Test

Im aktuellen Heft haben wir folgende Produkte für Sie getestet:


Wolfgang Palm PPG WaveMapper 2
Waves Codex
Xfer Records Serum
Oli Larkin VirtualCZ
Hybrid Two Project Alpha
Wave Alchemy Transistor Revolution MKII
Manx SJ-2
Universal Audio UAD-2 Satellite Thunderbolt
Focusrite Red 1 500
Eventide DDL-500
Garritan Harps
Future Retro Zillion
iZotope Ozone 6 Advanced
Tascam US-2x2 und US-4x4
Soundradix/Waves Auto-Align und Inphase
Five 12 Numerology 4
Big Fish Audio Acoustic Soundscapes
Sample Logic Cinematic Keys
HeavyocityMaster Sessions: Ensemble Drums
Soniccouture Konkrete 3
Noise Guild 24 Tone Gongs 1: Mallets & Sticks
Dave Smith Instruments DSM01
HOFA IQ Limiter
Nugen Audio SEQ-S
Eventide UltraReverb
sE Electronics SPACE



Test: Doepfer A-127 BOM, A-142-4 und A-171-2



Doepfer scheinen die Ideen nie auszugehen. Fortlaufend erscheinen neue Module für das A-100-Modularsystem.

Oszillatoren und Filter stehen oftmals im Fokus eines Modularsystems. So wundert es nicht, dass es diese von Doepfer und anderen Anbietern dementsprechend in Hülle und Fülle gibt. Deshalb haben wir uns diesmal einige Module angesehen, die etwas weniger im Rampenlicht stehen.

A-127 BOM Filter Breakout Module
Das Modul A-127 ist ein besonderes Filter. Es vereint drei spannungssteuerbare Bandpässe mit ebensovielen unabhängigen LFOs. Ursprünglich stammt diese Idee von Korgs PS-Serie, wo man durch Schichtung der Filter Formantklänge zur Imitation akustischer Instrumente erreichen wollte. Allerdings entstanden durch die unsynchroniserte Modulation vor allem atmosphärische Flächen, die von Musikern wie Vangelis, Jean Michel Jarre oder Space extensiv eingesetzt wurden. Im A-127 können neben den internen LFOs mit Dreieckswellenform auch externe CV-Quellen genutzt werden, was die Flexibilität gegenüber dem Vorbild erhöht. Doch das volle Potenzial des Moduls war damit noch längst nicht ausgeschöpft. Hierfür gibt es nun das optionale Breakout Module BOM.
Ein Bandpass entsteht aus seriell geschalteten Tief- und Hochpassfiltern. Bei paralleler Anordnung erhält man eine Bandsperre (Notch). Das A-127 sieht alle diese Optionen bereits auf der Platine vor, doch erst mit der Erweiterung werden sie problemlos nutzbar. Alle vier Filtermodi stehen nun pro Filtereinheit als Einzelausgänge bereit. Sie lassen sich nach Bedarf abwechselnd oder mit einem zusätzlichen Mixer gemeinsam nutzen. Außerdem bietet BOM pro Filtereinheit einen regelbaren Audioeingang. Hierüber lassen sich nun mehrere Klangquellen in das A-127 leiten, was bislang nur über einen vorgeschalteten Mixer möglich war. Das BOM hat dabei den handfesten Vorteil, das A-127 ab sofort auch wie drei völlig unabhängige Filter einsetzen zu können.
Eine andere Anwendung ist die Möglichkeit, mehrere Filter in Reihe zu schalten. Ein Tiefpass kann hier die volle Resonanz eines Hochpasses zähmen oder ein Hochpass den Bassbereich eines Bandpasses. Ebenso lassen sich mehrere Bandsperren zwecks höherer Effektivität kombinieren.
Der runde Klang des A-127 Bandfilters mit seiner markanten Resonanz zeichnet sich natürlich auch bei den Hoch- und Tiefpassmodi am BOM ab. Der Notch-Modus fällt naturgemäß schwächer aus. Immerhin lässt sich seine Wirkung durch Kaskadierung der Filter steigern. Das A-127 BOM wird über drei kurze Flachbandkabel an die Hauptplatine des A-127 angeschlossen, besitzt aber darüber hinaus auch eine eigene Verbindung zum Systembus. Übrigens kann das Breakout-Module nur an die Version 4 des A-127 direkt angeschlossen werden. Bei älteren Versionen des A-127 sind zusätzliche Lötarbeiten erforderlich, die nur von einem Fachmann ausgeführt werden sollten. Doepfer stellt aber eine entsprechende Anleitung hierfür auf der Hersteller-Webseite zum Download bereit.

A-142-4 QUAD Decay
Mit den Phasen Attack, Decay, Sustain und Release wurde einst der Standard für Hüllkurven so gut definiert, dass sich damit Klangverläufe unterschiedlichster Instrumente grundlegend nachahmen lassen. Es gibt zwar auch Hüllkurven mit zusätzlichen Phasen für umfassendere Verläufe, doch bei Synthesizern wird etwa zur Steuerung von Filter, FM-Intensität und synchronisierten Oszillatoren oft dennoch nur eine Decay-Phase genutzt. Somit ist ein Modul, das vier separate Decay-Hüllkurven zur Verfügung stellt, ein wirklich sinnvolles Werkzeug. Die vier Minimal-Hüllkurven des A-142-4 lassen sich mit jeweils eigenen Triggersignalen unabhängig nutzen. Die manuell einstellbare Decay-Zeit liegt dabei im Bereich zwischen 2 und 2.000 Millisekunden. Intern ist zudem ein Attack vorhanden, um bei der Steuerung sensibler Funktionen Knackgeräusche zu vermeiden. Auf der Platine lässt sich dieser Attack-Parameter per Trim-Potentiometer individuell justieren. Die vier Trigger-Eingänge sind in einer Kette untereinander verbunden. Ist nur der erste Eingang gepatcht, werden auch die nachfolgenden Decay-Hüllkurven ausgelöst. Patcht man zusätzlich einen weiteren Eingang, wird die Kette nach oben unterbrochen und bleibt nur unterhalb dieses Eingangs bestehen. Somit brauchen nicht immer alle vier Eingänge verkabelt zu werden, da auch ein einziges Signal mehrere Hüllkurven auslösen kann, was etwa bei der Steuerung mehrerer Filter nützlich ist. Das Modul kann zudem auch modifiziert werden: Über vier Steckbrücken auf der Platine lassen sich die Hüllkurven mit Jumpern in einen Loop-Modus versetzen. Wer hierfür regelmäßigen Bedarf hat, bastelt sich zu diesem Zweck optimalerweise eine kleine Frontplatte mit vier Schaltern. Das hätte Doepfer eigentlich gleich mit anbieten können.

A-171-2 VC Slew Processor/Generator
Ein Slew-Limiter scheint auf den ersten Blick ein unspektakuläres Modul zu sein, das man für Glide-Effekte braucht. Das Doepfer A-171-2 zeigt jedoch, wieviel mehr Potenzial in so einem Slew-Limter stecken kann: Dieses Modul basiert auf einer Schaltung von Ken Stone, dessen VCS wiederum Anleihen beim gleichnamigen Serge-Modul genommen hat. Das A-171-2 kann neben seiner eigentlichen Funktion auch als Oszillator, Waveshaper, spannungsgesteuerter LFO, A/D-Hüllkurve und sogar als subharmonischer Generator eingesetzt werden. Schon in seiner Eigenschaft als Slew-Limiter ist das A-171-2 ungewöhnlich: Anstiegs- und Abfallzeit lassen sich separat regeln und können zwischen linearer und exponentieller Kurve umgeschaltet werden, zusätzlich sind die beiden Zeiten CV-steuerbar. Portamento-Effekte lassen sich so äußerst flexibel gestalten. An dieser Stelle bietet sich bereits die Möglichkeit zum Waveshaping an. Schickt man etwa einen Rechteck-LFO in das Modul, kann dessen Kurve in viele Variationen eines Trapezes verwandelt werden oder wahlweise auch asymmetrische Formen annehmen. Das funktioniert in gewissen Grenzen sogar mit einer VCO-Wellenform. Über die CV-Eingänge lässt sich dieses Waveshaping darüber hinaus auch modulieren. Neben dem Slew-Eingang ist auch ein Trigger-Eingang vorhanden. Mit geeigneten Signalen gespeist, gibt das Modul nun eine eigene Steuerspannung aus, die den Einstellungen der Regler von Anstiegs- und Abfallzeit entspricht. Im Ergebnis ist das eine, wiederum CV-steuerbare, AD-Hüllkurve. Mit dem Cycle-Schalter wird aus dem einmaligen Durchlauf der Hüllkurve schließlich auf Wunsch auch ein kontinuierliches Signal – also ein LFO. Sind Anstiegs- und Abfallzeit kurz genug eingestellt, wird die Wellenform auch hörbar und das Modul verwandelt sich dann in einen VCO. Hierfür ist ein gesonderter exponentieller Steuereingang vorhanden, über den das Signal spielbar wird, wenn auch ohne absolute Oktavreinheit. Übersteigt eine eingehende, schnelle Trigger-Folge die gemeinsame Anstiegs- und Abfallzeit, wird das Signal ganzzahlig geteilt. Im Audiobereich schafft man hierdurch eine Suboktave, beziehungsweise einen einfachen Suboszillator. Es gibt wenige Module, die aus einer so einfachen Funktionalität eine derartige Anwendungsvielfalt erzeugen können. Und wer weiß, wahrscheinlich hält das A-171-2 mit etwas Experimentierfreude noch weitere Überraschungen bereit.

Fazit
Doepfer schafft es, sein bereits unerreicht vielseitiges Sortiment für Modularsysteme am Markt zu erweitern – und zwar wirklich sinnvoll. Während sich viele Kleinhersteller oft auf exotische Module spezialisieren, steht bei Doepfer nach wie vor insbesondere die praktische Funktionalität im Zentrum. Alle drei getesteten Module wirken daher vielleicht auf den ersten Blick etwas unspektakulär, erweisen sich bei der praktischen Arbeit aber als überaus nützlich und flexibel, wobei es mir speziell der A-171-2 VCS mit seiner starken Wandelbarkeit angetan hat. Aber auch das A-127 BOM ist für Besitzer des zugehörigen Filters eigentlich ein Pflichtkauf.

Autor: Ulf Kaiser

Doepfer A-127 BOM, A-142-4 Quad, A-171-2 VCS
Vertrieb/Internet: Alex 4
Preis A-127 BOM (UVP): 70 EUR
Preis A-127 Hauptmodul (UVP): 175 EUR
Preis A-142-4 Quad (UVP): 100 EUR
Preis A-171-2 VCS (UVP): 120 EUR






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