Test: Arturia Audiofuse – Audio-Interface

Kleine USB-Audiointerfaces im Tischgehäuse gibt es wie Sand am Meer. Was bringt Arturia dazu, genau für diesen Markt mit dem AudioFuse ein eigenes Gerät zu entwickeln? Wir waren gespannt auf die kleine Studiozentrale aus Frankreich.

Arturia AudioFuse Aufmacherbild

Kleine USB-Audiointerfaces im Tischgehäuse gibt es wie Sand am Meer. Was bringt Arturia dazu, genau für diesen Markt mit dem AudioFuse ein eigenes Gerät zu entwickeln? Wir waren gespannt auf die kleine Studiozentrale aus Frankreich.

Beim ersten Betrachten von Audio­Fuse fielen mir sofort die Kopfhörerbuchsen ins Auge. So gut wie kein anderes Gerät hat am gleichen Ausgang je eine 6,3- und eine 3,5-Millimeterbuchse. Als ich das sah, war mir klar: Bei diesem Gerät haben die Entwickler praktisch gedacht.

Überblick

Das kleine in drei Farben erhältliche Tischgehäuse aus Aluminium ist vollgepackt mit Anschlüssen, Tastern und Drehreglern. Fangen wir vorne an: Neben den beiden Kopfhörerausgängen, die separat bespielt werden können, liegen die Eingänge 1 und 2 als XLR/Klinke-Kombibuchsen vor, die je nach Anschluss als Mikrofon- oder Line-Eingang fungieren. Zudem sind sie und Input 3 auf hohe Impedanz für Instrumente umschaltbar. Das Gros der Anschlüsse befindet sich auf der Rückseite: Neben Klinkeninserts, die nach den Vorverstärkern das Einschleifen analoger Effektgeräte erlauben, gibt es zwei weitere Lineeingänge, die wahlweise auf die Phonoeingänge umschaltbar sind. Letztere ermöglichen den Anschluss eines Plattenspielers. Weiter findet man ein Cinch-S/PDIF-Pärchen, das auch als reiner Wordclock-Anschluss verwendet werden kann. Das ADAT-Pärchen ist auch als optischer S/PDIF-Anschluss nutzbar. Ein MIDI-Paar ist ebenfalls vorhanden – aus Platzgründen in Miniklinken-Ausführung. Passende Adapter auf 5-Pol-DIN-Buchse liegen dem Interface bei.

Ausgangsseitig gibt es zwei unabhängige Speaker-Anschlusspärchen. Mit dem Rechner wird das AudioFuse über Micro-USB verbunden, wie man es von Smartphone und Tablet kennt. Ein Highlight ist für mich der eingebaute USB-Hub, der drei Anschlüsse etwa für Dongles oder USB-Masterkeyboards bereitstellt. Auf der Oberseite schließlich findet man den großen Abhörlautstärkeregler sowie Mono-, Dim- und Mute-Taster, Quellenwahl und Lautsprecheranwahl. Darunter separate Regler für beide Kopfhörerausgänge, ebenfalls mit Quellenwahl. Wirklich nützlich für die Praxis erweist sich, dass man auf allen drei Abhörwegen auf alle drei Abhörausgänge schalten kann. So ist es ein Leichtes, die Kopfhörermischung etwa auf Studiomonitoren gegenzuhören. Rechts und links regelt man die Eingangsverstärkung der Mikrofoneingänge mit Tastern für Phantomspeisung, Pad, Phaseninvertierung und zu Aktivierung des Instrumenteneingangs.

Arturia AudioFuse Bild Rückseite
Die Anschlussvielfalt ist für ein derart kleines Gerät beachtlich.

Das Arturia AudioFuse in der Praxis

AudioFuse liefert bis zu 14 Ein- und Ausgänge über USB an Mac, PC oder Linux-Rechner. Adaptiert man passend, lässt es sich auch am Smartphone oder Tablet verwenden. Um all diese verschiedenen Anwendungsszenarien abzudecken, bietet das Interface drei Stromversorgungsmodi. Verwendet man das mitgelieferte Netzteil, können die Ein- und Ausgänge bis +24 dB ausgesteuert werden, die Phantomspeisung ist aktivierbar und der USB-Hub in Betrieb. Versorgt man es nur über USB, sinkt der Ein- und Ausgangspegel auf +18 dB, auch Phantomspeisung ist möglich, aber der USB Hub wird deaktiviert. Dies ist schade, denn für die Anwendung mit Laptops beispielsweise in der Bahn wäre es praktisch, wenn wenigstens genügend Strom für Dongles wie iLok oder e-Licenser verfügbar wäre. Für die USB-Stromversorgung hat das Anschlusskabel extra einen zweiten USB-Stecker, dessen Anschlusskabel auch auf die gegenüberliegende Seite eines Notebooks reicht. Hier hat Arturia gut mitgedacht. Für die stromsparende Anwendung als reines Ausgangsinterface kann der USB-Modus auf „Low Power“ umgeschaltet werden. Hierbei stehen dem Nutzer nur noch zwei Ausgänge und keine Eingänge mehr zur Verfügung. Ich hätte mir einen Netzschalter gewünscht, denn das AudioFuse zieht immer Strom, sobald Netzteil oder USB angeschlossen sind. Ein Firmware-Update soll dies laut Hersteller aber beheben. Insbesondere im Netzteilbetrieb wird das Interface gut handwarm.

Klang

Der Klang des kleinen Kraftpakets hat mich überrascht. Die Mikroeingänge spielen sowohl was die Messwerte angeht als auch beim akustischen Resultat ganz vorn mit. Durch die mögliche hohe Verstärkung werden auch schwache Signale von Bändchenmikrofonen rauscharm verstärkt. Das Klangbild der Eingänge ist im besten Sinn neutral und lebendig mit hervorragender Detailzeichnung. Das Gleiche gilt für die Ausgänge. Besonders gut gefallen haben mir die Kopfhörerausgänge, die selbst mit anspruchsvollen Modellen wie dem Sennheiser HD 650 sehr gut zurechtkommen.

Arturia AudioFuse Bild Oberseite
Das Arturia AudioFuse bietet zahlreiche Aufnahme- und Monitoring-Funktionen.

Extras

Das kleine Interface bietet nicht nur viele verschiedene Anschlüsse, sondern fungiert auch als kompakte Studiozentrale. So sind neben der Hauptabhöre zwei unabhängige Kopfhörermischungen möglich. Eine davon kann auch auf den Speaker-2-Ausgang zu einem externen Kopfhörerverstärker geführt werden. Produktionen mit kleiner Band sind also kein Problem. Hier ist auch das eingebaute Talkback-Mikrofon mit eigenem Aktivierungstaster hilfreich. Einer der Ausgänge kann auf Intrumentenpegel für ein Reamping umgeschaltet werden. Das findet man nur sehr selten. AudioFuse verzichtet gänzlich auf interne Effekte. Aber der interne DSP ermöglicht eine Mischung in Echtzeit. Die zugehörige Steuersoftware ruft man komfortabel mit einem eigenen Taster oben links auf. Über das kleine Rädchen oben rechts lässt sich ganz klassisch das Verhältnis zwischen direktem Signal und Computerausgang einstellen. Diese Lösung ist auch gut, denn selbst bei 32 Samples Puffer erhalte ich unter Pro Tools 12.8 auf einem MacBook Pro eine Roundtrip-Latenz von 395 Samples, was gut 8 Millisekunden sind und von den meisten Künstlern als Echo empfunden wird.

FAZIT

Arturias erster Ausflug in die Welt der Audio-Interfaces kann mit gutem Gewissen als Schweizer Messer der Geräteklasse bezeichnet werden. Es deckt eine Menge verschiedener Einsatzbereiche vom Mikrofonvorverstärker über ausgefuchsten Monitorcontroller bis hin zum Interface für den reisenden DJ und Remixer ab. Und auch die Anwender mobiler Geräte kommen nicht zu kurz. Das Ganze in einem sehr stabilen, kompakten Gehäuse mit schicker Abdeckung, was es zum verlässlichen Begleiter auf Reisen macht. Arturia hat auf hohe Qualität beim Klang und der Hardware und eine Fülle von Funktionen wert gelegt. Das schlägt sich im Ladenpreis von 599 Euro nieder, der angemessen und bei dem Gebotenen absolut gerechtfertigt ist.

Arturia Audiofuse

Preis (UVP): 619 EUR

System: 
Mac, Win, Linux, iOS, Android Sound Grid

Pro/Kontra: 
+ sehr guter Klang
+ umfangreiche Schnittstellenauswahl
+ viele praxisgerechte Zusatzfunktionen
- Treiber nicht latenzoptimiert
- USB-Hub im USB-Powered-Modus inaktiv
- (noch) kein Netzschalter

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Diesen und weitere Artikel finden Sie in der KEYS-Ausgabe 10/17.