Test: Arturia Drumbrute – Drumcomputer

Aus der Abteilung „Darauf haben wir gewartet“ kommt von Arturia endlich ein schnörkelloser, voll-analoger Drumcomputer. Ein unschlagbar günstiger Preis, eine solide Konstruktion und ein amtlicher Sound sollen die Massen überzeugen. Ob das gelingt, lesen Sie hier.

Arturia Drumbrute Aufmacherbild

Aus der Abteilung „Darauf haben wir gewartet“ kommt von Arturia mit dem Drumbrute endlich ein schnörkelloser, voll-analoger Drumcomputer. Ein unschlagbar günstiger Preis, eine solide Konstruktion und ein amtlicher Sound sollen die Massen überzeugen. Ob das gelingt, lesen Sie hier.

Arturia deckt inzwischen wie kaum ein anderer Hersteller Soft- und Hardware für Einsteiger und Profis gleichermaßen ab. Dennoch kam die Ankündigung des Drumbrute einigermaßen überraschend. Nachdem man sich seit fast einem Jahr auf den Monosynthesizer Matrixbrute gefreut hat, konnte kaum jemand damit rechnen, dass ein weiterer ­„Brute“ noch vorher und quasi unmittelbar nach der Ankündigung landen würde. Nun steht der drei Kilogramm schwere Drumbrute also in seiner vollen Pracht auf meinem Schreibtisch und bringt die Wände zum Wackeln.

Roher Flachmann

Es passiert selten, dass ein moderner Synthesizer oder Drumcomputer in einem Gehäuse untergebracht ist, das seinen Funktionen gerecht wird. Meist wird aus Kosten- oder Platzgründen an der Verarbeitungsqualität oder den Abmessungen gespart. Nicht so hier: Das pultförmige, flache Desktop-Chassis ist übersichtlich und aufgeräumt. Transportsektion, Performance-Effekte, Step-Eingabefeld und die Drumspuren lassen sich fast blind navigieren. Das robuste Gehäuse wird stilgerecht von zwei ästhetisch passenden Holzbacken flankiert. Die Geräterückseite bietet zwei per versenkbaren Pegelsteller regelbare Kopfhörerausgänge (3,5/6,3-mm), einen Monoausgang für den Mix sowie zwölf Miniklinkenausgängen für die insgesamt 17 Stimmen des Drumbrute. Analoge Clock Ein- und Ausgänge für die Einbindung ins Modularsystem sowie DIN- und USB-MIDI runden die Verbindungen zur Außenwelt ab. Die Stromversorgung erfolgt über ein mitgeliefertes Netzteil. Vordergründig verfügt Drumbrute über zwölf Kanäle für die verschiedenen analogen Stimmen, tatsächlich aber verwalten fünf dieser Kanäle je zwei Stimmen, allerdings mit gemeinsamen Parametersätzen. Dennoch verfügen alle siebzehn Stimmen über unabhängige Sequencerspuren. So können etwa Tom Hi und Tom Low gleichzeitig Conga Hi und Conga Low abspielen. Jeder Kanal verfügt neben Drehreglern für Lautstärke und ein bis vier Parameter über ein Drumpad. Die internen Sounds reagieren stets auf zwei Anschlagstärken (Normal/Akzent), allerdings arbeiten die Pads durchaus anschlagsdynamisch und übertragen die entsprechenden Werte über MIDI. Ab welcher Anschlagstärke der Akzent ausgelöst wird, kann im später erwähnten Software-Editor definiert werden. Tatsächlich ändert sich bei akzentuierten Steps einiges mehr als nur die Lautstärke: Je nach Sound beeinflusst Akzent auch die Tonhöhe, das Decay oder, wie bei der Snare, eine leichte Verzerrung des Klangs.

Arturia Drumbrute Bild Rückseite
Auf der Rückseite des Arturia Drumbrute findet man zwei Kopfhörerausgänge mit zugehörigem Poti, Mix-Monoausgang sowie zwölf Miniklinkenausgänge.

Bumm und Tschack

Beim Klang hat Arturia sich nicht darauf beschränkt, bestehende Klischees zu bedienen, sondern wagt die Gratwanderung zwischen vertrauten und neuen Sounds. Nirgendwo wird dies deutlicher als bei Kick 1, die eindeutig von der TR-909 inspiriert ist, deren Klang aber um prägnante Transienten in Form des Impact-Parameters erweitert wurde. Heraus kommt ein harmonisch volles Klangspektrum mit teils extremem Einfluss der Tonhöhenhüllkurve und zeitgemäßer Klangästhetik. Kick 2 hingegen kommt etwas klassischer und vor allem tiefer daher, erinnert dabei, trotz kürzerer möglicher Ausklingzeit, an die legendäre Bassdrum der TR-808 und ist ideal für House-Patterns. Auch mit der Snare ist Arturia ein toller Wurf gelungen: Durch separat regelbare Klangkörper- und Rauschanteile lassen sich elektronische Snares, die zwischen SP-1200, TR-909 und modernen Drumcomputern wie der Vermona DRM1 angesiedelt sind, erreichen. Clap und Rimshot/Clave setzen sich im Mix hervorragend durch, Letztere lassen sich aber kaum im Klang verändern. Die Synthese-Parameter der Closed- und Open-Hi-Hat-Spuren sind identisch angelegt, was die Programmierung homogener Hi-Hat-Patterns erheblich vereinfacht. Die Spuren für Hi- und Low-Tom und die Congas ermöglichen runde und tiefe Bass-Sounds, müssen aber ohne Decay-Regler auskommen. Das große Cymbal ähnelt dem Hi-Hat-Klang, kommt aber etwas hochfrequenter daher. Per Schalter lässt es sich zusätzlich in einen Reversed-Sound verwandeln – ein toller Klang, den ich so noch von keinem analogen Drumcomputer gehört habe. Ein „Zap“ genannter FX-Sound sowie eine Kombination aus Maracas und Tamburin-Spur komplettieren die Syntheseabteilung.

Eins nach dem anderen

Drumbrute knüpft an vorherige Sequencer von Arturia an. Sowohl Spark als auch Beatstep Pro standen Pate bei der Entwicklung dieses einfachen, aber effektiven Step-Sequencers. Die Schritteingabe kann sowohl in Echtzeit über die Pads als auch konventionell per Lauflichtprogrammierung erfolgen. Vier Bänke beherbergen je 16 Patterns mit je bis zu 64 Schritten, wobei die Zeitauflösung zwischen 1/8, 1/8T, 1/16, 1/16T und 1/32 gewählt werden kann. Aktiviert man den polyrhythmischen Modus, lassen sich die Schrittlängen der Spuren sogar einzeln anpassen. Darüber hinaus gibt es spurunabhängige und globale Parameter für Swing und Zufall. Auch der vom Beatstep Pro bekannte Step-Repeat-Streifen zum schnellen Stottern der Wiedergabe oder dem Einfügen von Wirbeln bei der Aufnahme hat es in den Drumbrute geschafft. Was Drumbrute hingegen nicht bietet, ist eine interne Aufzeichnung von Automationsdaten per MIDI – Parameteränderungen muss man hier bei der Audioaufnahme vollführen. Der Main-Mix wird, bevor er zum Ausgang geroutet wird, durch ein analoges Filter mit 12-dB-Flankensteilheit geschleift. Dieses klingt sowohl im Tief- als auch im Hochpassmodus und selbst bei aufgedrehter Resonanz im Unterschied zum rohen Grundklang des Drumbrute eher sanft. Als Performance-Drumsynthesizer wie auch als Studiowerkzeug macht Drumbrute auf ganzer Linie Spaß – die Bedienung ist ausgeklügelt und umfassend, vor allem aber intuitiv erfassbar. Wie es sich für einen Sequencer gehört, kann Drumbrute als Uhrwerk für ein komplettes Sync-Setup dienen oder sich an die Clock eines anderen Gerätes hängen. Als Sync-Quelle stehen USB-MIDI, DIN-MIDI und der analoge Clock-Eingang zur Verfügung.

Arturia Drumbrute Bild Oberseite
Die Drum-Pads bieten jeweils verschiedene Möglichkeiten zur Klangformung.

Das Kontrollzentrum

Wie bei Geräten von Arturia üblich, lässt sich Drumbrute über das MIDI Control Center unter die Haube schauen. Dort finden sich neben editierbaren Step-Ansichten aller Patterns auch die am Gerät selbst nicht verfügbaren Voreinstellungen, mit denen das Verhalten der einzelnen Stimmen justiert werden kann. Egal, ob es um die MIDI-Notennummern für die einzelnen Klänge, die Auflösung der analogen Clock oder das Verhalten der Pause-Taste und Einstartverhaltens umgeschalteter Pattern geht, im MIDI Control Center lässt sich nach Herzenslust experimentieren. Auch lassen sich hier Patterns und Konfigurationen bequem verwalten, sichern und wieder aufspielen.

FAZIT

Dieser Test beschränkt sich auf eine halbwegs nüchterne Auflistung der Funktionen und der Klangeigenschaften von Arturias Drumbrute. Dieser extrem fähige, absolut überzeugend klingende und gut verarbeitete Drumcomputer wird mit intuitivem Sequencer zu einem Kampfpreis von unter 500 Euro angeboten. Er liegt dabei preislich auf Augenhöhe mit den kleinen MFB-Modellen Tanzmaus und Tanzbär Lite sowie der Roland TR-8, misst sich aber gleichzeitig mit deutlich teureren Geräten von Elektron, MFB oder Jomox. Dabei arbeitet nur das Arturia-Produkt vollständig analog. Wer auch nur im Entferntesten Interesse an einem „puren“ Drumcomputer hat, ist mit Drumbrute sehr gut beraten.

Arturia Drumbrute

Preis (UVP): 469 EUR

Pro/Kontra: 
+ unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis
+ fette, eigenständige Klänge
+ Formfaktor und Verarbeitungsqualität
+ umfassender Software-Editor
+/– Miniklinken für die Einzelausgänge (Eurorack-kompatibel)

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