Interview: Rezo – Mit harter Arbeit zum Erfolg

Mehr als 600.000 Abonnenten und über 50.000.000 Videoaufrufe auf YouTube sprechen eine deutliche Sprache. Rezo hat es geschafft mit seiner Musik erfolgreich zu werden, ohne Plattenvertrag und großes Label im Hintergrund. Wir haben mit ihm über Equipment, YouTube und mehr gesprochen.

Rezo Interview Aufmacher

Sounddesigner, Kameramann und Cutter – wer heute aus der Masse herausstechen will, muss viele Talente aufweisen und viel Zeit investieren. Die Qualität der Videos auf You­Tube und anderen Social-Media-Portalen nimmt stetig zu und die Zuschauer wollen unterhalten werden. Rezo hat es mit viel Ehrgeiz und einem großen Willen geschafft, viele Menschen zu begeistern. Nach dem Motto „Von nichts kommt nichts” investiert er eine Menge Zeit in seine Videos und motiviert sich immer wieder aufs Neue, seine kreativen Ideen umzusetzen. Das ist auch nötig, wenn man mindestens ein Video pro Woche produziert.

KEYS: Rezo, seit wann machst du Musik und wie sieht dein musikalischer Background aus?
Rezo:
Ich hab eigentlich schon immer aktiv Musik gemacht. Seit ich vierzehn bin, spielte ich eigentlich immer in mindestens einer Band. Meine letzte Band hat sich jedoch vor ein paar Jahren aufgelöst. Früher hab ich fast ausschließlich Metal gemacht.

KEYS: Du bist der erfolgreichste Musik-YouTuber in Deutschland. Wann und wieso hast du mit YouTube angefangen?
Rezo:
Nach der Auflösung meiner letzten Band hatte ich noch eineinhalb Jahre Zeit bis zu meiner Master-Prüfung. Für mich hat es damals keinen Sinn gemacht, für diesen Zeitraum eine neue Band aufzubauen – zumindest nicht in der Form, wie ich gerne eine Band führe. Ich bin kein Fan von Wochenend-Bands und stecke gerne meine ganze Energie in ein Projekt. Ich wusste, nach meinem Abschluss fängt der Ernst des Lebens an und ich hab dann nicht mehr die Möglichkeit, so viel Zeit in die Musik zu stecken. Zuerst wollten ein früherer Bandkollege und ich zusammen etwas starten – das hat aber aus zeitlichen Gründen nicht geklappt. Ich hab dann beschlossen, alleine weiter zu machen, weil ich gerne Musik in meinem Leben hab. So kam es dann auch, dass ich meine Musikvideos auf YouTube hochgeladen hab.

KEYS: In deinen Videos sieht man dich Gitarre spielen, ein Launchpad bedienen oder auch am Bass. Welche Instrumente spielst du denn?
Rezo:
Naja, ich kann alles so ein bisschen, aber nichts so richtig (lacht). Jeder, der lange in Bands war, kann auch auf einem Drum-Set einen Beat und ein bisschen Bass spielen. Auf den meisten Instrumenten kann ich nur so Basissachen. Das reicht jedoch für viele Dinge aus. Das einzige Instrument, von dem ich sagen würde, das ich es beherrsche, ist die Gitarre.

KEYS: Du schreibst eigene Songs, coverst aktuelle Hits oder schneidest Tracks aus anderen YouTube-Videos zusammen. Das alles arrangierst du selbst. Wie gehst du dabei vor?
Rezo:
Ich mache das immer nach Gefühl. Ich finde, beim Musik machen sollte man mehr fühlen und weniger denken. Natürlich gibt es auch einige Probleme, die man durch Nachdenken lösen kann. Aber welche Instrumente ich verwende oder wie ich den Song mische, entscheide ich aus dem Bauch heraus. Das ist meiner Meinung nach auch das Schöne am Musikmachen. Ich hab als Nebenfach während meines Studiums Musik studiert. Das heißt, ich kenne die Seite, die sich rational mit Musik auseinandersetzt. Diese Seite ist für mich jedoch völlig wertlos.

Rezo Equipment
Neben diversen GItarren nutzt Rezo auch ein Novation Launchpad.

KEYS: Bist du auch für den Mix und das Mastering deiner Songs verantwortlich?
Rezo:
 Ich mache alles selbst und habe mich auch schon vor YouTube mit dem Thema beschäftigt. Mit fünfzehn fing ich an, mit Cubase SX Songs zu produzieren. Mit siebzehn hab ich dann das Geld, das eigentlich für den Führerschein gedacht war, für Studio-Equipment ausgegeben, um Songs mit meiner damaligen Band aufzunehmen. So konnte ich dann die ersten Erfahrungen sammeln und herausfinden, wie es ist, nicht komplett „in the Box“ mit VSTs zu produzieren, sondern auch richtige Instrumente zu recorden. In den letzten Jahren hab ich dann auch alle Aufnahmen für meine Bands selbst gemacht.

KEYS: Welche Software nutzt du denn für deine Aufnahmen?
Rezo:
Ich benutze Cubase 9 Artist. Damit komme ich super klar. Ich bin bis jetzt auch noch nicht an die Grenzen dieser Software gestoßen. Selbst bei aufwendigen Sachen reichen die internen Spuren vollkommen aus.

KEYS: Gibt es ein Plug-in, auf das du auf keinen Fall verzichten möchtest?
Rezo:
Da kann ich Dir ein paar nennen (lacht). Auf dem Master habe ich immer Ozone 7 von iZotope. Das finde ich ultrageil. Ich kann auch nicht mehr ohne den Pro-Q 2 von FabFilter leben. Das ist einfach der geilste EQ ever.

KEYS: Auch Software-Instrumente spielen eine große Rolle in heutigen Produktionen. Was sind deine Lieblings-Instrumenten-Plug-ins?
Rezo:
Serum von Xfer Records finde ich sehr geil. Massive war davor immer mein Lieblings-Instrumenten-Plug-in. Abgesehen von Synthie-Sounds, arbeite ich sehr viel mit Toontracks Superior Drummer. Für „echte” Drums nutze ich das immer. Es bietet mir die Möglichkeit, ein Schlagzeug wie im Studio handzuhaben. Ein Plug-in, das ich zwar nicht häufig benutze, für das ich aber immer sehr dankbar bin, ist EZkeys von Toontrack. Die Samples sind zwar nicht so gut, aber die MIDI-Files helfen mir oft weiter. Vor allem als nicht Keyboarder ist das für mich einfach super.

KEYS: Jede Woche ein Video bedeutet auch, wenig Zeit für die einzelnen Arbeitsschritte. Wie bekommst du das hin?
Rezo:
Ich finde es ganz schön, den Druck zu haben, jede Woche ein Video herausbringen zu müssen. An einem Tag mach ich den Song, die Vocals am nächsten. Meistens hab ich einen Abend Zeit für den Mix. Dann musst du ihn auch einfach fertig machen und kannst nicht drei Tage später noch einmal drüberhören und noch etwas ändern. Natürlich passieren da auch Fehler und ich denke nach jedem Video, dass ich etwas hätte anders machen müssen. So ist das aber immer. Das sind auf jeden Fall die lehrreichsten Jahre, die ich bis jetzt in meinem Leben hatte. Hätte ich den Druck nicht, würde ich wahrscheinlich sagen, da hör ich noch einmal in einer Woche drüber. Aber dann wird man nie fertig. Es gibt immer etwas, das einem am Ende nicht gefällt.

Rezo Setup
Rezo setzt eher auf ein spartanisches Setup zur Musikproduktion.

KEYS: Jedoch kommt bei dir nicht alles aus dem Rechner. Welches Recording-Equipment nutzt du denn?
Rezo:
Ich bin ein Fan davon, so wenig Hardware wie möglich zu nutzen. Auf meinem Schreibtisch steht ein Zwei-Oktaven-MIDI-Keyboard. Das Saffire Pro 40 von Focusrite ist mein Audio-Interface. Das hab ich seit 5 Jahren und es läuft einfach sehr gut. Mein Mikrofon ist das Audio-Technica AT4033a.

KEYS: Deine Musik kommt ziemlich gut an. Gibt es denn schon Angebote von Labels?
Rezo:
Ja (lacht). Aber ein Label macht für mich keinen Sinn. Das ist nicht mehr dasselbe wie in den 80er-Jahren. Früher hat es mehr bedeutet, wenn eine große Plattenfirma auf dich zukam. Heutzutage heißt das ja nicht, dass die dann auch viel investieren, um dich aufzubauen. Sie erhoffen sich eher, dass du ihnen schnell etwas einbringst.

KEYS: Bei YouTube steht vor allem das bewegte Bild im Vordergrund. Ist es wichtig, gutes Kamera-Equipment zu besitzen, um bei YouTube durchzustarten?
Rezo:
Offensichtlich ist es nicht wichtig (lacht). Die Kamera, die ich anfangs hatte, hat um die 400 Euro gekostet. Das ist natürlich nicht schlecht, aber auch kein Profi-Equipment. Mittlerweile benutze ich aber die Panasonic Lumix GH4.

KEYS: Welche Rolle spielt eine gute Beleuchtung in deinen Videos und auf welches Equipment setzt du hier?
Rezo:
Ich nutze irgendwelche 30 Euro Softboxen von Amazon. Da hab ich vier Stück, falls ich mal nachts einen ganzen Raum ausleuchten muss. Das kommt nicht selten vor (lacht). Es ist aber auf jeden Fall wichtig, gut auszuleuchten. Am Anfang hab ich noch schlecht ausgeleuchtet. Jetzt ist das aber viel besser geworden.

KEYS: Die Grafiken und Animationen in deinen Clips sind oft sehr aufwendig. Machst du das alles selbst, oder bekommst du auch Hilfe von außen?
Rezo:
Das mache ich zum großen Teil selbst. Es hält sich meistens in einem Rahmen, der nicht viel Können verlangt. Man braucht halt viel Zeit dafür. Wenn man mit anderen YouTubern kooperiert, teilt man die Arbeiten oft auf. Wenn ich beispielsweise mit Julien Bam Videos mache, schreibe ich die Musik für ihn und er schneidet dann mein Video.

KEYS: Auch ein guter Schnitt macht ein gutes Video aus. Gehst du hier nach einem bestimmten Muster vor, oder machst du das nach Gefühl?
Rezo:
Beides. Ich gehe da auch nach einem Muster vor. Die Reihenfolge ist jedenfalls sehr wichtig. Ich mache immer zuerst den Grobschnitt. Wenn ich das hab, geh ich alle Cuts noch einmal durch und passe sie an. Bei meinen „Frage-und Antwort“-Videos mache ich das ein paar Mal und lege dann auch Sounds und Musik darunter. Besonders bei Witzen ist es wichtig, framegenau zu schneiden, denn da kommt es auf das Timing an. Die Schnitte setze ich jedoch nach meinem Bauchgefühl.

Rezo YouTube
Rezo kooperiert auch oft mit anderen YouTubern wie Toni Pirosa.

KEYS: Viele versuchen es, wenigen gelingt es. Wie fühlt es sich an, wenn ein Video viral geht?
Rezo:
Beim ersten Mal ist das richtig abgefahren und merkwürdig. Irgendwann ändert sich dann das Verhältnis zu Zahlen komplett. Wenn du einmal ein Video hast, das mehr als 100.000 Mal aufgerufen wurde und dann ein Video nur 50.000 Aufrufe hat, denkst du dir: „Boah, das läuft ja nicht so gut”, obwohl eigentlich 50.000 Leute dein Video gesehen haben.

KEYS: Viel Reichweite erzeugt auch Missgunst. Wie gehst du mit sogenannten „Hatern“ um, und geht das spurlos an einem vorbei?
Rezo:
Ja, Hate geht wirklich völlig spurlos an mir vorbei. Ich find das eigentlich eher unterhaltsam. Das liegt aber auch daran, dass ich jahrelang in einer Metal-Band gespielt habe, in der wir auch Synthie-Sounds benutzt haben. Und wenn du ein bisschen zu poppigen Metal machst, bekommst du den größten Hate deines Lebens ab (lacht). Aber eine Art von Kommentaren macht mich richtig fuchsig. Ich weiß auch nicht, wieso mich das nervt. Wenn einer schreibt, dass er mehr Ahnung vom Musik machen hat als ich, offensichtlich aber keine Ahnung hat, dann nervt mich das.

KEYS: Kannst du denn mittlerweile von YouTube leben?
Rezo:
Ja, das geht. Ich mache das jetzt hauptberuflich. Schon während meines Studiums konnte ich davon leben.

KEYS: Jeden Tag schießen neue YouTube-Channels wie Pilze aus dem Boden. Welche Tipps hast du für Anfänger?
Rezo:
Da habe ich einen Tipp, der jedem hilft, egal, was man erreichen will: Mach in deinem Leben nichts anderes mehr. Geh nicht am Wochenende feiern, geh nicht ins Kino, scheiß mal auf alles andere auf der Welt. Steh auf, mach diese Sache, und geh dann abends ins Bett. Und das jeden Tag. Zieh das dann zwei, drei Jahre so durch. Auch wenn du nichts dafür bekommst, zieh das so durch. Ich habe sehr viel Zeit in YouTube investiert, als ich noch gar nichts damit verdient hab. Da hab ich auch schon 40 Stunden die Woche in meine Videos gesteckt, obwohl ich parallel dazu studiert habe.

KEYS: Rezo, vielen Dank für das Interview.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der KEYS-Ausgabe 10/17.