Das nervt, wenn Ohrwürmer zur Qual werden

Ich lasse mich morgens ganz „old school“ von einem Radiowecker wecken. Nicht selten kommt es deshalb vor, dass ich das erste Lied, das ich morgens unterbewusst wahrnehme, den halben Tag mit mir herumschleppe. Das kann oft ganz schön nerven – vor allem dann, wenn man das Lied eigentlich furchtbar findet.

Der gemeine Ohrwurm

Laut Definition ist ein Ohrwurm ein eingängiges und merkfähiges Musikstück, das dem Hörer für einen längeren Zeitraum in Erinnerung bleibt und einen hohen akustischen Wiedererkennungs- und Reproduktionswert besitzt. So weit, so gut. Jetzt habe ich aber neulich von einer Studie gelesen, die angeblich beweisen soll, dass man viel öfter solche Songs im Ohr beziehungsweise Kopf behält, die man im Grunde ganz gerne mag. Und das halte ich für ein Gerücht! Ganz im Gegenteil – ich kann mich eigentlich an keinen Ohrwurm erinnern, den ich nicht als total unangenehm wahrgenommen habe. Erst gestern wieder hat sich ein solcher Song in meinen Kopf geschlichen – und zwar „Wake Me Up“ von Avicii. Ich mag dieses Lied nicht besonders. Es ist zwar nicht so, dass ich es unerträglich finde, aber irgendwie furchtbar langweilig. Da ich mit „Wake Me Up“ aber bezeichnenderweise aufgewacht bin, bekam ich den Refrain bis weit nach 15 Uhr nicht mehr aus dem Ohr. Das nervt mich dann vor allem deswegen, weil ich viel lieber Ohrwürmer von Songs hätte, die ich gerne mag. Da werden Energien für Dinge verschwendet, die man deutlich besser nutzen könnte. Und überhaupt – wenn die Ergebnisse der Studie richtig sind, wieso habe ich denn dann keine Ohrwürmer von meinen Lieblingssongs?

Mein schlimmster Ohrwurm

Der absolute Klassiker und Dauerbrenner in Sachen Ohrwurm ist bei mir „Diamonds“ von Rihanna. Seit der Veröffentlichung irgendwann in 2012 lief der Song bestimmt zwei Jahre lang im Radio rauf und runter. Und ja, hier kann ich wirklich mit Gewissheit sagen, dass ich das Lied furchtbar finde. Wenn ich dieses blöde „Shine bright like a diamond“ schon höre, merke ich, wie mich das richtig aggressiv macht. Sogar jetzt, wo ich nur darüber schreibe! Und doch kann ich mich an unzählige Situationen erinnern, in denen ich eben jenes Lied leicht entrückt vor mich hin gepfiffen habe oder der Refrain zumindest in meinem Kopf in einer schier endlosen Dauerschleife vor sich hin dudelte. Was war ich erleichtert, als „Diamonds“ so langsam, aber sicher aus den Radio-Rotations herausgenommen wurde. Und dann kam plötzlich die nicht minder erfolgreiche Cover-Version von Josef Salvat – und alles fing wieder von vorne an …

Angriff ist die beste Verteidigung

Wie gemein, aber wirkungsvoll solche Ohrwürmer sein können, kann man sehr gut im Gegenversuch testen. Pfeifen Sie mal im Büro oder beim Abendessen laut „Wind of Change“ von den Scorpions vor sich hin und warten auf die Reaktionen. Unter Garantie ist jemand dabei, der kurz darauf dasselbe Lied anstimmt oder sich entnervt für den Ohrwurm bedankt. Funktioniert übrigens auch hervorragend mit „Happy“ von Pharrell Williams, mit „Macarena“ oder „Coco Jambo“. Und da soll mir noch mal einer erzählen, Ohrwürmer wären etwas Positives.

Auf der Seite unseres Autoren können Sie uns in den Kommentaren von Ihren schlimmsten Ohrwürmern berichten. 

Der Autor

Sascha Beckmann ist studierter Journalist und arbeitet als freier Redakteur und Autor. Neben dem Schreiben für Magazine und Unternehmen ist er immer wieder auch als Musiker und Komponist in verschiedenen Projekten tätig. Bei seiner Arbeit für KEYS kann er beide Leidenschaften perfekt miteinander verbinden.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der KEYS-Ausgabe 03/16.


Autor Sascha Beckmann