Das nervt, wenn meine Musik mir nicht mehr gehört

Schon seit Monaten überlege ich, ob es nicht auch für mich mal langsam an der Zeit ist, meine Musik-Bibliothek auf einen Streaming-Dienst umzustellen. Bisher habe ich mich immer erfolgreich dagegen gewehrt, bis mir Microsoft neulich ein 30-Tage-Probe-Abo für deren neuen Groove-Dienst (ehemals Xbox Music) angeboten hat.

Und so sitze ich nun hier und schreibe diese Zeilen, während im Hintergrund gestreamte Musik aus einer meiner Playlists vor sich hindudelt. Bis dahin war es aber auch ein ordentliches Stück Arbeit.

Die Playlist meines Lebens

Ich bin ein absoluter Freund von Abspiellisten. Ich hatte mir für meine recht umfangreiche MP3-Sammlung über die Jahre quasi für jede erdenkliche Lebenssituation eine Playlist erstellt. Für Partys mit Freunden, für Familienfeiern mit Kaffee und Kuchen, für Fußball-Großereignisse, für mein Smart­phone, wenn ich Sport mache und, und, und. Ich habe sogar eine Playlist ausschließlich mit klassischer Musik – einfach, weil mir manchmal danach ist. Selbstverständlich wollte ich darauf nicht verzichten, weshalb ich meine Sammlung nun zunächst in mühevoller Kleinarbeit „nachbauen“ musste. Das hat mich schon die eine oder andere Nacht gekostet.

Streaming über den Tellerrand hinaus

Hierbei offenbarte sich dann aber schnell einer der wesentlichen Vorteile von aus dem Internet gestreamter Musik. Während ich gezielt nach den Liedern suche, die ich sowieso schon kenne, stoße ich immer wieder auch auf tolle Songs oder Künstler, die ich bis dato gar nicht kannte. Das ist ganz klar ein Vorteil und hilft ohne Zweifel dabei, seinen musikalischen Horizont zu erweitern. Gleiches gilt für Alben, in die man gerne mal reinhören möchte, aber sie sich deshalb nicht gleich kaufen würde. Auch dafür eignen sich Streaming-Dienste à la Spotify, Deezer oder eben Groove ganz hervorragend. Klar, dafür bezahlt man natürlich auch einen monatlichen Beitrag. In meinem Fall sind das etwas über 8 Euro pro Monat, wobei die Big Player in diesem Bereich preislich alle recht nah beieinander liegen. Auch bei den Features sind die Anbieter recht ähnlich. Musik offline verfügbar machen und eigene Playlists erstellen können die meisten. Hier und da kann man noch seine eigenen Songs in die Online-Musikbibliothek hochladen oder Musikvideos streamen. Aber im Großen und Ganzen sind die Kernfunktionen doch recht ähnlich.

Hat gar nicht weh getan?

Was soll ich sagen? Ja, es funktioniert! Und es ist erstaunlich, wie schnell man sich daran gewöhnt, dass man immer und überall Musik dabei hat. Und doch bleibt bei mir das ungute Gefühl zurück, dass es sich dabei nicht mehr um „meine“ Musik handelt. Was ich da im Wohnzimmer, im Büro oder unterwegs auf meinem Smartphone höre, gehört mir irgendwie nicht mehr. Ich habe lediglich ein zeitlich begrenztes Nutzungsrecht. Wenn sich der Anbieter entscheidet, Songs aus dem Programm zu nehmen, sind sie auch für mich weg. Gleiches gilt für einen Anbieterwechsel, der immer gleich den kompletten Verlust meiner mühsam aufgebauten Musiksammlung zur Folge hätte. Für mich fühlt sich das insgesamt viel wertloser an, als wenn ich mir eine CD kaufe und sie mir ins Regal stelle. Hier bekommt Musik eher den Charakter eines Wegwerf-Produkts und das macht mich als Musiker nachdenklich. Ich werde wohl erstmal zweigleisig fahren und mir von guten Alben weiterhin auch die CD kaufen. Mal schauen, wie lange …

Was halten Sie von Streaming-Plattformen? Auf der Seite unseres Autoren können Sie in der Kommentar-Sektion Ihre Meinung kundtun. 

Der Autor

Sascha Beckmann ist studierter Journalist und arbeitet als freier Redakteur und Autor. Neben dem Schreiben für Magazine und Unternehmen ist er immer wieder auch als Musiker und Komponist in verschiedenen Projekten tätig. Bei seiner Arbeit für KEYS kann er beide Leidenschaften perfekt miteinander verbinden.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der KEYS-Ausgabe 01/16.


Autor Sascha Beckmann