ohne Keyboardtracking. Hinzu kommen ein vierfach umschaltbarer Rauschgenerator sowie ein pegelbarer Audioeingang mit Hüllkurventrigger und -folger. Vier weitere Regler dienen der Frequenzmodulation: VCO 1 > VCO 2, VCO 3 > VCO 1/2, VCO 3 > Filter 1/2, Rauschgenerator > VCO 1/Filter 1. Schließlich dürfen auch Glideeffekt und wählbare Notenpriorität nicht fehlen. Per Mixer lassen sich Oszillatoren, Rauschen und Audioeingang pegeln. 

Da der Matrixbrute zwei seriell- oder parallel verschaltbare Multimodefilter bietet, gibt es zudem jeweils ein Routing, um die Filter alternativ oder gleichzeitig zu beschicken.

Das aus dem Minibrute bekannte Steiner-Parker-Filter mit Tief-, Hoch-, Bandpass- und Notchmodi bietet hier sogar eine umschaltbare Flanken­steilheit (12/24 dB/Okt). Er bietet eine regelbare Übersteuerung sowie den ebenfalls regelbaren Brute-Faktor, mit dem das Filter nochmals aggressiver agiert. Das Ladderfilter huldigt dem Moogklassiker und ist ebenfalls als Tief-, Hoch- und Basspass mit 12 oder 24 dB/Oktave verfügbar – ebenfalls mit Drive- und Brutefaktor. Beide Filter verfügen über Lautstärkeregler und regelbare Resonanzen bis zur Selbstoszillation. Sie können sowohl einzeln als auch über einen zentralen Encoder in der Filtereinsatzfrequenz justiert werden.

Es folgen der VCA, ein Insertpunkt zum Einschleifen von Peripherie sowie eine analoge BBD-Effektsektion, bei der man zwischen zwei Delays, Nachhall, Chorus und Flanger wählen kann – editierbar in fünf Parametern. Aus dem Gerät gelangt man per Stereo- und unabhängigem Kopfhörerausgang.

 

 

Der Arturia Matrixbrute mit eingeklapptem Panel

Modulationen

Das Thema Modulation nimmt im Matrixbrute eine zentrale Position ein. Die Ausstattung ist opulent: Es gibt drei ADSR-Hüllkurven (2-10.000 ms), von denen zwei den Filterfrequenzen und dem VCA zugeordnet sind und die in Abhängigkeit von der Anschlagsdynamik agieren. Die dritte Hüllkurve verfügt über einen zusätzlichen Delay-Parameter.

Hinzu kommen zwei LFOs (18 Sekunden bis 100 Hertz) mit sieben Wellenformen und möglicher Temposynchronisation, in einem Fall mit regelbarer Einschwingverzögerung, im anderen mit variabler Phasenlage. Neben den Parametern der Klaviatur, Pitch- und Modulationsrad gibt es drei Pedaleingänge sowie ein mögliches Senden und Empfangen nahezu aller Parameter über MIDI-Controller.

Die Matrix ist das namensgebende Bedienelement dieses Synthesizers. Sie besteht aus 16 x 16 mehrfarbig beleuchteten Drucktastern und kann in drei Betriebsarten arbeiten: Sie dient dem Aufruf der Presets, die auch namentlich auf einem kleinen e-ink-Display dargestellt werden, der Programmierung des Step-Sequencers/Arpeggiators (siehe Kasten) sowie der Definition von Modulationsverknüpfungen. In letzterer Funktion hat man hier gewissermaßen eine größere, speicherbare Version des legendären EMS-Steckfelds beziehungsweise eine visualisierte Form typischer Modulationsmatrizen vor sich.

Das Prinzip ist simpel: Die vertikale Achse bietet sechszehn Modulatoren (Hüllkurven, Hüllkurvenfolger, LFOs, Klaviatur, Spielhilfen, eine Modulationsspur des Sequencers sowie die vier Encoder M1-4). Die horizontale Achse bietet zwölf vorgegebene Ziele: Pitch, Ultra Saw, Pulse Width, Metalizer für VCO 1 und 2, beide Filterfrequenzen, der Hub von LFO 1, den VCA und vier freie Modulationsziele, die man durch Antippen entsprechender Taster oberhalb der Matrix und Bewegen des Zielparameters zuweist – mitsamt Darstellung im Display. Die Verknüpfung selbst ist fast selbsterklärend: Man drückt den Kreuzungspunkt in der Matrix und nutzt den Value-Encoder zum Justieren der (meist bipolaren) Modulationsintensität – fertig!

Da nicht alle Parameter direkt adressierbar sind, nutzt man bei ungewöhnlicheren Sounds die vier zuweisbaren Ziele, um etwa die Filterresonanz, Hüllkurvenzeiten oder Effektparameter zu steuern – eine praxisnahe Lösung. 

Sequencer/Arpeggiator

Per Knopfdruck wird die Matrix zum Sequencer/Arpeggiator: Im einfachsten Fall aktiviert man das Arpeggio, wählt die Notenauflösung, Laufrichtung, Oktavumfang, Tempo (einschließlich externer Synchronisation und Tap-Tempo-Taster), Gatelänge und Swingfaktor und lässt sich inspirieren. Ein Modus, bei dem Muster von bis zu vier Noten über die Matrix beliebig in den Oktaven verteilt werden können, soll folgen.

Der alternative Step-Sequencer bietet bis zu 64 Schritte, die man nacheinander mit Pausen über die Klaviatur eingibt, einschließlich möglicher Korrektur/Editierung durch Drücken der entsprechenden Schritttaste. Über die Matrix lassen sich pro Schritt Trigger, Akzente, Slides sowie Werte für eine Modulationsspur setzen. 

Unterschiedliche Laufrichtungen und -längen sind vorgesehen, eine Echtzeitaufnahme hingegen noch nicht. Generell könnte ich mir hier künftig noch etliche funktionale Ergänzungen vorstellen, wie Ratchets oder mehrfache Reihen mit ergänzenden 

Modulationsspuren – ein Volltreffer ist der Sequencer aber bereits jetzt, denn die Patterns sind mit oder ohne Sound speicherbar, lassen sich über MIDI ausgeben und können per Auto-Play-Funktion direkt mit einem Tastendruck eingestartet werden.

 

Praxis

Mit 65 Reglern, zwölf Fadern, etlichen Tastern und der Modulationsmatrix offeriert der Matrixbrute eine üppige Bedienoberfläche. Arturia gelingt hier ein guter Kompromiss zwischen unmittelbarem Bedienkomfort und weiterführender Zusatzfunktionalität. So verfügen die klangerzeugenden Elemente und zentralen Modulationen über dedizierte Bedienelemente, während andere Bereiche wie die Modulationsverknüpfungen eine grundsätzliche Orientierung vor dem Zugriff erfordern. Eine Phase der Einarbeitung ist somit unabdingbar, aber zweifelsfrei lohnenswert. Falschen Reglerpositionen und Wertesprüngen nach Patchwechseln begnet der Matrixbrute mit umschaltbaren Betriebsarten: abrupte Neujustierung, „Abholen“ des gespeicherten Wertes und Neuskalierung der Potis, sofern diese nicht ohnehin als Encoder ausgeführt sind. Über das kostenlose MIDI Control Center lässt sich der Matrixbrute via USB mit dem Rechner verbinden. Neben Firmware-Updates gibt es so die Möglichkeit der Konfiguration verschiedener Parameter sowie eine Patchverwaltung.

 

Klang

Dank seiner umfassenden Klangerzeugung und Modulationsmöglichkeiten liefert der Matrixbrute das nahezu gesamte Klangspektrum monophoner analoger Klangerzeuger mit durchweg überzeugender Leistung. Mit bis zu fünf Oszillatoren bietet er Bassdruck, Dichte sowie die nötige Transparenz. Die flexiblen Filter klingen großartig, packen gut zu und sorgen dank Overdrive bei Bedarf für dosierbaren Schmutz. Insbesondere die parallele Filterung wählbarer Klangbereiche erweist sich als äußerst ergiebig, während der serielle Modus eher bei speziellen Klängen wie Formantsounds und drastischen Filterungen punktet.

Die Hüllkurven agieren zackig und generieren bei Bedarf druckvolle und perkussive Klänge. So findet man Bässe, klassische Sequencer-, Solo- und Melodiesounds, Hooks und Perkussives in diversen Varianten. Genauso liefert das Gerät fertige Sequenzen und rhythmisch animierte Klänge aller Art. 

Auf einen spezifischen Klang lässt sich der Matrixbrute nicht festlegen – er liefert unterschiedlichste Facetten von traditioneller Elektronik über moderne EDM-Sounds bis hin zu bösem Industrial. Für eine Eigennote sorgen das markante Steiner-Parker-Filter sowie die Möglichkeiten der Verzerrung und der Audiomodulationen für metallische und heftige Klangfarben. Über die Modulationsverknüpfungen und integrierten Effekte lassen sich Komplexitätsgrad, Expressivität und Exklusivität der Klänge umfassend steigern – eine echte Klangfundgrube für Sound-Designer und Effekte. Vermisst habe ich bis auf eine Ringmodulation und ein Routing der Klangkomponenten in der seriellen Filterverschaltung eigentlich nichts. Selbst Pads lassen sich erzeugen, denn der Matrixbrute lässt sich bei Bedarf mit je einem Oszillator, aber gemeinsamen Filtern, VCA und Hüllkurven auch paraphon spielen. Jupiter-8 und Co ersetzt er damit natürlich nicht, bringt aber weitere Farbtupfer in die Klangpalette. Ein cleveres Extra ist der Split-Modus, bei dem man zwei Klänge über eine geteilte Klaviatur spielt – die Stimmen werden hier über das Filterrouting geteilt und um einen versteckten zweiten VCA und die dritte Hüllkurve ergänzt.

 

Modularität

Über zwölf Eingänge lassen sich CV-Spannungen in den Matrixbrute einspeisen. Die Parameter entsprechen den zwölf festen Zielen der Modulationsmatrix. Hier kann man also nach Herzenslust weitere Modulatoren hinzuziehen. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich: Die gleichen Parameter lassen sich als Steuerspannungen abgreifen. Dabei geben die meisten Regler beliebig nutzbare Steuerspannungen aus, mit der sich der Matrixbrute, der natürlich auch Gate- und Sync-Ein- sowie -Ausgänge bietet, als herausragender Controller und Step-Sequencer für modulare Instrumente empfiehlt. Grandios, selbst wenn man die Klangbausteine und Modulatoren nicht zur Erweiterung seines Modulbestandes nutzen kann.

 

Fazit

Zweifellos gehört der Matrixbrute zu den leistungsstärksten jemals gebauten monophonen Instrumenten. Ein traumhafter Analogsynthesizer, der sich gleichermaßen als Studio- und Bühneninstrument sowie als Steuerzentrale für Modulsysteme empfiehlt. Ausstattung und Klang sind großartig und vielseitig sowie preislich im Hinblick auf die analoge Konkurrenz von DSI, Moog, MFB und Elektron absolut attraktiv. Das sollten Sie sich im Fachhandel unbedingt genauer anhören!


Arturia Matrixbrute

Preis (UVP): 2.119 EUR
Pro/Kontra: 
+ üppige analoge, speicherbare Klangerzeugung
+ überzeugender Klang
+ direkt zugängliche Modulationsmatrix
+ zahlreiche Ein- und Ausgänge
- noch keine Ratchets im Sequencer
Zum Hersteller: www.arturia.de
Zum Vertrieb: www.tomeso.de